Dalida

Land: Frankreich 2016
Laufzeit: 124 min
Regie: Lisa Azuelos
Mit: Sveva Alviti, Riccardo Scamarcio, Jean-Paul Rouve, Nicolas Duvauchelle, Alessandro Borghi, Valentina Carli
Kinostart: 10.8.2017

Ein Beitrag unseres Schlagerspezialisten Julian Dax:

© NFP/Filmwelt

Zu Beginn eine kleine Denksportaufgabe: Wie geht der folgende Text weiter?
„Am Tag, als der Regen kam…“. Wenn Ihnen ohne lang nachzudenken „lang ersehnt, heiß erfleht“ einfällt, gehören Sie auf jeden Fall zur Zielgruppe der französischen Filmbiographie Dalida.

1933 als Tochter eines italienischen Ehepaares in Ägypten geboren – der Vater ist erster Violinist an der Oper in Kairo – gewinnt Iolanda Gigliotti 1954 die Wahl zur Miss Ägypten. Nach mehreren kleineren Filmrollen versucht sie ihr Glück in Paris und gibt sich selbst den Künstlernamen Dalila. Doch als weitere Filmangebote ausbleiben, erinnert sie sich daran, dass man ihr bereits als Kind eine schöne Singstimme bescheinigt hat. Sie nimmt Gesangsunterricht und tritt schon bald im Vorprogramm von Juliette Greco und Charles Aznavour auf. Auf Anraten eines Freundes ändert sie ihren Künstlernamen leicht ab – aus Dalila wird nun endgültig Dalida. Und unter diesem Namen wird sie  von den fünfziger bis in die siebziger Jahre zu einer der weltweit populärsten Sängerinnen mit über 150 Millionen verkaufter Tonträger, wofür ihr sogar – bisher einmalig in der Musikgeschichte – eine diamantene Schallplatte verliehen wird.

Doch auch wenn es wie ein abgegriffenes Klischee klingt: Jenseits von Ruhm und künstlerischem Erfolg besteht Dalidas Leben aus einer beinahe nicht enden wollenden Abfolge privater Katastrophen, auf die sich Lisa Azuelos‘ Film konzentriert.

Dalida beginnt im Jahre 1967 mit einem Selbstmordversuch der höchst erfolgreichen Sängerin; untröstlich über den Tod ihres Geliebten und musikalischen Partners Luigi Tenco, schluckt sie eine Überdosis Schlaftabletten, wird jedoch noch rechtzeitig gefunden und gerettet. Im weiteren Verlauf der keiner Chronologie folgenden Filmbiographie wird man Zeuge ihrer schwierigen Kindheit, der diversen unglücklich verlaufenden Liebesbeziehungen – gleich drei ihrer Männer bzw. Geliebten nehmen sich das Leben – und man lernt auch die Menschen um sie herum kennen, vor allem ihren älteren Bruder Orlando, der nicht nur bis zum heutigen Tag Dalidas Erbe verwaltet, sondern auch maßgeblich an der Konzeption des Films sowie bei der schwierigen Suche nach einer geeigneten Hauptdarstellerin beteiligt war.

© NFP/Filmwelt

Als man sich unter ca. 200 Bewerberinnen schließlich für die italienische Schauspielerin Sveva Alviti entschied, gab es allerdings ein kleines Problem: Sie sprach kein Wort Französisch. Dazu die bisher weitgehend unbekannte Darstellerin selbst: „Insgesamt waren es neun Monate wirklich harter Arbeit. Zunächst einmal musste ich ja Französisch lernen. Die Dreharbeiten selbst dauerten drei Monate und fanden in Frankreich, Italien und Marokko statt. Sie waren ganz schön ermüdend, denn ich musste jeden Morgen vier Stunden in der Maske sitzen, wo mir eine Perücke, eine falsche Nase und Zahnprothesen verpasst wurden. An manchen Tagen stand nach einer Szene aus den Fünfzigern eine aus den Achtzigern auf dem Drehplan. (…) Es war eine schwindelerregende Erfahrung zwischen Freude und Schmerz. Inzwischen steckt Dalida nicht mehr so sehr in mir, was vermutlich auch ganz gut ist. Aber sie wird immer das größte Geschenk meines Lebens bleiben.“ Und auch Orlando ist mehr als zufrieden mit dem Ergebnis und ist absolut davon überzeugt, dass die „Wahrhaftigkeit, Schönheit und Komplexität“ seiner vor allem in Frankreich nach wie vor äußerst populären Schwester realistisch vermittelt werden.

Der Mut des hiesigen Filmverleihs, diesen gewiss nicht nach dem vermeintlichen Geschmack des Massenpublikums konzipierten Films in unsere Kinos zu bringen ist daher sehr zu begrüßen, und wer einen sehr sorgfältig inszenierten, hervorragend gespielten und mit zahlreichen Liedern von Dalida durchsetzten Film sehen möchte, möge sich den 10. August 2017 im Kalender anstreichen, denn es bleibt zu befürchten, dass er ziemlich schnell wieder von unseren Leinwänden verschwindet.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Drama, Musikfilm abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Dalida

  1. Laura Palmer schreibt:

    Nie von der Dame gehört, bin wohl zu jung. Klingt trotzdem interessant!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s