Die Hände meiner Mutter

Land: Deutschland 2016
Regie: Florian Eichinger
Mit: Andreas Döhler, Jessica Schwarz, Katrin Pollitt, Heiko Pinkowski, Katharina Behrens, Sebastian Fräsdorf, Ursula Werner, Peter Maertens, Karin Neuhäuser
Label: Lighthouse Home Entertainment
Veröffentlichung: 23.6.2017
FSK: 12

Eine Studie unseres Familientherapeuten Julian Dax:

© Lighthouse Home Entertainment

Regisseur Florian Eichinger – nicht verwandt oder verschwägert mit Bernd! – stand mit Die Hände meiner Mutter, dem abschließenden Teil einer Filmtrilogie, die sich dem Thema „Familie als Brutstätte von Gewalt und Neurosen“ widmet, vor einem großen Problem: Wie zeigt man das eigentlich Unzeigbare, in diesem Fall den sexuellen Missbrauch eines kleinen Jungen durch seine eigene Mutter?
Nach dem Anschauen des Films ist der Rezensent allerdings unschlüssig, ob das Endergebnis überzeugt oder eher nicht.

Ein Familientreffen auf einem Schiff stellt das bisherige anscheinend heile Familienleben des 39-jährigen Markus völlig auf den Kopf, als ein im Grunde banales Ereignis ein lang verschüttetes Trauma wieder an die Oberfläche bringt: Als kleiner Junge wurde Markus immer wieder Opfer sexueller Übergriffe seiner Mutter, die ihm gegenüber stets behauptete, sie tue das nur, damit er später wisse, wie er als Mann mit Frauen umgehen solle. Die späte Erkenntnis und daran anschließende Auseinandersetzung mit den zutiefst verstörenden Kindheitserlebnissen hat natürlich massive Konsequenzen für die gesamte Familie…

Von Anfang an fühlt man sich an Thomas Vinterbergs Das Fest erinnert, wo ebenfalls eine Familienfeier den Rahmen bildet für eine schonungslose Abrechnung mit den Verbrechen des gefeierten Patriarchen. Nur ist es bei Eichinger eben eine Frau, was wohl noch als eine Art zusätzlicher Tabubruch fungieren soll. Doch während Vinterberg den Zuschauer direkt und unmittelbar mit den Ereignissen konfrontiert, geht Eichinger einen ungleich dezenteren Weg und spart sogar – ACHTUNG  SPOILER! – die finale Konfrontation vollkommen aus, was man guten Gewissens auch als feige interpretieren könnte.

© Lighthouse Home Entertainment

Natürlich ist auch das Teil seines Konzepts, das heikle Thema weder voyeuristisch noch effekthascherisch aufzubereiten, doch diese Zurückhaltung, die sich durch den gesamten Film zieht, wirkt gleichzeitig auch seltsam unentschlossen. Und auch die Idee, die in der Kindheit spielenden Szenen vom selben erwachsenen Darsteller – diesmal im Kinderpyjama – spielen zu lassen und die Begegnungen zwischen Mutter und Sohn ausschließlich in der Totale zu filmen, wirken äußerst stilisiert und theaterhaft. Berücksichtigt man auch den Umstand, dass die Darsteller der Eltern altersmäßig weder in den Rückblenden noch in der Jetztzeit passen, verliert das Ganze vollends an Überzeugungskraft. So bleibt am Ende ein  Versuch, die für viele Kinder nach wie vor mehr als furchtbare Realität filmisch aufzubereiten, der jedoch aufgrund seiner Distanziertheit und Stilisiertheit den Zuschauer merkwürdig unbeteiligt lässt.


Technische Daten:

SPRACHE: Deutsch, Audiodeskription für Blinde und Sehbehinderte
UNTERTITEL: Deutsch für Hörgeschädigte
BONUSMATERIAL: Zusätzliche Szenen, Regiekommentar, Interviews
LAUFZEIT: 101 Minuten
BILD: Cinemascope, 1:2,35
TON: Dolby Digital 5.1

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