Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

Land: Frankreich 2017
Laufzeit: 137 min
Regie: Luc Besson
Mit: Dane DeHaan, Cara Delevingne, Clive Owen, Rihanna, Ethan Hawke, Herbie Hancock, Rutger Hauer, John Goodman, Kris Wu
Kinostart: 20.7.2017

Ein Beitrag unseres galaktischen Geheimagenten Julian Dax:

© Universum-Film

„Als Zehnjähriger ging ich jeden Mittwoch zum Zeitungskiosk“, erinnert sich Luc Besson. „Und eines Tages entdeckte ich dort ein Comicmagazin namens Pilote. Ich dachte nur, lieber Himmel, was ist denn das? Und genau an diesem Tag verliebte ich mich in Laureline, wollte ich nur noch Valerian sein.“

Immerhin sollte es über 40 Jahre dauern, bis Besson seinen Traum, die Abenteuer der beiden intergalaktischen Agenten zu verfilmen, in die Wirklichkeit umsetzen konnte, auch wenn er bereits 1997 in Das fünfte Element einige Motive aus den von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières erschaffenen Comics übernahm. Doch wollte er so lange warten, bis die Tricktechnik so weit entwickelt war, dass er seine Ideen und Pläne entsprechend umsetzen würde können. Erst James Camerons Avatar mit seiner absolut innovativen Bildersprache überzeugte ihn davon, dass er sich nun ans Werk machen konnte.

Der Film beginnt – musikalisch kongenial untermalt von David Bowies „Space Oddity“ – Mitte der Siebziger und zeigt erste Erfolge beim bemannten Raumflug. In immer schnellerer Folge wird die technische Entwicklung präsentiert, bis wir uns schließlich im 28. Jahrhundert befinden. Natürlich hat die Menschheit schon längst zahlreiche außerirdische Spezies getroffen und es entstand eine riesige Weltraumstation, eben die titelgebende „Stadt der tausend Planeten“, wo alle mehr oder weniger in Frieden und Eintracht leben, zumindest so lange, bis es zu einigen seltsamen Ereignissen kommt, die die Existenz der Station und der Millionen auf ihr lebenden Wesen bedrohen und ein Eingreifen der beiden Spezialagenten Valerian und Laureline erforderlich machen. Gemeinsam und mit Hilfe aller möglichen Verbündeten decken sie eine weit reichende Verschwörung auf und haben dabei auch noch Zeit sich zu kabbeln.

© Universum-Film

Auch wenn Besson mit diesem Film ganz gewiss nicht das Rad neu erfindet, macht vor allem die erste Hälfte ungeheuer viel Spaß; munter und völlig ungeniert zitiert sich der Regisseur durch alle möglichen Science Fiction Filme, und zwar derart offensichtlich, dass selbst Zuschauer, die keine Experten sind, an Avatar, Star Wars, Blade Runner, Total Recall, usw. erinnert werden. Dabei schafft er es jedoch, dass man seinen Film keineswegs als bloße Wiederholung des Immergleichen empfindet, denn dazu ist er einfach zu exotisch, um nicht zu sagen im positiven Sinne durchgeknallt. Wer auch immer die Geldgeber des bestimmt nicht billigen Werkes sind – Mut zum Risiko zeigen sie allemal.

Doch leider zerfasert der Film etwas im Verlauf seiner 137 Minuten; offensichtlich hatte Besson so viele Ideen, die er meinte, unbedingt noch unterbringen zu müssen, dass er nicht mehr zu bremsen war. Als größten Missgriff jedoch kann man die Wahl der beiden Hauptdarsteller bezeichnen. Dane DeHaan sieht aus wie ein braver Abiturient und den Frauenhelden und Superagenten nimmt man ihm keine Sekunde ab, egal wie viele dekorative Wunden man ihm auf sein hübsches Gesicht pinselt und Cara Delevingnes mimisches Talent ist nach wie vor äußerst überschaubar und pendelt irgendwo zwischen mäßig interessiert und extrem angepisst. Vor allem aber stimmt die Chemie zwischen ihnen nicht, und so können sie auch nicht so recht vermitteln, wie sehr sie sich im Grunde lieben, auch wenn sie es nicht zeigen wollen oder können. Aber immerhin sind beide extrem fotogen und Besson hat sich sogar einen wirklich witzigen Insidergag bezüglich der Modelvergangenheit seiner Hauptdarstellerin einfallen lassen, bei dem sie einem übel gelaunten und extrem scheußlichen Außerirdischen ein Kleid mit Hut vorführen muss, wobei die komplette Kreation einem eher unappetitlichen Zweck dienen soll…

© Universum-Film

Trotz gewisser Bedenken kann man Valerian und die Stadt der tausend Planeten jedoch im Großen und Ganzen loben, schon allein wegen der schier überbordenden Fantasie seiner Macher, die eben keinen weiteren glatten Blockbuster für die hirnlose Masse abgeliefert haben, sondern einen Unterhaltungsfilm, der sich nicht unbedingt um Zuschauererwartungen schert und vor allem augenzwinkernd an keiner Stelle ernst nimmt. Die Publikumsreaktionen aber werden wohl extrem gespalten ausfallen; entweder absolute Begeisterung oder totale Ablehnung, nichts anderes ist denkbar, und auch für diese Radikalität sollte man letztlich dankbar sein.


Wer die Comics noch nicht kennt und mal reinschnuppern möchte: Im Carlsen-Verlag gibt es einen Sonderband mit den beiden Geschichten, auf denen der Film basiert:

© Carlsen

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3 Antworten zu Valerian – Die Stadt der tausend Planeten

  1. ainu89 schreibt:

    Bin schon sehr gespannt auf den Film!
    Der Trailer hat mich echt umgehauen, vor allem das 3D sah auch unglaublich wertig aus, aber du scheinst eine meiner größten Befürchtungen leider zu bestätigen, nämlich den Missgriff bei den Darstellern.
    Naja, werd mir kommendes Woe selber ein Bild von dem Ganzen machen 😉

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  2. Pingback: Valerian Kritik – Filmexe – Blog über Filme und Serien

  3. Timo Luks schreibt:

    Vielen Dank für die schöne Rezension. Ich gehöre wohl eher der ziemlich „absolute Begeisterung“-Fraktion an 😉 Nur die Kritik an den schauspielerischen Leistungen und der Chemie zwischen den beiden kann ich irgendwie nicht so richtig teilen. Ich fand gerade diese etwas schräge Art und die manchmal etwas irritierende Mimik sehr gelungen – und glaube auch, dass das tatsächlich Absicht war …Zumindest habe ich mal versucht, ein paar Argumente dafür zu finden 😉 https://timoluks.wordpress.com/2017/08/10/strike-a-pose-gal-gadot-cara-delevingne/

    Gefällt 1 Person

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