Sieben Minuten nach Mitternacht

Land: USA/Spanien 2016 Regie: J.A. Bayona
Mit: Sigourney Weaver, Felicity Jones, Liam Neeson, Lewis MacDougall, Toby Kebbell LabelStudiocanal Veröffentlichung: 19.10.2017 FSK: 12

Ein Beitrag unseres phantastischen Julian Dax:

© Studiocanal

Es ist ein Jammer! Während langweiliger und/oder hirnloser Mist massenweise Zuschauer ins Kino lockt, bleiben Filme, die wirklich etwas zu sagen haben und den Zuschauer sowohl fordern als auch belohnen, größtenteils auf der Strecke. Juan Antonio Bayonas Sieben Minuten nach Mitternacht ist solch eine filmische Kostbarkeit.

Der zwölfjährige Conor O’Malley muss mit einer schrecklichen Situation zurechtkommen; seine allein erziehende Mutter leidet an einer Krebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium, sein Vater ist weit weg und hat wieder geheiratet, jede Nacht hat er denselben Alptraum, in dem es ihm nicht gelingt, seine Mutter zu retten, und als ob das nicht bereits mehr als genug wäre, wird er in der Schule von ihm körperlich weit überlegenen Mitschülern übel drangsaliert. Immer mehr zieht sich Conor in seine eigene Welt zurück, zu der auch ein zunächst Furcht einflößendes Baummonster gehört, das ihn eines Nachts besucht. Es bietet Conor an, ihm drei Geschichten zu erzählen, die Conor selbst dann um eine eigene vierte ergänzen soll. Widerwillig lässt sich Conor auf diesen Vorschlag ein und merkt bald, dass die Geschichten nicht ganz das sind, was er ursprünglich erwartet hat, dafür aber viel mit seiner eigenen Situation zu tun haben…

Nach Das Waisenhaus und The Impossible erweist sich der spanische Regisseur zum dritten Mal als äußerst feinfühliger Beobachter von Menschen in existenziellen Ausnahmesituationen. Obwohl er sich streng an die literarische Vorlage von Patrick Ness (Buch) hält, schafft er ein ganz eigenständiges Wunderwerk, das mit verschiedenen Genres jongliert, die sonst nicht unbedingt in einem Atemzug genannt werden; „Sieben Minuten nach Mitternacht“ enthält Horrorelemente, erzählt eine bewegende Mutter-Sohn-Geschichte, bietet mit den Erzählungen des Monsters ebenso wunderschön poetische wie auch abgründig düstere Animationen und macht dem Zuschauer auf geradezu schmerzliche Weise bewusst, was es bedeutet, einen geliebten Menschen zu verlieren.

© Studiocanal

Was den Film jedoch in seine ganz eigene Klasse katapultiert, sind die phänomenalen Leistungen der drei Hauptdarsteller: Sigourney Weaver als zunächst hartherzig erscheinende Großmutter, in deren Nähe Conor absolutes Unbehagen empfindet, Felicity Jones, die der sterbenden Mutter eine innere Kraft und Würde verleiht, weil sie für ihren Sohn möglichst lange am Leben bleiben möchte, obwohl sie weiß, dass es keine Hoffnung mehr gibt, vor allem jedoch der während der Dreharbeiten erst elfjährige Lewis MacDougall in der mehr als schwierigen Rolle als Conor. Im gesamten Film gibt es so gut wie keine einzige Einstellung ohne ihn, wobei er die ganze Palette an Emotionen – von Verzweiflung über Hoffnung bis hin zu Wut und Enttäuschung bravourös meistert. Und Liam Neeson, der in der Originalversion mit seiner markanten Stimme das Monster spricht, vermittelt ebenso glaubwürdig diese Projektion eines Helfers, den der fantasiebegabte Conor in höchster Not heraufbeschwört.

Liam Neeson ist es auch, der in einem der Interviews, die man unter den Extras auf der Blu-ray findet, den äußerst zutreffenden Begriff „magischer Realismus“ prägt, als er den Film beschreiben soll. Auch wenn einen Sieben Minuten nach Mitternacht im wahrsten Sinne des Wortes zu Tränen rührt, empfindet man am Ende – ebenso wie die Hauptfigur – einen gewissen inneren Frieden und gewinnt den Eindruck, dass man auch schlimme Schicksalsschläge überwinden kann, wenn man erst einmal gelernt hat loszulassen ohne zu resignieren.


Technische Daten DVD:

Bild: 2,40:1 anamorph
Sprachen/Ton: Deutsch 5.1 Dolby Digital, Englisch 5.1 Dolby Digital
Untertitel: Deutsch
Laufzeit: 104 Min.

Technische Daten Blu-ray:

Bild: 2,40:1 1080/24p Full HD
Sprachen/Ton: Deutsch 5.1 DTS-HD (Master Audio), Englisch 5.1 DTS-HD (Master Audio)
Untertitel: Deutsch
Laufzeit: 108 Min.

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Eine Antwort zu Sieben Minuten nach Mitternacht

  1. Aktion Morgenluft schreibt:

    Mich hat der leider nur bedingt abgeholt. War zu sehr auf die Tränendrüse und das Sozialpaket von Connor konnte auch dramatischer nicht sein. Schön war allerdings die Message des Films.

    Gefällt 1 Person

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