Kingsman: The Golden Circle

Land: USA/GB 2017 Laufzeit: 140 min Regie: Matthew Vaughn
Mit: Taron Egerton, Colin Firth, Julianne Moore, Mark Strong, Halle Berry, Channing Tatum, Jeff Bridges, Pedro Pascal, Elton John, Sophie Cookson, Edward Holcroft, Poppy Delevingne, Hanna Alström, Lena Endre, Björn Granath Kinostart: 21.9.2017

Ein Beitrag unseres Konfliktforschers Julian Dax:

© 2017 Twentieth Century Fox

2015 kam Kingsman – The Secret Service ins Kino und entpuppte sich weltweit als veritabler Erfolg. Verwunderlich war es nicht, besaß doch die James Bond-Parodie alle möglichen Elemente, die man aus den mittlerweile 24 Filmen kennt und liebt, nur eben noch ein bisschen mehr auf die Spitze getrieben. Damit signalisierte der Film natürlich auch, dass man das Ganze um Himmels Willen nicht ernst nehmen soll, denn das Augenzwinkern war in so gut wie jeder Szene erkennbar. Eine Fortsetzung war daher ein „no brainer“, wie der Engländer sagt, eine Selbstverständlichkeit.

In Kingsman – The Golden Circle ist Hauptfigur Eggsy (Taron Egerton) nun ein bestens ausgebildetes und integriertes Mitglied der super geheimen britischen Organisation, der noch um seinen im ersten Film erschossenen Mentor und Freund Harry Hart (Colin Firth) trauert  und als Zeichen seiner Verbundenhait dessen Hund in ausgestopfter Form (!) bei sich zu Hause aufbewahrt. Privat scheint er sein Glück in Form einer skandinavischen Prinzessin gefunden zu haben, die er – ebenfalls im ersten Film – aus den Fängen des größenwahnsinnigen Verbrechers Valentine (Samuel L. Jackson) befreit hatte.
Doch für idyllische Zweisamkeit bleibt leider keine Zeit, denn bereits kurz nach Beginn des Films wird Eggsy in eine wahnwitzige Verfolgungsjagd durch London verwickelt, gefolgt von der totalen Auslöschung aller Kingsmen und deren Hauptquartier, d.h. natürlich aller außer Eggsy (Codename: Galahad) und Merlin (Mark Strong). Durch Zufall geraten sie an die Information, dass es in den Vereinigten Staaten eine ähnliche Organisation namens „Statesman“ gibt und so begeben sie sich nach Kentucky in deren Hauptquartier. Dort werden sie von einigen zunächst äußerst misstrauischen „Kollegen“ in Gestalt von Channing Tatum, Halle Berry und Jeff Bridges empfangen. Und da man Colin Firth auf dem Filmplakat sehen kann, ist es kein Spoiler, wenn man erwähnt, dass auch Harry Hart wieder mit von der Partie ist, wenn auch mit gewissen Anlaufschwierigkeiten…

© 2017 Twentieth Century Fox

In der Zwischenzeit treibt die Verursacherin der Auslöschung der „Kingsman“-Organisation, eine gewisse Poppy (Julianne Moore), ihr perfides Spiel weiter. Von ihrem Hauptquartier irgendwo im südamerikanischen Dschungel hat diese völlig Durchgeknallte das weltweit größte Drogenimperium aufgebaut und findet daneben auch noch die Zeit, ihren Lieblingssänger Elton John (als er selbst!) entführen zu lassen, damit er ihr ein Privatkonzert gibt. Großes Vergnügen bereitet es ihr auch, in Ungnade gefallene Mitarbeiter in einen überdimensionalen Fleischwolf stecken zu lassen und aus den Überresten sehr lecker aussehende Hamburger herzustellen. Hauptberuflich jedoch erpresst sie, neben dem florierenden Drogenhandel, die Regierungen der Welt. Ihre Drogen enthalten nämlich einen neuen Erreger, der bei den unzähligen Konsumenten nach kurzer Zeit unweigerlich zum Tode führt – es sei denn, sie erhalten das ebenfalls von ihr produzierte Gegenmittel. So bleibt den nun vereinigten Superagenten nicht viel Zeit, die Welt zu retten…

Über die Besetzungsliste kann man sich beim besten Willen nicht beklagen; im Gegenteil, man erwartet, dass alle die von ihnen gewohnte Qualitätsarbeit abliefern, auch bzw. gerade in einem Film, der derart unverhohlen auf den vermeintlichen Massengeschmack schielt. Tja, was soll man sagen? Der Begriff „Riesenenttäuschung“ trifft es wohl am Besten. Channing Tatums Rolle z.B. könnte man ersatzlos streichen, denn er verabschiedet sich ohnehin ziemlich schnell aus der Handlung, Jeff Bridges´ wenige Momente auf der Leinwand hätte wohl auch der zweite Assistent des Kabelträgers übernehmen können, und bei Julianne Moore wird man den Eindruck nicht los, sie wisse nicht so genau, wen sie da überhaupt spielt bzw. es sei ihr vollkommen gleichgültig. Wahrscheinlich war sie während der Dreharbeiten in Gedanken beim sicherlich üppigen Scheck oder der nächsten Rolle, die ihr auch tatsächlich so etwas wie Spielen abverlangt. Und je weniger man über Sir Elton Johns Schauspielversuche sagt, desto besser.

Damit keine Missverständnisse entstehen; das viele Geld, das zweifelsohne in dem Film steckt, sieht man auf der Leinwand, an den Actionsequenzen, in denen wieder einmal sämtliche physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt sind, kann man durchaus Gefallen finden, und immerhin beweist Taron Egerton, dass er einen Film praktisch allein tragen kann, auch wenn der aus dem ersten Film allgegenwärtige Humor diesmal viel zu kurz kommt.
Aber – und hier folgt ein großes Aber: Kann man einem halbwegs mitdenkenden Zuschauer nicht wenigstens hin und wieder das Gefühl vermitteln, er werde nicht 140 lange Minuten permanent verarscht?! Offensichtlich nicht!! Und da zu befürchten ist, dass der Film ein Kassenerfolg wird, steht einem dritten Teil wohl absolut nichts im Weg.

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