Ghost in the Shell

Land: USA 2017
Laufzeit: 117 min
Regie: Rupert Sanders
Mit: Scarlett Johansson, Takeshi Kitano, Michael Pitt, Juliette Binoche, Pilou Asbæk, Chin Han, Danusia Samal, Lasarus Ratuere, Yutaka Izumihara, Tawanda Manyimo
Kinostart: 30.3.2017

Ein Beitrag unseres humanoiden Mitarbeiters Julian Dax:

© 2017 Paramount Pictures

Die Großstadt als wahre Höllenvision? Künstliche Menschen, die an ihrer Bestimmung und Identität zweifeln? Eine eindringliche Filmmusik? Im Grunde genommen gibt es diesen Film bereits, und damit ist nicht etwa die Zeichentrickversion von 1996 gemeint, die Ghost In The Shell zu einem der bekanntesten Animes überhaupt gemacht hat. Nein, gemeint ist natürllich Blade Runner aus dem Jahr 1982, von dem übrigens noch in diesem Jahr unter dem Titel „Blade Runner 2049“ eine verspätete Fortsetzung in die Kinos kommen soll, bei der Denis Villeneuve Regie führt.
Unter diesem quasi übermächtigen Schatten hat es die nun anlaufende Realverfilmung von Ghost In The Shell ziemlich schwer. Und wenn sich dann auch noch gewisse Schwächen offenbaren…

Im Jahre 2029 ist die Forschung so weit fortgeschritten, dass es ohne Weiteres möglich ist, aus menschlichen und maschinellen Komponenten Hybriden zu erschaffen, die einem „normalen“ Menschen in allen Belangen überlegen sind. Wir lernen eine junge Frau kennen, von der nach einem vorgeblichen Unfall nur noch das Gehirn funktionstüchtig ist. Sie erhält einen künstlichen Körper und somit eine eine neue Existenz. Innerhalb eines allmächtigen und ominösen Konzerns wird sie unter dem Namen „Major“ zu einer Art Superagentin von Sektion 9 und ist fortan damit beschäftigt, als Leiterin einer kleinen, jedoch äußerst schlagkräftigen Einsatztruppe, den Feinden des Konzerns den Garaus zu machen. Als kurz nacheinander wichtige Repräsentanten des Konzerns getötet werden und ein übermächtig scheinender Feind auftaucht, wird die Hauptfigur in Ereignisse verwickelt, die dazu führen, dass sie immer mehr Zweifel an ihrer Aufgabe, vor allem aber ihrer wahren Identität bekommt.

© 2017 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Zuerst die gute Nachricht: Ghost In The Shell ist visuell beeindruckend – wenn es dem Zuschauer denn gelingt, den bereits o.a. Vergleich mit Blade Runner beiseite zu schieben. Auch gegen die Inszenierung der Actionszenen ist nichts einzuwenden, denn wenigstens kann das Auge dem Geschehen auf der Leinwand folgen. Und den Darstellern sieht man gerne zu, auch wenn man sich wünscht, der verantwortliche Maskenbildner hätte eine weniger scheußliche Perücke für Scarlett Johansson ausgesucht. Doch als an sich und der Welt (ver)zweifelnder künstlicher Mensch und eine Art Variation von Black Widow und Lucy liefert sie die gewohnt ansprechende Leistung. Die Auszeichnung für die eindringlichste Darstellung geht jedoch in diesem Fall an Michael Pitt, der als erbarmungswürdige Kreatur  –  ein früheres fehlgeschlagenes Experiment mit dem verständlichen Wunsch nach Rache  –  beim Zuschauer tatsächlich so etwas wie Mitgefühl erweckt.

Um so gravierender fällt vor allem in seinen Szenen daher das Hauptmanko des Films ins Gewicht: Wieder einmal ist es ein sehr schwaches Drehbuch, mit dem Ghost In The Shell zu kämpfen hat. Auch wenn man bei dieser Art von Film weder allzu tiefschürfende Erkenntnisse noch pointierte Dialoge erwartet, ist es doch ärgerlich, wie lieblos die Macher mit dem eigentlich doch zeitlosen Thema der menschlichen Identität umgehen. So würde man z.B. gerne erfahren, was es mit der ominösen Sektion 9 auf sich hat oder welche Rolle eigentlich die von Juliette Binoche verkörperte Wissenschaftlerin spielt, die gleichzeitig als Mutterersatz fungiert.
Doch an solchen Feinheiten ist der Film ebenso wenig interessiert wie an den Figuren selbst; lieber hetzt er zur nächsten austauschbaren Schießerei/Klopperei.  Und erneut muss man an den von Rutger Hauer brilliant verkörperten Replikanten in Blade Runner denken, dessen zu Tränen rührende Sterbeszene man auch nach 35 Jahren nicht vergessen kann. Doch von dieser Klasse ist Ghost In The Shell leider meilenweit entfernt.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Drama, Fantasy, Krimi, Literaturverfilmung, SciFi abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Ghost in the Shell

  1. Shalima Moon schreibt:

    Ich werde am Samstag von meinem Freund in Ghost in the Shell gezogen… bin mal gespannt, ob mich das schwache Drehbuch auch so stören wird

    Gefällt mir

  2. Pingback: Animes in Hollywood sind immernoch eine schlechte Idee. Kritik – Ghost in the Shell – filmexe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s