Wenn du mich frägst, macht das in keinster Weise Sinn

Titel: Wenn du mich frägst, macht das in keinster Weise Sinn – Von der deutschen Sprache ihrem Niedergang Autor: Andreas Hock Verlag: riva, September 2017
Umfang: Softcover, 176 Seiten ISBN: 978-3-7423-0251-9 Preis: 14,99 €, E-Buch 11,99 €

Aus aktuellem Anlass ein Beitrag unseres Sprachschützers Julian Dax:

Groß waren Entsetzen und Verwunderung in Baden-Württemberg, als erst neulich bekannt wurde, dass unsere Grundschüler im bundesweiten Ländervergleich vor allem im Fach Deutsch derart abgestürzt sind, dass sie nur noch auf dem vorletzten Platz rangieren. Nach der Lektüre von Wenn du mich frägst, macht das in keinster Weise Sinn – Von der deutschen Sprache ihrem Niedergang wundert man sich nur noch bedingt.

In 25 kurzen Kapiteln listet der Autor und Journalist Andreas Hock auf, warum die einstige Sprache der Dichter und Denker sich mehr oder weniger im freien Fall befindet. Bereits im ersten Kapitel mit der Überschrift „Weil ein Schweizer eine folgenschwere Idee hatte“ schildert er quasi kopfschüttelnd, wie die Lernmethode des Schweizer Pädagogen Jürgen Reichen sich wie eine Epidemie an deutschen Grundschulen ausbreiten konnte. „Schreiben nach Gehör“ heißt die Zauberformel, d.h. die Schüler dürfen sich zwei, manchmal sogar drei Jahre lang schriftlich so mitteilen, wie sie es für richtig halten; so wird der Vater wahlweise zum Fata, Fatta oder Fadder, und auch ein Satz wie „die katse schbilt drausn im gardn“ bleibt unkorrigiert stehen. Schließlich, so heißt tatsächlich die hanebüchene Begründung, wolle man das unerschöpfliche Kreativitätspotenzial von Kindern nicht mit starren Regeln zunichte machen.
O sancta simplicitas! (Für Nichtlateiner: Oh, heilige Einfalt!) kann man da nur noch ausrufen, denn letztlich hat dieser bodenlose Schwachsinn dazu geführt, dass, so Hock, „knapp die Hälfte aller Viertklässler eine eklatante Rechtschreibschwäche hat, von der man noch gar nicht weiß, wie sie sich später auswirken wird.“

Aber es ist nicht nur die mangelnde Sorgfalt, mit der die absolut notwendigen Grundlagen für eine sichere Sprachbeherrschung geschaffen werden, die der Autor aufs Korn nimmt. In Kapiteln wie „Weil die Happy Hour nicht jeden glücklich machte“, „Weil Media-Agencys so gerne Ideas deliverten“ oder „Weil die Kirche Luther-Activities entdeckte“ beschäftigt er sich mit dem galoppierenden Denglisch-Wahn, spottet in „Weil die Maus nicht im Pfeffer begraben lag“ über merkwürdig veränderte geflügelte Worte und Redewendungen und macht sich in „Weil das Internet eine ganz hässliche Sprache kreierte“ oder „Weil ein gelbes Gesicht keine Kommunikation ersetzen konnte“ ernsthafte Sorgen über solch zunehmende Phänomene wie Verrohung der Sprache und zunehmende Sprachlosigkeit; wozu sorgfältige Worte wählen, um miteinander zu kommunizieren, wenn es ein paar unflätige Begriffe bzw. Emojis auch tun.

Natürlich hat Andreas Hock, der sich bereits in seinem ersten Buch (Bin ich der Einzigste hier, wo Deutsch kann?) mit dem Thema beschäftigt, keine wissenschaftliche Abhandlung verfasst; er bietet dem geneigten Leser ein wahres Füllhorn von Argumenten und Beispielen, die ebenso informativ wie vor allem unterhaltsam sind und das bewirken, was ein solches Buch sollte: Aufklärung im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine Leseprobe (PDF) finden Sie hier beim riva-Verlag.

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