Josef Hader – Filme und mehr

Titel: Josef Hader – Filme und mehr
Autor:
Andreas Ungerböck [Hrsg.]
Verlag: Schüren-Verlag, September 2017
Umfang: 192 Seiten, zahlreiche farb. Abbildungen
ISBN: 978-3-89472-850-2
Preis: 19,90 €

Gelesen hat Julian Dax:

© Schüren-Verlag

„Wo Josef Hader draufsteht, ist Josef Hader drin.“ Mit diesen Worten charakterisiert ihn die österreichische Schauspielerin Maria Hofstätter im Vorwort zu dem dieser Tage erschienenen „ersten Buch über Josef Hader als filmische Größe“, wie der Herausgeber Andreas Ungerböck schreibt. Ihrem mehrmaligen Filmpartner bescheinigt Maria Hofstätter zudem, er könne schreiben, spielen und Regie führen: „Was immer er macht, man kann mit Qualität rechnen.“

Der knapp 200-seitige broschierte Band bietet in sieben von diversen Autoren verfassten Kapiteln, zu denen auch zahlreiche Fotos gehören – darunter auch ganzseitige farbige – einen äußerst anschaulichen Überblick über die bisherige Karriere eines wahren Ausnahmetalents und wird von einer sorgfältigen Filmographie abgerundet. Im Mittelpunkt des Buches steht dabei ein 50-seitiges Interview mit dem Herausgeber. Unter der Überschrift „Hader über Hader“ erfährt man alles Wesentliche über dessen Anfänge als Kabarettist im Jahre 1985 in Wien, seine weitere Entwicklung, in der er, laut eigener Aussage, versucht, „dem Publikum das herkömmliche Kabarett auszureden“, wobei man ihn hier durchaus in die Nähe zu Stand-up Comedians wie Woody Allen (zu Beginn!), Lenny Bruce oder Gerhart Polt stellen kann, und schließlich zu einem sehr gefragten und vielseitigen Filmschauspieler.

Auch wenn gemeinhin Komm, süßer Tod (2000) als Haders erster großer Kinoerfolg gilt, beweist er bereits sieben Jahre vorher seine darstellerischen Qualitäten. In Indien spielt er einen ziemlich unangenehmen Typ namens Heinzi Bösel, der sich sein Geld als Gast-und Hotelgewerbe-Inspektor verdient. Zusammen mit Kurt Fellner (Alfred Dörfer), einer weiteren Verlierertype, ist er in der österreichischen Provinz unterwegs. Obwohl die beiden Männer anfangs einander nicht ausstehen können, kommt es im Laufe des Filmes zu einer Annäherung, wobei die komisch-skurrilen Elemente der Handlung immer mehr einer wahrhaft tragischen Entwicklung weichen müssen. Jedenfalls gilt „Indien“ bis zum heutigen Tag als einer der erfolgreichsten österreichischen Filme überhaupt.

Doch zurück zu „Komm, süßer Tod“. Die erste Verfilmung von Wolf Haas´ insgesamt neun Romanen, in denen der heruntergekommene Privatdetektiv Simon Brenner im Mittelpunkt steht – mit Silentium (2004), Der Knochenmann (2009) und Das ewige Leben (2015) sollten noch drei weitere folgen – enthält bereits alle charakterlichen Merkmale, die man sowohl mit der Figur als auch deren Darsteller verbindet; wir haben es zu tun mit einem „desillusionierten, vom Leben gebeutelten, aber nicht restlos verbitterten Mann mit einer scharfen Beobachtungsgabe und einem herrlich grimmigen Humor, wie man ihn ja schon von Haders Bühnenauftritten kannte.“, wie es Andreas Ungerböck so treffend beschreibt. Er geht sogar so weit, diese Rolle und deren Verkörperung durch Josef Hader zum „wahren Glücksfall für das österreichische Kino im Allgemeinen und zum fixen Bestandteil des Kanons der österreichischen Populärkultur“ zu deklarieren, in einer Reihe mit Helmut Qualtingers „Herr Karl“ und dem legendären Fernsehpolizisten Adolf Kottan („Kottan ermittelt“).

Während Hader im Laufe der nächsten Jahre weiterhin seine Vielseitigkeit in Filmen und Fernsehspielen unter Beweis stellt – seine eindringliche Darstellung eines Mörders, der nie gefasst wurde, unter seiner Tat jedoch schrecklich leidet, in Ein halbes Leben (2008) vergisst man nicht so schnell – findet er dazwischen immer wieder Zeit, mit seinem ständig modifizierten Bühnenprogramm in Deutschland und Österreich auf Tournee zu gehen.

Als vorläufige Höhepunkte dieses außergewöhnlichen Künstlers kann man sowohl seine äußerst subtile und so bisher nicht von ihm gewohnte Darstellung von Stefan Zweig in Maria Schraders Vor der Morgenröte (2016) als auch den ersten Kinofilm ansehen, in dem er nicht nur Autor und Hauptdarsteller, sondern auch Regisseur ist: Wilde Maus (2017, unsere Rezension), bei der diesjährigen Berlinale uraufgeführt, ist ein weiterer Beweis dafür, dass man sich nicht an den vermeintlichen Publikumsgeschmack anbiedern muss, sondern sein Publikum stets aufs Neue überraschen und herausfordern kann, ohne seine künstlerische Integrität aufzugeben.

Eine Leseprobe im PDF-Format finden Sie hier auf der Webseite des Verlages.


Weitere Bücher aus dem Schüren-Verlag finden Sie in unserer Filmbibliothek:

 

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