Free Fire

Land: USA/GB 2016
Regie: Ben Wheatley
Mit: Sharlto Copley, Armie Hammer, Brie Larson, Cillian Murphy, Jack Reynor
Label
: Splendid
Veröffentlichung: 25.8.2017
FSK: 16

Ein Beitrag unseres Actionexperten Julian Dax:

© splendid film

Down Terrace, Kill List, Sightseers, A Field In England und High Rise – nach diesen fünf Filmen konnte man Ben Wheatley als einen der originellsten und unberechenbarsten Regisseure des heutigen Kinos bezeichnen. Unberechenbar ist er zwar immer noch – zumindest, was die Wahl seiner Themen betrifft, aber originell? Hm…

Boston gegen Ende der Siebziger. In einer heruntergekommenen Fabrikanlage treffen zwei Gruppen von Männern aufeinander, um ein ominöses Geschäft abzuschließen, in dem es um eine Waffenlieferung an die IRA geht. Ebenfalls anwesend ist die Frau, die das Ganze eingefädelt hat. Man beschnuppert sich und mißtraut einander von Anfang an, vor allem, als herauskommt, dass zwei der Männer am Abend zuvor in eine Schlägerei verwickelt waren. Ein Wort gibt das andere, und auf Handgreiflichkeiten folgen Schüsse, bis schließlich nur noch geschossen wird und aus den Mündern der Figuren nur noch witzig gemeinte Kurzsätze sowie natürlich Flüche kommen. Und das Ende? Das kann man sich auch als absolut phantasieloser Zuschauer an den berühmten fünf Fingern abzählen – wenn man denn überhaupt so viele braucht.

Wie bereits erwähnt, kann man Ben Wheatley nach wie vor als unberechenbar bezeichnen, da er nach Horrorkrimi, Horrorkomödie, Historienfilm und Dystopie sich nun einem Genre zuwendet, das vor allem in den Neunzigern äußerst populär war, nachdem ein gewisser Quentin Tarantino mit Reservoir Dogs seinen filmischen Einstand feiern konnte. Und Wheatley macht auch gar keinen Hehl daraus und beruft sich auf sein Vorbild, wobei er auch noch Namen wie Robert Rodriguez und Sam Peckinpah (The Wild Bunch) erwähnt, die ihn zu seinem ersten Gangsterfilm samt epischer Schießerei inspiriert haben.

© splendid film

In technischer Hinsicht kann man ihm denn auch nichts vorwerfen, denn in Anbetracht der Tatsache, dass es nur einen einzigen Schauplatz gibt und man die „Handlung“ im Grunde genommen nach den ersten 15 Minuten als abgeschlossen bezeichnen könnte, denn die restlichen 75 bestehen wirklich und wahrhaftig nur aus Schießereien, hält er sein Publikum bei der Stange, indem er sich immer neue Situationen für die immer lädierteren Figuren ausdenkt; die 6.000 Schuss Munition jedenfalls, die angeblich während der Dreharbeiten verballert wurden, erscheinen einem durchaus als realistische Zahl! Immerhin macht man als Zuschauer eine neue Erfahrung, denn während man es aus anderen Filmen gewohnt ist, dass jemand umfällt und in den meisten Fällen auch liegen bleibt, wenn auf ihn geschossen wird, lautet die Regel in Free Fire, dass die meisten Schüsse nur mehr oder weniger ernste Verletzungen verursachen und die Opfer eben nicht gleich tot sind, sondern sich irgendwie weiter schleppen.

Auf die Dauer allerdings wirkt das ziemlich ermüdend, da man als Zuschauer auch gar keine Gelegenheit erhält, Partei für irgendeine der charakterlich kaum bis gar nicht ausgearbeiteten Figuren zu ergreifen. Und bereits kurz nach Beginn der endlos erscheinenden Ballerei kann man auch gar nicht mehr ausmachen, wer da überhaupt auf wen schießt und warum; eine der Figuren bringt den Sachverhalt genau auf den Punkt, als sie ausruft: „Wartet, ich weiß nicht, auf welcher Seite ich bin!“ Die Situation wird auch nicht klarer, als plötzlich wie aus dem Nichts zusätzlich zwei nicht besonders treffsichere Scharfschützen auftauchen. Die Folge? Da einem die Figuren auf dem Bildschirm sowie deren Schicksal vollkommen egal sind, ertappt sich dabei, ständig auf die Uhr zu schielen, zumal der weitere Handlungsverlauf doch sehr vorhersehbar erscheint.
Waffenfetischisten und Menschen, die es komisch finden, wenn unsympathische Typen sich gegenseitig zusammenschießen, mögen den Film als Offenbarung betrachten, wirklich empfehlenswert für halbwegs intelligente Zuschauer ist er dagegen absolut nicht.

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