American Gods

Land: USA 2017
Regie: David Slade, Adam Kane, Vincenzo Natali, Guillermo Navarro, Floria Sigismondi, Craig Zobel
Mit: Ricky Whittle, Ian McShane, Emily Browning, Gillian Anderson, Peter Stormare
Label
Studiocanal
Veröffentlichung: 27.7.2017
FSK: 16

Ein Beitrag unseres Mystikers Julian Dax:

© Studiocanal

Der nicht mehr ganz junge, leicht übergewichtige Mann kann sein Glück gar nicht fassen, als sich sein „Blind Date“ als rassige schwarze Schönheit entpuppt, die auch nicht lange fackelt und im Hotelzimmer gleich gehörig zur Sache geht. Doch leider hat die Sache einen ganz gehörigen Haken, denn mitten im Akt stellt der ekstatische Liebhaber fest, dass er irgendwie schrumpft und mit Haut und Haar in die Vagina der geheimnisvollen schwarzen Schönheit gesaugt wird, was für sie offensichtlich den Höhepunkt darstellt.

Doch wir wollen nicht vorgreifen. Zu Beginn der ersten Episode der amerikanischen Serie American Gods sieht man ein Wikingerschiff an einem Strand in Nordamerika anlegen. Die Männer springen an Land und bewegen sich auf das dichte Gebüsch zu, das gleich hinter dem Strand beginnt. Derjenige, der vor allen anderen ins Gebüsch vordringen will, fällt plötzlich, von unzähligen Pfeilen durchbohrt, um, was die  tapferen Krieger sofort anhalten lässt. Nun ist guter Rat teuer; gegen den unsichtbaren Feind scheinen sie machtlos, und zurück segeln können sie auch nicht, weil absolute Flaute herrscht. Da ihr Gott, wie es heißt, ein Gott des Krieges ist, kommen sie auf die Idee, sich jeweils ein Auge auszustechen, um so auf ihre missliche Lage aufmerksam zu machen, und als das auch nichts hilft, gehen sie aufeinander mit Schwertern und Äxten los, dass das Blut nur so spritzt und die Körperteile durch die Luft fliegen – natürlich alles in Zeitlupe.
(Vielleicht geht es nur mir so, aber der Gedanke an den Kampf mit dem Schwarzen Ritter in Monty Python And The Holy Grail drängt sich hier geradezu auf!).

Dann sind wir in der Gegenwart, wo wir eine der eigentlichen Hauptfiguren kennen lernen: Shadow Moon wird einige Tage vor dem eigentlichen Termin aus dem Gefängnis entlassen, damit er Gelegenheit hat, der Beerdigung seiner überraschend bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Frau beizuwohnen. Auf dem Flug lernt er einen seltsamen Passagier kennen, der sich als Mr. Wednesday vorstellt und ihm einen Job als Bodyguard anbietet. Und während der Beerdigungszeremonie erfährt er, wie seine Frau genau ums Leben gekommen ist, was ihn aber schon gar nicht mehr sonderlich zu schockieren scheint. Irgendwo dazwischen werden wir Zeuge der anfangs beschriebenen Szene und lernen auch noch einen ca. zwei Meter großen Leprechaun kennen, der mit Shadow in einer Bar eine Schlägerei anfängt. Wie das alles zusammenhängt? Tja….

© Studiocanal

Auf American Gods, basierend auf dem gleichnamigen im Jahre 2001 erschienenen Roman von Neil Gaiman, muss man sich ganz einfach einlassen und vor allem auch Geduld aufbringen, denn die eigentliche Handlung entwickelt sich erst allmählich und geht so: Gaimans Grundidee lautet, dass all die vielen Einwanderer in die USA neben allen anderen kulturellen Besonderheiten auch ihre eigenen Mythen und Götter mitgebracht haben. Da jedoch immer weniger moderne Menschen an diese Götter glauben, sind diese gezwungen, größtenteils armselige Existenzen zu führen und sich mit Prostitution oder Verbrechen durchzuschlagen. Mr. Wednesday, dessen wahre Identität erst in der letzten Episode enthüllt wird – obwohl man als kundiger Zuschauer aus der Tatsache, dass er mit zwei Raben kommunizieren kann, schon vorher gewisse Rückschlüsse ziehen kann – möchte die alten Götter, darunter auch Ostara, in eine Art Endschlacht mit den neuen Göttern führen, denen sich die Menschen zugewendet haben und die, ebenfalls in menschlicher Gestalt, die heute angebeteten Götzen Technik, Medien und Geld verkörpern.

