Ein Zug für zwei Halunken

Originaltitel: Emperor of the North Land: USA 1972 Regie: Robert Aldrich
Mit: Lee Marvin, Ernest Borgnine, Keith Carradine, Charles Tyner, Malcolm Atterbury, Simon Oakland, Harry Caesar, Hal Baylor, Matt Clark, Elisha Cook Jr., Joe Di Reda
Label
: PIDAX FSK: 16

Ein Beitrag unseres Reiseschreibers Julian Dax:

Als Robert Aldrichs Film Emperor of the North 1973 in die deutschen Kinos kam, bekam er vom Verleih den absolut unpassenden Titel Ein Zug für zwei Halunken verpasst, wohl in der Hoffnung, die Kinogänger würden annehmen, es handle sich dabei um eine weitere Actionkomödie mit den damals sehr populären Bud Spencer und Terence Hill. Doch auch wenn der Film durchaus auch komische Momente aufweist, ist er im Endeffekt doch ein stellenweise recht hartes Sozialdrama.

Es ist die Zeit der Großen Depression in den USA, als zahlreiche arbeitslose Männer, Hobos genannt, kreuz und quer durch das Land reisen, in der Hoffnung, irgendwo doch noch Arbeit zu finden. Ihr bevorzugtes Transportmittel sind Güterzüge, wobei sie dabei stets auf der Hut sein müssen – sowohl vor den zahlreichen Gefahren, die bei diesen illegalen Transporten auf sie lauern als auch vor den Zugführern, von denen Shack (Ernest Borgnine) der mit Abstand gefürchtetste und brutalste ist. Um seine Überlegenheit zu beweisen, legt sich sein Gegenspieler namens Ass Nr.1 (Lee Marvin) mit Shack an, auch um einen jungen Mitfahrer (Keith Carradine) zu beeindrucken. Ein gnadenloser Kampf beginnt…

© PIDAX

Neben Sam Peckinpah ist Robert Aldrich der zweite große „Männerregisseur“ Hollywoods. In Filmen wie Der Flug des Phoenix oder Das dreckige Dutzend zeigt er stets Männer in Ausnahmesituationen, die nicht nur eine unmöglich scheinende Mission zu erfüllen haben, sondern auch stets miteinander Konflikte auszufechten haben. Um nichts anderes geht es auch im vorliegenden Fall, wobei die eigentliche Handlung noch reduzierter daherkommt als sonst bei Aldrich. So sind die beiden Gegenspieler praktisch nur Klischeefiguren – auf der einen Seite der absolut hassenswerte Zugführer, auf der anderen der clevere Tramp und dazwischen der naive Jüngling, der eine Lektion fürs Leben erhält. Vor allem Borgnine, der in den meisten seiner Rollen nicht gerade subtil zu agieren hatte, gibt hier dem Affen ordentlich Zucker, was sich in wildem Grimassieren und Augenrollen äußert. Und Lee Marvin ist wieder einmal die personifizierte Coolness. Dennoch ist der Film auch heute noch äußerst sehenswert, was vor allem der großartigen Inszenierung geschuldet ist; in Anbetracht der Tatsache, dass 80 % des Filmes in einem fahrenden Zug spielen und dieser Zug absolut echt ist und sich in einer echten Landschaft (Oregon) bewegt, kann man sowohl die Kunst des Kameramannes als auch den Wagemut der Hauptdarsteller gar nicht genug loben, die da offensichtlich selbst auf den Wagondächern laufen oder auf den Zug springen.

Als etwas irritierend dagegen könnte man den bereits oben erwähnten „Humor“ bezeichnen, der hier und dort hervorlugt, denn er reibt sich ziemlich mit der brutalen und im Grunde hoffnungslosen Grundstimmung. Und den „Gag“ mit dem Huhn finden heutzutage bestimmt nicht viele komisch…
Einen verkleinerten Nachdruck des originalen Filmprogrammes gibt es von PIDAX diesmal zwar nicht, doch dafür enthält die DVD ein kurzes Making of sowie einen Audiokommentar eines Filmwissenschaftlers. Wer also gerne echt harte Männer agieren sieht und alte Eisenbahnen mag, dem sei der Film ausdrücklich ans Herz gelegt.


Technische Daten DVD:

Laufzeit: ca. 121 Minuten
Bildformat: PAL 16:9, 1.85:1
Sprache: Deutsch, Englisch
Ländercode: B (Europa)
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Bonus: Audiokommentar mit Filmhistoriker Prof. Dana Polan, Making of (ca. 7 Min.), Deutscher Kinotrailer, Englische Teaser und Trailer & Bildergalerie


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