Das Marvel Cinematic Universe

Titel: Das Marvel Cinematic Universe – Anatomie einer Hyperserie
Autor:
Peter Vignold
Verlag: Schüren-Verlag, April 2017
Umfang: 176 Seiten
ISBN: 978-3-89472-970-7
Preis: 19,90 €

Ein Beitrag unseres Superlesers und -schreibers Julian Dax:

© Schüren-Verlag

Es soll ja – vor allem in Deutschland – immer noch Menschen geben, die Comics und dementsprechend auch deren Verfilmungen, generell als „Kinderkram“ abtun.
Sollte einem solcher Zeitgenossen zufällig einmal das hier vorgestellte Buch in die Hände fallen, käme er wohl aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Auf 129 eng beschriebenen Seiten mit etlichen kleinen Schwarz-Weiß-Fotos und mit insgesamt 344(!) Fußnoten sowie mit weiteren 44 Seiten Anhang beschäftigt sich der Autor, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum tätig ist, äußerst akribisch und vor allem streng wissenschaftlich (s.o.!) mit den Verfilmungen von Comics aus dem Hause Marvel, wobei er neben den Kinofilmen auch Fernsehserien wie „Agents of S.H.I.E.L.D.“ oder „Daredevil“ berücksichtigt.

Eines gleich vorab: als leichte Kost oder gar Fanbuch kann man diese erweiterte Examensarbeit beim besten Willen nicht bezeichnen: „Im Hinblick auf die Risikominimierung bei der Produktion finanziell aufwändiger Event-Blockbuster kann festgestellt werden, dass der Markenname Marvel bzw. die Hyperserie MCU sich als tragfähig genug erwiesen haben, um eine Quote von keinem einzigen finanziellen Verlust unter zwölf Filmen zu gewährleisten – in einer von teuren Flops gekennzeichneten Branche wie der Filmindustrie eine Errungenschaft, zu deren Erlangung etablierte Studios wie Sony, Universal, Warner oder Fox bislang nicht imstande gewesen sind. Insbesondere das bemerkenswerte Scheitern von „Fantastic Four“ (2015) kann diesbezüglich jedoch auch als ein eindeutiger Hinweis darauf verstanden werden, dass der Markenname Marvel alleine nicht ausreicht, um einen Publikumserfolg zu garantieren. Vielmehr scheint es die unmittelbare Zugehörigkeit eines von bzw. gemeinsam mit Marvel produzierten Films zum kontinuierlich wachsenden MCU zu sein, die eine  Publikumsbindung zu begünstigen in der Lage ist. Die rasche Entwicklung der Marvel Studios vom Independent Studio zum globalen Major Player in Hollywood ist unmittelbar verknüpft, so die hier verfolgte Annahme, mit der Entwicklung der Hyperserie Marvel Cinematic Universe, deren Struktur und Funktionsweise nun einer genaueren Analyse unterzogen werden.“   UFF!

Wer also die Lektüre einer wissenschaftlichen Abhandlung nicht scheut und eventuell sogar die Bezeichnung „Nerd“ eher als eine Art von Ritterschlag betrachtet, der ist hier richtig; vor allem der Anhang, in dem u.a. von Iron Man (2008) bis Ant-Man (2015) alles, aber auch wirklich alles aufgeführt wird, womit man sich in stundenlangen Gesprächen die Zeit vertreiben kann, dürfte so manchem geradezu Freudentränen in die Augen treiben.

Machen Sie doch einfach einmal einen Test im Freundes- und Bekanntenkreis: Derjenige, der folgende Szenenbeschreibung ohne Probleme sofort zuordnen kann, ist auf jeden Fall ein potenzieller Kandidat, dem man dieses Buch schenken könnte: Malekith bemerkt die Anwesenheit des Aether in Svartalfheim. Na, erraten? Natürlich handelt es sich dabei um eine Sequenz aus Thor: The Dark World, Sie Ahnungsloser.


Weitere Filmbücher aus dem Schüren-Verlag finden Sie in unserer Filmbibliothek:

       

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3 Antworten zu Das Marvel Cinematic Universe

  1. ainu89 schreibt:

    Das Buch muss ich mir unbedingt besorgen :-))))!!!
    Danke für die super Rezension!

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  2. christianneffe schreibt:

    Klingt sehr interessant. Geht er denn hauptsächlich auf die ökonomischen Aspekte ein oder werden auch die (immer gleiche) Dramaturgie und Ästhetik betrachtet?

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  3. Liegeradler schreibt:

    Während beide genannten Aspekte berücksichtigt werden, beschäftigt sich der Autor hauptsächlich damit aufzuzeigen, wie geschickt die Macher die verschiedenen Figuren miteinander verknüpfen – einschließlich der im Fernsehen laufenden Serien – um zu gewährleisten, dass der Zuschauer die Verbindungen und Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren stets vor Augen hat und vor allem natürlich auch möglichst alle Serien konsumiert, um den roten Faden nicht zu verlieren.

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