Es war einmal in Deutschland

Land: Deutschland 2016
Regie: Sam Garbarski
Mit: Moritz Bleibtreu, Antje Traue, Tim Seyfi, Mark Ivanir, Anatole Taubman, Hans Löw, Pál Mácsai, Václav Jakoubek
Kinostart: 6.4.2017

Ein Beitrag unseres Historikers Julian Dax:

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© X-Verleih

Eine Tragikomödie, angesiedelt im Nachkriegsdeutschland? Mit Rückblenden, die im Vernichtungslager spielen? Das hätte böse ins Auge gehen können.
Doch Regisseur und Co-Autor des Drehbuchs Sam Garbarski, dem wir schon die Filmperle Irina Palm verdanken, die ebenfalls ein heikles Thema mit Takt und Menschlichkeit abhandelt, gelingt es auch hier den schwierigen Drahtseilakt zwischen Lachen und Weinen zu vollführen, ohne auch nur ein einziges Mal abzustürzen.

Frankfurt am Main, 1946. David Bermann und einige weitere Überlebende des Holocaust träumen von einem neuen Leben in Amerika. Dazu benötigen sie natürlich das entsprechende Startkapital. Bermann, dessen Familie vor dem Krieg ein renommiertes Geschäft für Wäsche und Stoffe besaß, kommt die zündende Idee, zusammen mit seinen neuen Freunden von Haus zu Haus zu ziehen und vor allem den Frauen ihre Waren anzubieten, die sie selbst auf Kommission erhalten haben. Da die Herren mit ebenso viel Charme wie Chuzpe ans Werk gehen, floriert das Geschäft sehr schnell, und der Traum von Amerika rückt in greifbare Nähe. Doch David Bermann hat ein Geheimnis, das er sorgfältig vor seinen  Geschäftspartnern zu verbergen sucht. Immer wieder muss er zum Verhör vor die amerikanischen Besatzer, in diesem Fall repräsentiert von der klugen und attraktiven Offizierin Sara Simon. Bermanns Erklärungsversuchen, warum sein Name sich auf einer Liste von Nazikollaborateuren befindet, begegnet sie mit großer Skepsis, auch wenn es ihr immer schwerer fällt, sich Bermanns Charme und Witz zu entziehen…

Die Handlung des Films basiert größtenteils auf den beiden Romanen „Die Teilacher“ und „Machloikes“ von Michel Bergman, in denen er den tragikomischen und anrührenden Überlebenskampf einiger Juden schildert, die zu den wenigen ehemaligen Insassen gehören, die die Hölle der Vernichtungslager lebend überstanden haben.

Während Roberto Benignis Das Leben ist schön seinerzeit auf schier unerträgliche Weise das Leben im KZ verharmlost und somit verfälscht, zeigt Es war einmal in Deutschland…, welch tiefe Wunden bei den Überlebenden zurück geblieben sind, bis hin zu den Selbstvorwürfen, warum ausgerechnet sie und nicht ihre Familien davongekommen seien. Besonders eindrucksvoll gerät z.B. die Begegnung eines der Protagonisten mit seinem ehemaligen Folterknecht. Der nachvollziehbare Wunsch nach Vergeltung hat jedoch für beide Männer fatale Konsequenzen.

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© X-Verleih

Von solch entsetzlichen Einzelschicksalen schlägt der Film immer wieder einen Bogen zur Gegenwart im Jahre 1946 und zeigt, wie diese Männer sich trotzdem nicht unterkriegen lassen und versuchen, auf eine menschenwürdige Existenz hinzuarbeiten, was manchmal durchaus auch komische Züge aufweist, ganz ohne Peinlichkeiten und Anbiederei.

Im Mittelpunkt steht dabei zwar die sich anbahnende Beziehung zwischen David Bermann und Sara Simon, doch an keiner Stelle lässt derFilm die anderen Figuren außer Acht. Und auch in Bezug auf das zunächst reserviert bis misstrauisch agierende Paar Bermann- Simon vermeidet der Regisseur weitgehend Klischees und Vorhersehbarkeiten.

So gerät Es war einmal in Deutschland… zu einer mehr als nur unterhaltsamen Geschichtsstunde; getragen von einem hervorragenden Schauspielerensemble und stimmigem Zeitkolorit, ist es vor allem der leise, von Melancholie durchzogene Humor, der diesen zutiefst menschlichen Film so sehenswert macht.

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