Jonathan

Land: Deutschland 2016
Regie: Piotr J. Lewandowski
Mit: Jannis Niewöhner, André M. Hennicke, Julia Koschitz, Thomas Sarbacher, Barbara Auer, Max Mauff, Leon Seidel, Carsten Strauch, Ella-Maria Gollmer, Robert Alexander Baer
Label: farbfilm / Lighthouse
Veröffentlichung: 21.4.2017
FSK: 12

Eine Studie unseres Familientherapeuten Julian Dax:

Krankheit, Tod, Entfremdung, unterdrückte Wünsche, Sexualität, Familiengeheimnisse – all diese Themen, aus denen man ohne Weiteres eine mehrteilige Serie hätte machen können, finden Berücksichtigung in Jonathan von Piotr J. Lewandowski, dem jungen polnischen Regisseur. Und das Erstaunliche dabei ist, dass der Film dennoch nicht überfrachtet wirkt.

Jonathan ist Anfang 20 und lebt zusammen mit seinem Vater Burghardt und seiner Tante Martha auf einem Bauernhof. Die Geschwister wirken äußerst wortkarg und scheinen beide vom Leben enttäuscht, zudem leidet der Vater an Krebs im Endstadium und hat mit dem Leben abgeschlossen. Obwohl sich Jonathan  aufopferungsvoll um Burghardt kümmert, scheint dennoch eine unsichtbare Mauer zwischen ihnen zu stehen, und der Sohn dringt nicht zu seinem Vater durch. Vor allem möchte dieser absolut nicht über Jonathans Mutter sprechen, von der sein Sohn nur weiß, dass sie bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, als er noch sehr klein war. Auf Marthas Initiative erscheint Anka auf dem Hof, eine junge Pflegerin und Sterbebegleiterin, von deren positiver Lebenseinstellung und Leichtigkeit Jonathan fasziniert ist, und zwischen ihnen entwickelt sich schnell eine Liebesbeziehung. Und mit Ron, einem geheimnisvollen Fremden aus der Vergangenheit, ist die Figurenkonstellation komplett, und sein Auftauchen ist es auch, das die weitere Entwicklung der Geschehnisse entscheidend beeinflusst…

© Jeremy Rouse

Es sind gleich mehrere Faktoren, die Jonathan so überaus sehenswert machen. Zunächst einmal fällt die Ruhe und Zurückhaltung auf, vor allem erkennbar an Kameraführung und Musik; nichts wirkt überstürzt oder gar hektisch, und man erhält als Zuschauer die Möglichkeit, das Geschehen zu reflektieren und die Charaktere zu erfassen; nie verliert man den Überblick, trotz der eingangs erwähnten Fülle an Themen. Ein weiteres Plus sind natürlich die Darsteller, die allesamt in ihren Rollen aufgehen und stellenweise mit einer an die Schmerzgrenze reichenden Intensität agieren . Besonders hoch ist Regisseur und Darstellern dabei anzurechnen, dass die vielfältigen Sexszenen an keiner Stelle voyeuristisch und somit peinlich wirken, sondern sich wie selbstverständlich in den Kontext einfügen.

Auch wenn man Jonathan beileibe nicht als unterhaltsam und leicht verdaulich bezeichnen kann, ist man am Ende doch überrascht, mit welch einer Leichtigkeit eine derart tieftraurige Familiengeschichte erzählt werden kann und empfindet dieses Plädoyer für Toleranz und Vergebung im Angesicht des Todes als äußerst menschlich und anrührend.


TECHNISCHE DATEN

SPRACHE: Deutsch, Audiodeskription für Blinde und Sehbehinderte
UNTERTITEL: Deutsch für Hörgeschädigte
BONUSMATERIAL: Fliegen (Kurzfilm), Heavy Pregnant (Kurzfilm), Zusätzliche Szenen, Making-of

DVD

LAUFZEIT: 95 Minuten
BILD: Cinemascope, 1:2,35
TON: Dolby Digital 5.1

BLU-RAY

LAUFZEIT: 99 Minuten
BILD: Cinemascope, 1:2,35
TON: DTS-HD Master Audio 5.1

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Drama abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s