Wer bereits diese äußerst knappe Beschreibung als absolut durchgeknallten Blödsinn abtut, kennt noch nicht einmal den Bruchteil dessen, was sich die Macher in den insgesamt acht einstündigen Folgen mit solch mysteriösen Titeln wie „Der Knochengarten“ oder „Ein Ich, das nach Zitronen duftet“ haben einfallen lassen. Wer also Überraschungen liebt, sollte die nächsten zwei Zeilen überspringen, denn sie könnten einige  S P O I L E R  enthalten: Jedenfalls begegnet der Zuschauer im Laufe von Shadow Moons Odyssee durch die USA u.A. seiner toter Frau, einem schwulen Jinn sowie Gillian Anderson als Marylin Monroe und David Bowie.

© Studiocanal

Verwirrt? Gut, denn genau das soll man bei dieser höchst originellen und intelligenten Serie auch sein, die einen permanent fordert und eine Vielzahl von Querverweisen und Anspielungen bereithält, die ein rabenschwarzes Bild der USA zeichnen und z.B. mit der sechsten Episode („Ein Götterschwarm“) die Gewaltbereitschft rechtschaffener Bürger ebenso aufs Korn nimmt wie den allgegenwärtigen Rassismus und Waffenfetischismus.

Da nicht zu erwarten ist, dass American Gods jemals im öffentlich-rechtlichen Fernsehen läuft und auch unsere Privatsender eher davon Abstand nehmen, ihr Stammpublikum derart zu verschrecken, sei hiermit ausdrücklich eine Kaufempfehlung ausgesprochen, denn wenn es jemals eine Serie gegeben hat, die man mehr als einmal anschauen möchte, dann ist es diese!


Technische Daten DVD:

Laufzeit: 440 min
Bild:
1,78:1
Sprachen/Ton: Deutsch (5.1 DD), Englisch (Stereo DD, 5.1 DD)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Interviews mit Bruce Langley (Technical Boy), Ian McShane (Mr. Wednesday), Ricky Whittle (Shadow Moon) und Emily Browning (Laura Moon), Featurettes: „Das Buch vs. die Serie“, „Die neuen Götter“, „Die alten Götter“, „Das Phänomen ,American Gods’“ und „Neil Gaiman über die Entstehung von ,American Gods‘ “, Special: „San Diego Comic-Con® Panel”

Technische Daten Blu-ray:

Laufzeit: 459 min
Bild:
1,78:1 (1080/50i Full HD)
Sprachen/Ton: Deutsch (5.1 DTS-HD MA), Englisch (Mono DTS-HD MA))
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Interviews mit Bruce Langley (Technical Boy), Ian McShane (Mr. Wednesday), Ricky Whittle (Shadow Moon) und Emily Browning (Laura Moon), Featurettes: „Das Buch vs. die Serie“, „Die neuen Götter“, „Die alten Götter“, „Das Phänomen ,American Gods’“ und „Neil Gaiman über die Entstehung von ,American Gods‘ “, Special: „San Diego Comic-Con® Panel”

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3 Antworten zu American Gods

  1. Pingback: American Gods – Staffel 1 – Kritik – Filmexe – Blog über Filme und Serien

  2. ainu89 schreibt:

    Die Serie steht schon ganz oben auf meiner Watchlist und nach deiner Rezension bin ich nur noch gespannter welch abgedrehtes Abenteuer mich hier erwarten wird 😉

    Gefällt 1 Person

  3. zacksmovie schreibt:

    Aufgrund deiner Rezension habe ich mir glatt die erste Staffel auf DVD gekauft. Ich werde berichten, wie die Serie mir gefallen hat.

    Gefällt 1 Person

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