Hasta la Vista

Land: Belgien 2011  Spielzeit: 115Minuten  Regie: Geoffrey Enthoven
Mit: Robrecht Vanden Thoren, Gilles de Schryver, Tom Audenaert, Isabelle de Hertogh Label: Ascot-Elite

Aus der Serie Des Kinoguckers persönlichen Filmfavoriten:

(c) Ascot Elite

Drei Freunde Mitte Zwanzig, ein kollektives Problem: endlich mal die Unschuld zu verlieren! Also macht man sich auf ins sonnige Spanien, um dort im Bordell „El Cielo“ den ersten Sex des Lebens zu erleben…

Wer jetzt gleich mit der Befürchtung „Nicht schon wieder so ein pubertärer und schlüpfriger Streifen wie American Pie und Konsorten“ aufstöhnt, liegt völlig daneben. Und kann beruhigt werden: Im belgischen Spielfilm Hasta La Vista ist so Einiges anders. Denn die drei Jungmänner mit der parallelen Sehnsucht haben auch ein gemeinsames Handicap: Philip ist vom Kopf abwärts gelähmt und somit auf Hilfe angewiesen. Lars hat Krebs im Endstadium und sitzt ebenfalls im Rollstuhl. Und Jozef kann zwar laufen, ist aber nahezu blind.

Als die Eltern des frustrierten Trios die als Weintour durch Frankreich deklarierte Reise verbieten, machen sich die Drei auf die Suche nach einem Ersatzfahrer, der sie im Kleinbus nach Punta del Mar fährt. Das dortige Bordell mit dem blumigen Namen „Der Himmel“ ist nämlich auf Dienstleistungen an behinderten Jungs spezialisiert. Schnell werden sie fündig und früh am Morgen abgeholt. Doch Claude, der Fahrer des klapprigen Transporters, entpuppt sich als schwergewichtige und kauzige Frau, die zudem nur Französisch spricht. Die Fahrt an die spanische Küste steht also unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen…

Der belgische Werbe- und TV-Regisseur Geoffrey Enthoven ist in Deutschland so gut wie unbekannt. Zu seinem fünften Spielfilm hat er sich von der BBC-Dokumentation „For One Night Only“ inspirieren lassen. Diese handelt von dem querschnittsgelähmten Briten Asta Philpot, der für das Recht von Behinderten auf ein aktives Sexualleben kämpft. Schnell wurde dieser als Berater engagiert, während die Suche nach passenden Darstellern über ein Jahr dauerte: Enthoven entschied sich schließlich für drei Akteure, die ihre Behinderung nur spielen. Unerwartet fix klappte hingegen die Finanzierung von Hasta La Vista: Im Gegensatz zu den bisherigen Arbeiten des Regisseurs, die ebenfalls von Tabuthemen wie Alter, Tod und Depressionen handeln, wurden wir hier mit Geld überschüttet. Jeder wollte den Film.

Und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen: Enthovens Roadmovie wird von einer spielfreudigen Riege getragen, die auf einer besonderen Mission ist. Die Reise vom trüben Belgien ins sonnige Spanien ist auch ein Kampf der drei Männer um Unabhängigkeit. Und ebenso einer um Vertrauen und Freundschaft, denn je weiter die Tour fortgeschritten ist, umso weniger fokussiert sich die Handlung auf das Ziel „Sex“.

Eine gelungene warmherzige Komödie, die einen authentischen Einblick in das Leben körperlich benachteiligter Menschen bietet.

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