Zwischen den Stühlen

Land: Deutschland 2016  Drehbuch & Regie: Jakob Schmidt
Label: Weltkino  Veröffentlichung: 1.12.2017  FSK: 6

Ein Beitrag unseres Lehrers Julian Dax:

© Weltkino

Ganz gleich, wie lange die Schulzeit zurückliegt – die meisten Menschen erinnern sich bestimmt noch an einen bestimmten Referendar, der in ihrer Klasse seine ersten pädagogischen Schritte unternahm, sich dabei mehr oder weniger geschickt anstellte und vor allem der Gnade der Schüler ausgeliefert war. In seiner abendfüllenden Dokumentation Zwischen den Stühlen beschäftigt sich Regisseur Jakob Schmidt mit eben dieser Spezies und zeigt am Beispiel dreier Protagonisten während ihres Referendariats, was alles vom heutigen Lehrer von den verschiedenen Interessengruppen (Schulbehörde, Schüler, Eltern) verlangt und erwartet wird.

Man verfolgt vor allem den beruflichen Werdegang von Anna, Katja und Ralf an ihren diversen Schularten (Grundschule, Gesamtschule, Gymnasium) und merkt sehr schnell, wieviel Kraft und Durchhaltevermögen der Lehrerberuf heutzutage erfordert. Ganz gleich, ob man als Person nun eher schüchtern und zurückhaltend oder selbstsicher und kontrolliert vor der Klasse steht – ständig muss man auf Situationen reagieren, auf die man weder während des Lehramtstudiums noch von seinen Ausbildern entsprechend vorbereitet worden ist. Ständig muss man auch das eigene Verhalten hinterfragen und Selbstkritik üben. Zum Umgang mit immer schwieriger werdenden Schülern kommen noch ständige Korrekturen, Gespräche mit völlig uneinsichtigen Eltern in Bezug auf Verhaltensprobleme ihrer Kinder und der ständige Druck der Prüfungslehrproben.

Auch wenn die Szenen im Klassenzimmer im Grunde genommen nur Momentaufnahmen darstellen, sodass man sich als Zuschauer kein eindeutig klares Bild davon machen kann, ob die betreffende Person nun auf dem Weg ist, ein „guter“ oder vielleicht doch eher ein inkompetenter Lehrer zu werden, so wird einem auch als Laie klar, dass man – schon allein aufgrund des ständigen Geräuschpegels Nerven wie Drahtseile haben muss, um die Zeit im Klassenzimmer schadlos zu überstehen. Und das Schlimmste: Niemand kann einem wirklich beibringen, wie man vor einer Klasse von unaufmerksamen, desinteressierten, verzogenen Schülern auftreten soll – auch die Privatstunden bei einem „Sprachcoach“, die Anna auf sich nimmt, um ihre Schüchternheit zu überwinden, sind da keine große Hilfe. Letztlich, auch das wird absolut deutlich, gibt es Menschen, die speziell für diesen Beruf einfach ungeeignet sind. Aber das ist nicht unbedingt eine neue Erkenntnis.

© Weltkino

So bleibt zum Schluss wieder einmal die Frage, für wen dieser Film eigentlich gemacht worden ist. Naive Lehramtsstudenten mögen vielleicht erschrecken und ihr Studium noch einmal überdenken, Referendare werden das Gezeigte nur müde abnicken und Menschen, denen der Lehrerberuf schlicht egal ist, interessiert es ohnehin nicht, mit welchen Problemen dieser heutzutage behaftet ist. Insofern erstaunt es etwas, dass diese Dokumentation überhaupt ihren Weg auf die große Leinwand gefunden hat und nun sogar als DVD vorliegt. Vielleicht, so mögen sich die Filmemacher in ihrem Optimismus gedacht haben, trägt er bei den wenigen Interessierten doch dazu bei, dass ihnen zum Begriff „Lehrer“ doch etwas mehr einfällt als: „Lehrer haben morgens recht und nachmittags frei“.


Technische Daten DVD:

Länge: 102 min
Bild: 1,78:1 (anamorph)
Ton: Deutsch
Untertitel: Englisch
Extras: Deleted Scenes, Audiokommentar von Regisseur Jakob Schmidt und den drei Protagonisten, Trailershow, Wendecover

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