Die Mitte der Welt

Land: Deutschland 2016
Regie: Jakob M. Erwa
Mit: Louis Hofmann, Sabine Timoteo, Svenja Jung, Ada Philine Stappenbeck, Jannik Schümann, Inka Friedrich, Nina Proll, Sascha Alexander Gersak
Label: Universum Film
Veröffentlichung: 12.5.2017
FSK: 12

Ein Beitrag unseres nicht mehr so ganz jugendlichen Autoren Julian Dax:

© Universum Film

Während Andreas Steinhöfel vielen hauptsächlich als Autor der mittlerweile ebenfalls verfilmten Kinderbücher um die beiden Freunde Oskar und Rico bekannt ist, gibt es seinen Roman Die Mitte der Welt bereits schon etwas länger, auch wenn seine filmische Umsetzung erst im November 2016 in die Kinos kam und nun als DVD/Blu-ray vorliegt.

Der 17-jährige Phil kehrt nach einem längeren Aufenthalt in einem Ferienlager nach Hause zurück, einem großen, verwunschen anmutendem Gebäude in einer kleinen Stadt, das außer ihm noch von seiner Mutter und seiner Zwillingsschwester bewohnt wird. Etwas hat sich während seiner Abwesenheit grundlegend verändert in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter, doch bevor Phil der Sache auf den Grund gehen kann, verliebt er sich Knall auf Fall in einen neuen Mitschüler. Nach und nach wird man als Zuschauer vertraut gemacht mit der äußerst komplexen Familiengeschichte und erfährt, warum diese drei Menschen „anders“ sind als ihre spießigen Nachbarn, und aus dieser Erkenntnis erwachsen Sympathie und Verständnis. Und wenn Phil am Ende wieder aufbricht, diesmal auf eine Mission mit mehr als ungewissem Ausgang, sind wir als Zuschauer in Gedanken mit und bei ihm und wünschen ihm alles Gute.

Der junge österreichische Regisseur Jakob M. Erwa, der in den Extras in einem Interview betont, die Verfilmung dieses für ihn persönlich enorm wichtigen Buches sei von Anfang an eine reine Herzensangelegenheit gewesen, und das sieht man dem Film auch in jeder Einstellung an. Auch wenn die Handlung manchmal etwas überbordet und man nicht so richtig sagen kann, ob es sich nun um ein schwules Coming Out handelt, das übrigens völlig natürlich und ganz ohne Sensationslust oder Voyeurismus dargestellt wird, trotz einer ganzen Reihe expliziter Szenen, eine Familientragikomödie, eine Ode an ein unangepasstes Leben oder was auch immer handelt – die Geschehnisse auf der Leinwand, die ebenso schrägen wie liebenswerten Figuren nehmen einen in Beschlag. Und auch die fantasievollen Bilder, die visuellen Einfälle sind nicht nur Spielereien, sondern tragen wesentlich zur Charakterisierung der unkonventionell denkenden und agierenden Charaktere bei. Während zeitliche Sprünge in Filmen die Handlung manchmal regelrecht zerreißen, ist es bei den  zahlreichen Szenen aus der Vergangenheit, die immer wieder eingeschoben werden, hier absolut nicht der Fall.

© Universum Film

Es wäre unfair, einen bestimmten Darsteller hervorzuheben, auch wenn Louis Hofmann als Phil, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, die Hauptlast trägt und seine schwierige Rolle mit Bravour meistert, denn alle Darsteller spielen derart natürlich und überzeugend, dass man sogar Verständnis aufbringt für die nervige und im Grunde selbstsüchtige Mutterfigur.

So wenig, wie man einen besonderen Handlungsstrang hervorheben möchte, so wenig lässt sich auch der Film selbst einem bestimmten Genre zuordnen; vielleicht sollte man ihn einfach als Solitär im deutschsprachigen Kino betrachten und ihm möglichst viele neugierige und vorurteilsfreie Zuschauer wünschen. Verdient hat er es allemal.


Technische Daten DVD:

  • Laufzeit: ca. 111 Min.
  • Bildformat:  2,40:1 (16:9 anamorph)
  • Tonformat: DD 5.1
  • Sprachen: Deutsch
  • Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
  • Extras: Interviews mit Cast & Crew, Featurettes, B-Roll, Hörfilmfassung

Technische Daten Blu-ray:

  • Laufzeit: ca. 115 Min.
  • Bildformat: 2,40:1 (1080p/24)
  • Tonformat: DTS-HD 5.1
  • Sprachen: Deutsch
  • Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
  • Extras: Interviews mit Cast & Crew, Featurettes, B-Roll, Hörfilmfassung
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Eine Antwort zu Die Mitte der Welt

  1. 11ersfilmkritiken schreibt:

    Ich bin nicht unbedingt ein Freund des Deutschen Films. Oftmals wird man einfach enttäuscht. Ausnahmen bestätigen aber die Regel. Und dieser gehört ohne Zweifel zu den guten Ausnahmen.

    Gefällt mir

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