Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Land: GB/USA 2017  Laufzeit: 110 min  Regie: Martin McDonagh
Mit: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Abbie Cornish, John Hawkes, Peter Dinklage, Caleb Landry Jones, Lucas Hedges, Clarke Peters, Zeljko Ivanek, Kerry Condon  Kinostart: 25.1.2018

Ein Beitrag unseres Ermittlers Julian Dax:

© © 2017 Twentieth Century Fox

Mit Filmtiteln ist das so eine Sache: Während man sich bei uns schon längst daran gewöhnt hat, dass man die Originaltitel beibehält und Filme in unseren Kinos laufen, die eben nicht „Schneewittchen und der Jäger“ heißen, sondern „Snow White And The Huntsman“, was natürlich wesentlich „cooler“ klingt, haben es andere Titel da schon wesentlich schwerer, sogar in ihrem Ursprungsland. So dürfte Three Billboards Outside Ebbing, Missouri auch in den USA zu Stirnrunzeln an den Kinokassen geführt haben. Und den Film unter diesem Titel auch in Deutschland in die Kinos zu bringen, ist entweder sehr optimistisch oder einfach nur sehr naiv, was den Erfolg des Films betrifft.

Über ein halbes Jahr ist bereits vergangen, ohne dass die örtliche Polizei auch nur eine einzige Spur in einem bestialischen Mordfall gefunden hat. Mildred Hayes, die Mutter des ermordeten Mädchens, mietet nach einer Art von Eingebung drei vergammelte riesige Plakatwände am Rande einer Ausfallstraße und beauftragt die zuständige Firma, auf knallrotem Hintergrund folgenden Text in Blockbuchstaben zu schreiben: RAPED WHILE DYING / AND STILL NO ARRESTS? / HOW COME, CHIEF WILLOUGHBY?
Diese Aktion hat, wie man sich vorstellen kann, ungeahnte Folgen, und das nicht nur für Mildred Hayes, sondern praktisch für den gesamten verschlafenen kleinen Ort Ebbing…

Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh, der bereits mit dem originellen Gangsterfilm In Bruges (deutscher Titel: Brügge sehen… und sterben?) eine Oscar-Nominierung erhalten hat, erweist sich erneut als brillianter Beobachter und Erzähler, wenn es um menschliche Verhaltensweisen im Angesicht extremer Krisensituationen geht. Im Falle von Three Billboards… präsentiert er zunächst eine Handvoll Figuren – eine völlig desillusionierte und verbitterte Mutter, ein nicht ganz durchsichtiger Polizeichef, ein dummer, rassistischer Alkoholiker, der nicht nur Polizist ist, sondern auch als Erwachsener noch bei seiner wahrlich monströser Mutter lebt, ein junger Mann, der die Werbefirma leitet, die für die Plakatwände zuständig ist – von denen man als Zuschauer denkt, sich sehr schnell ein Bild von ihnen machen zu können. Zug um Zug jedoch – und das ist das Wunderbare an dem Film – macht sich McDonagh daran, diese vermeintliche Gewissheit zu unterminieren bzw. sie teilweise sogar ganz auf den Kopf zu stellen. Natürlich verunsichert das den Zuschauer zunächst einmal, zwingt ihn jedoch in Folge, sich selbst Fragen zu stellen. Ist Chief Willoughby (Woody Harrelson) tatsächlich desinteressiert und inkompetent? Was ist der Grund für das Verhalten von Jason Dixon (Sam Rockwell), dem dummen rassistischen Polizisten? Kann man Mildred Hayes` (Frances McDormand) Zorn wirklich nachvollziehen und vor allem gutheißen, selbst nachdem sie sich zu wesentlich radikaleren Maßnahmen hinreißen lässt, als nur provokante Plakatwände aufstellen zu lassen?

© © 2017 Twentieth Century Fox

Und je häufiger man sich im Verlaufe des Films solche Fragen stellt, desto mehr wird die anfängliche Einstellung den Charakteren auf der Leinwand gegenüber erschüttert, nur um am Ende festzustellen, dass man Menschen nicht vorschnell be- bzw. verurteilen soll. Auch wenn dies natürlich keine weltbewegend neue Erkenntnis darstellt – derart subtil und ohne das geringste Anzeichen eines moralisch erhobenen Zeigefingers ist sie schon lange nicht mehr im Kino vermittelt worden!

Dabei ist es nicht nur das brilliante und stellenweise äußerst schwarzhumorige, eindeutig von den Gebrüdern Coen beeinflusste Drehbuch, das hier an erster Stelle genannt werden muss – die Szene, in der Mildred Hayes dem zu Besuch weilenden Ortspfarrer so richtig die Leviten liest, ist allein schon das Eintrittsgeld wert – es sind vor allem die Darsteller, und zwar alle Darsteller, die eine phantastische Arbeit abliefern und selbst kleine Nebenrollen in wahre Kabinettstückchen verwandeln. Ob Peter Dinklage als kleinwüchsiger Helfer in der Not oder Samara Weaving als hohlköpfige neue Freundin von Mildreds geschiedenem Mann – alle fügen sich ins Gesamtbild und bleiben nachhaltig in Erinnerung. Und die drei Hauptdarsteller? Eigentlich müssten alle drei eine Oscarnominierung erhalten, so sehr gehen Frances McDormand, Sam Rockwell und Woody Harrelson in ihren Rollen auf, ohne sich auch nur ein einziges Mal in den Vordergrund zu spielen.

Einer der Filme des noch jungen Jahres 2018? Definitiv!!!

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