Final Portrait

Land: GB 2017
Laufzeit: 94 min
Regie: Stanley Tucci
Mit: Geoffrey Rush, Armie Hammer, Tony Shalhoub, Sylvie Testud, Clémence Poésy, James Faulkner, Kerry Shale, Annabel Mullion, Tim Dreisden
Kinostart: 3.8.2017

© 2017 PROKINO Filmverleih GmbH

Paris im Jahr 1964: Der Schriftsteller James Lord wird von seinem Freund Alberto Giacometti gefragt, ob er ihm für ein Porträt 2 bis 3 Stunden (maximal ein Nachmittag…) Modell sitzen würde. Der junge Kunstliebhaber willigt gerne ein, schließlich handelt es sich bei seinem Gegenüber um einen weltberühmten Künstler…

Ich mag Geoffrey Rush!
Ob als „spezieller Pianist“ David Helfgott (Shine), ob als kundiger Stottertherapeut (The King’s Speech) oder als zwielichtiger Textilkünstler (Der Schneider von Panama) – stets vermag der mittlerweile 66jährige Australier seinen Leinwand-Charakter mit Leben und Glaubwürdigkeit zu erfüllen.
Wobei ich auf diverse doofe Piratenabenteuer durchaus verzichten kann…

© 2017 PROKINO Filmverleih GmbH

In Final Portrait – der 5. Regiearbeit von Stanley Tucci – gibt er nun den ebenso genialen wie chaotischen Bildhauer, Maler und Grafiker Alberto Giacometti (1901 – 1966), der für das Porträt seines Freundes viel länger als geplant benötigt…

Denn kaum hat der Meister ein paar Striche auf der Leinwand getätigt, bricht er mit den Worten „Oh, Fuck!“ (ich habe die englische Version gesehen…) ab und übermalt das gerade Geschaffene mit groben Pinselstrichen. So werden aus dem geplanten Nachmittag einige Wochen, in denen der Exzentriker immer wieder beweist, was so alles den kreativen Schaffensprozess ausbremst: Rotwein im Bistro, ein Schäferstündchen mit der Prostituierten Muse Caroline, ein Spaziergang oder einfach keine Lust!
Giacomettis Ehefrau Annette hat sich längst mit dieser Situation arrangiert und tröstet sich mit einem asiatischen Liebhaber…

Stanley Tuccis Bio Pic Final Portrait ist so eine Art Kammerspiel, welches aber immer wieder die Grenzen des schmuddeligen Hinterhofateliers verläßt. In der Arena stehen sich ein zerrissener Künstler mit maximalen Selbstzweifeln und minimalem Bezug zu seinem Reichtum sowie ein junger Kunstliebhaber gegenüber, der sehr viel Geduld braucht.

Der Drehbuchautor und Regisseur Tucci über seinen Film: Ich mache mir nichts aus Biopics! Ich wüsste nicht, wie man das Leben eines Menschen in einen eineinhalb- oder zweistündigen Film packen soll. Da kann am Ende nur ein Film herauskommen, in dem vor allem die Ereignisse rund um eine Person und nicht die Person selbst im Fokus steht. Ich denke, dass wir mit unserem Ansatz effektiver sind. Man erfährt viel mehr über einen Menschen, wenn man einen klar umrissenen Teil seines Lebens betrachtet. Ich habe verschiedene Ereignisse, Erlebnisse und Umstände aus Giacomettis Leben zusammengetragen und verdichte sie in einer auf etwa zwei Wochen angelegten Geschichte. Man bekommt ein Gefühl dafür, wer sich in Giacomettis Studio aufgehalten hat und wer sich in seinem Umkreis bewegte.                     (Auszug aus dem Presseheft)


Ein Buchtipp für alle Interessierten, die die ganze Geschichte im Detail nachlesen möchten. James Lord (1922 – 2009) hat ein paar Jahre später wie wohl beste Biografie über Alberto Giacometti verfasst:

© Fischer-Verlag

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Eine Antwort zu Final Portrait

  1. ainu89 schreibt:

    Sehr gute Review…der Film steht auch auf meiner Liste und ich werd ihn mir auf jeden Fall anschauen sollte er in einem Kino in meiner Nähe gezeigt werden 🙂

    Gefällt 1 Person

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