Der Stern von Indien

Originaltitel: Viceroy’s House  Land: GB/Indien 2017
Regie: Gurinder Chadha  Mit: Hugh Bonneville, Gillian Anderson, Manish Dayal, Huma Qureshi, Michael Gambon  Label: Tobis  Veröffentlichung: 15.12.2017  FSK: 6

Ein Beitrag unseres Fernost-Experten Julian Dax:

© TOBIS

Ist es nicht erstaunlich, wie viele Filme in letzter Zeit sich mit der Vergangenheit Großbritanniens beschäftigen? Ob Victoria & Abdul, Dunkirk, Fernsehserien wie Victoria oder The Crown und gleich zwei Filme über Winston Churchill – man könnte glauben, die Briten wollten allen noch einmal ins Gedächtnis zurückrufen, um welch eine außergewöhnliche Nation es sich handelt, um irgendwie den Brexit zu rechtfertigen.

Im Jahre 1947 kommen Lord Mountbatten und seine Frau Edwina mitsamt Tochter und Familienhund nach Delhi. Seine Aufgabe als Vizekönig besteht darin, das seit 300 Jahren als britische Kronkolonie geführte Indien in die Unabhängigkeit zu entlassen. In seinem Palast arbeiten etwas 500 indische Bedienstete, darunter auch der ebenfalls neu angekommene junge Hindu Jeet, der hier zu seiner großen Überraschung seine einstige große Liebe Aalia wiedersieht – eine Muslima.

Als Mountbatten und sein Stab sich an die mehr als schwierige Aufgabe machen, das instabile Land vor ihrem Rückzug zu befrieden, müssen alle Beteiligten feststellen, dass es nahezu unmöglich ist, die verfeindeten Bevölkerungsgruppen – auf der einen Seite stehen Hindus und Sikhs, die bereits zwei separate Fraktionen bilden, auf der anderen Moslems – in irgendeiner Form zur Ruhe zu bringen. Trotz gewisser Bedenken entscheidet man sich letztlich, das Land aufzuteilen, und ein weiterer unabhängiger Staat entsteht: Pakistan. Indiens Bevölkerung, darunter das verzweifelte Liebespaar, muss sich entscheiden, wo sie in Zukunft leben wollen…

© TOBIS

Passend zum 70. Jahrestag dieser historischen Ereignisse entschloss sich die britisch-indische Regisseurin Gurinda Chadha, Viceroy´s House zu drehen, wie der Film im Original heißt, und zu Beginn des Abspanns erfährt man auch, warum dies für sie wohl ein Herzensprojekt darstellt; ihre Großmutter gehörte zu den insgesamt 14 Millionen (!) Menschen, die plötzlich ihre angestammte Heimat verlassen mussten. Dabei muss ihr schon von Anfang an klar gewesen sein, dass man ihren Film zwangsläufig an solch ambitionierten Werken wie Die Reise nach Indien oder Gandhi messen würde, und hier liegt wohl das Hauptproblem; hat man erst einmal angefangen, Vergleiche anzustellen, muss „Der Stern von Indien“ sich hinten anstellen, denn trotz einiger Massenszenen erscheint hier alles wesentlich reduzierter und schlichter. Natürlich ist es völlig legitim, sich des erprobten dramaturgischen Kniffes zu bedienen, eine private Liebesgeschichte in den Mittelpunkt eines historischen Dramas zu stellen – bei Doktor Schiwago funktioniert das ja auch prächtig – doch so richtig im Mittelpunkt steht in diesem Fall die Romeo und Julia – Variation gar nicht, sie ist lediglich eine Art Zuckerguss auf der ohnehin schon schwer verdaulichen Torte der Haupthandlung.

Darin wird gezeigt, wie Lord Mountbatten und seine Frau – beides offensichtlich aufrichtige und selbstlose Menschen – sich nach Kräften bemühen, die Situation für die zahlreichen Betroffenen einer so noch nicht dagewesenen Entscheidung zu entschärfen, nur um am Ende zu erkennen, dass sie auch nur Marionetten in einem perfiden Spiel sind, dessen Ausgang bereits vor zwei Jahren durch Winston Churchill höchstpersönlich festgelegt worden war.

Wer Filme mag, die sich mit Geschichte befassen, gerne prächtige Kulissen und Kostüme betrachtet und gute Schauspieler (Hugh Bonneville, Gillian Anderson) zu schätzen weiß, der findet all das in Chadhas Film. Wer jedoch von solch einem Film auch emotional gepackt werden möchte, dürfte enttäuscht sein, denn merkwürdigerweise berührt einen das Schicksal des Liebespaars nicht sonderlich.


Technische Daten DVD:

Laufzeit ca. 102 Min.
Bildformat 2,40:1 (16:9 anamorph)
Tonformat DD 5.1
Sprachen Deutsch, Englisch
Untertitel Deutsch, Englisch
Extras B-Roll, Featurettes, Bildergalerie, Deleted Scenes, Trailer

Technische Daten Blu-ray:

Laufzeit ca. 107 Min.
Bildformat 2,40:1 (1080p/24)
Tonformat DTS-HD 5.1
Sprachen Deutsch, Englisch
Untertitel Deutsch, Englisch
Extras B-Roll, Featurettes, Bildergalerie, Deleted Scenes, Trailer
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