Mord im Orient Express

Land: USA/Malta 2017 Laufzeit: 114 min Regie: Kenneth Branagh
Mit: Kenneth Branagh, Michelle Pfeiffer, Penélope Cruz, Josh Gad, Judi Dench, Olivia Colman, Daisy Ridley, Leslie Odom jr., Marwan Kenzari, Willem Dafoe, Lucy Boynton, Sergej Polunin, Derek Jacobi, Manuel Garcia-Rulfo, Tom Bateman, Johnny Depp Kinostart: 9.11.2017

Ein Beitrag unseres Bahnreisenden Julian Dax:

© 2017 Twentieth Century Fox

Schätzungsweise 2 Milliarden Bücher hat die sog. „Queen of Crime“ bis heute umgesetzt und gilt somit als erfolgreichste Kriminalautorin der Welt. Die Rede ist natürlich von Agatha Christie, und jeder, aber auch wirklich jeder, der sich nur ganz am Rande für Krimis interessiert, kennt mindestens einen ihrer insgesamt 66 Romane bzw. deren Verfilmung, und sei es auch nur Der Wachsblumenstrauß oder 16.50 Uhr ab Paddington mit der unvergesslichen Margareth Rutherford als Miss Marple. Einer von Christies bekanntesten Romanen, Mord im Orient Express, der bereits 1974 mit einem stargespickten Ensemble (u.a. Lauren Bacall, Ingrid Bergman, Sean Connery, Anthony Perkins) von Sidney Lumet inszeniert wurde, erlebt nun ein Remake.

Es ist eine illustre Gesellschaft, die sich im Jahre 1934 an Bord des von Istanbul nach Paris fahrenden legendären Orient Express befindet, darunter auch der – so zumindest nach der eigenen Einschätzung – beste Privatdetektiv der Welt, Monsieur Hercule Poirot aus Belgien, der eigentlich nur Urlaub machen möchte. Als der Zug nach dem Niedergang einer Lawine an der Weiterfahrt gehindert wird und zudem noch ein ziemlich blutiger Mord geschieht, sind allerdings Poirots „kleine graue Zellen“ äußerst gefragt, denn, wie es so schön auf dem Filmplakat heißt, „Jeder ist ein Verdächtiger“.

Wer den o.a. Film von 1974 kennt, muss die Neuverfilmung nicht unbedingt sehen, denn sowohl der Plot als auch die Auflösung des verzwickten Falles sind absolut identisch. Wer jedoch gutes Schauspielkino und sorgfältige Dekors schätzt, kann sich diese Neuauflage durchaus anschauen, denn Kenneth  Branagh, der sowohl Regie führt als auch den mit diversen Marotten behafteten Meisterdetektiv gibt, hat eine beeindruckende Schauspielertruppe zusammengestellt: Judy Dench, Michelle Pfeiffer, Daisy Ridley, Willem Dafoe und nicht zuletzt Johnny Depp, der hier beweist, dass er mehr kann, als in albernen Kostümen durch hanebüchene Filme zu stolpern, überzeugen allesamt in ihren Rollen, auch wenn der künstliche österreichische Akzent in der deutschen Synchronisation, den man Willem Dafoe verpasst hat, eher irritiert. Und während in der 1974 Version der Zug von der Lawine lediglich gestoppt wird, lässt Branagh ihn diesmal spektakulär entgleisen, was immerhin für eine der wenigen Actionsequenzen im ansonsten sehr ruhig erzählten Film sorgt.

© 2017 Twentieth Century Fox

Auch wenn Agatha Christie, wie eingangs erwähnt, zahllose Fans hat, gibt es allerdings auch Kritiker, die ihr vorwerfen, in vielen ihrer Werke das immer gleiche Schema zu verwenden; eine Gruppe unterschiedlicher Charaktere wird durch äußere Umstände gezwungen, auf relativ engem Raum zusammen zu bleiben. Unter diesen Personen muss sich der Täter befinden, und es obliegt dem jeweils ermittelnden Detektiv, den Fall aufzuklären und den Täter zu entlarven. Auch Mord im Orient Express folgt diesem Schema, zumindest im Großen und Ganzen – mehr zu verraten, wäre an dieser Stelle jedoch extrem unfair, deshalb nur eine Anmerkung für diejenigen, die weder den Roman noch die alte Verfilmung kennen: Am Ende ist alles dann doch ein wenig anders als ursprünglich zu erwarten war.

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3 Antworten zu Mord im Orient Express

  1. Lufio schreibt:

    Man hört ja gerade ziemlich unterschiedliche Kritiken (von „liebloses Remake“ bis „gelungene Neuverfilmung“ ist da alles dabei)
    Sollte man den Film deiner Meinung nach im Kinos sehen oder reicht der auch auch mal in ein paar Monaten auf dem kleinen Fernseher?

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  2. affendaddy schreibt:

    Wer den Film von 1974 kennt und liebt, hat ihn bestimmt in den letzten Jahren 20 mal gesehen, wie ich z.B. Für den ist das Remake eigentlich nur ein Thema daheim am TV. Ich sah den Film mit einem Freund, der den alten Film auch schon oft gesehen hatte und den nach einer halben Stunde ausgiebig beschnarcht hat – hat niemand gestört da wir Nachmittags im Kino waren mit 4 anderen Zuschauern.

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