Logan – The Wolverine

Originaltitel: Logan
Land
: USA 2017
Laufzeit: 135 min
Regie: James Mangold
Mit:  Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen, Richard E. Grant, Boyd Holbrook, Stephen Merchant
Kinostart: 2.3.2017

Ein Beitrag unseres nicht mutierten Mitarbeiters Julian Dax:

logan-the-wolverine-plakat

© 2017 Twentieth Century Fox

„Ice cream for bedwetters“ – so lautet das vernichtende Urteil Logans, als er kopfschüttelnd in einem alten „X-Men“-Comic (!!!) blättert, der einem geheimnisvollen Mädchen gehört, das er beschützen und in Sicherheit bringen soll, und mit dieser Aussage können sich bestimmt zahlreiche Filmfreunde identifizieren, die der inflationären Superheldenflut im Kino überdrüssig sind. Natürlich gab es im vergangenen Jahr mit Deadpool und Dr. Strange auch lobenswerte Ausnahmen von der Regel, doch denen standen aufgeblasene Rohrkrepierer, wie z.B. Batman v Superman oder Suicide Squad gegenüber und bestätigten die Theorie vieler, das Genre habe sich eigentlich überlebt.

Trotzdem war das Entsetzen der Fans groß, als im Vorfeld bekannt wurde, dass Hugh Jackman mit Logan nach 17 Jahren und 7 Auftritten als Wolverine zum definitiv letzten Mal seine Adamantiumkrallen ausfährt.

Man schreibt das Jahr 2029, und in den USA herrscht eine Art Endzeitstimmung. Mutanten, so wie man sie kennt, existieren nicht mehr oder sind in alle Winde zerstoben. Im Niemandsland zwischen den USA und Mexiko fristet James Howlett alias Logan alias The Wolverine ein bemitleidenswertes Dasein. Er ist sichtlich gealtert, des Kämpfens müde und sein von unzähligen Narben übersäter Körper zeugt davon, dass seine Selbstheilungskräfte auch nicht mehr so richtig funktionieren. Zudem ist er offensichtlich auch zum Alkoholiker geworden. Das Geld, das er sich als Fahrer verdient, braucht er in erster Linie für Medikamente, die sein einstiger Mentor, Professor Charles Xavier, benötigt, um den er sich, zusammen mit dem Albino Caliban, aufopferungsvoll kümmert. Ausgerechnet Professor Xavier, einst der brillianteste und am höchsten entwickelte Geist der Menschheit, leidet inzwischen an schrecklichen Gehirnaussetzern, die nicht nur für ihn selbst, sondern vor allem für seine Umgebung fatale Folgen haben können.

Die schäbige Existenz dieser kleinen Gemeinschaft findet jedoch ein Ende, als eine Mexikanerin samt vorgeblicher Tochter auf der Bildfläche erscheint und Logan 50.000 Dollar anbietet, wenn er das Mädchen sicher zu einer bestimmten Adresse in Nord Dakota bringt. Sichtlich ungern und ausschließlich des Geldes wegen lässt sich Logan auf den Deal ein, ohne zu ahnen, welche Folgen das haben wird…

logan-the-wolverine

© 2017 Twentieth Century Fox

Im Englischen gibt es die äußerst bildhafte Redewendung „to go out with a bang“, und genau das tut die wohl populärste Figur des Marvel-Universums. Nicht nur inszeniert Regisseur James Mangold die zahlreichen furiosen Actionsequenzen mit atemberaubender Präzision und ohne eines sichtbar inflationären Einsatzes von CGI – vielmehr verleiht er den Charakteren wesentlich mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit als man es von Superhelden gewohnt ist. Und damit bewirkt er beim Zuschauer etwas, was schon Aristoteles von einem gelungenen Drama einforderte: als Zuschauer soll man „Furcht und Mitleid“ im Zusammenhang mit dem Schicksal der handelnden Personen empfinden, und genau das löst Logan auch ein.

Natürlich kann sich Mangold dabei auf die unbestreitbaren schauspierischen Qualitäten von Hugh Jackman und Patrick Stewart verlassen; vor allem Stewart, der als Professor X am Ende seines Lebens erkennen muss, dass alles, wofür er stets gekämpft hat, von skrupellosen Mächten missbraucht wird, ja, er selbst aufgrund seiner Krankheit ebenfalls zu einem Teil der destruktiven Kräfte geworden ist, die er stets bekämpft hat. Und diese Erkenntnis bricht nicht nur ihm das Herz. Und die kleine Dafne Keen als im Labor gezüchtete Mutantin Laura bewältigt ihre schwierige Rolle mit Bravour, was vor allem deshalb bewunderswert ist, als sie überwiegend stumm bleibt und alles ausschließlich mit Blicken und Körpersprache vermitteln muss.

Natürlich gehören zu außergewöhnlichen Helden, auch wenn sie in diesem Fall gebrochen sind, ebenso außergewöhnliche Schurken, und auch hier enttäuscht der Film nicht, wobei Richard E. Grant als skrupelloser Wissenschaftler, der grausame Experimente an Kindern leitet („Don´t think of them as children, think of them as things.“) noch übertroffen wird von Boyd Holbrook, der den Anführer der Söldnertruppe spielt, die sowohl Laura als auch weitere Kindermutanten vernichten soll. Als blonder (!) Supersoldat namens Donald (!!!) Pierce agiert er derart widerlich, dass man als Zuschauer bereits von seinem ersten Auftritt an auf seine gerechte Bestrafung wartet. Und auch in dieser Hinsicht wird man nicht enttäuscht.

Es ist schon erstaunlich, mit welch grimmiger Konsequenz Mangold zu Werke geht, wie er Grundsätzliches (Krankheit, Vergänglichkeit und Tod) abhandelt – nicht unbedingt Standardthemen in Superheldengeschichten. Sieht man vielleicht einmal von Watchmen ab, so gab es bisher auch keine derart konfrontative und brutale Comicverfilmung, und die Tatsache, dass an der ausgeübten Gewalt auch noch ein Kind maßgeblichen Anteil hat, dürfte beim Filmverleih nicht unbedingt auf vorbehaltlose Zustimmung gestoßen sein. Wenn die FSK bei uns ihre Aufgabe ernst nimmt, käme eigentlich nur eine Altersfreigabe ab 18 in Frage, womit natürlich weder Verleih noch Kinobetreiber glücklich wären, würde es doch die Einnahmen erheblich schmälern.

Wenn Sie also zu den Zuschauern gehören, die einen aus dem üblichen Rahmen fallenden Superheldenfilm sehen möchten und sich nicht vor äußerst expliziten Gewaltdarstellungen scheuen, belohnen Sie den Mut der Filmemacher und schauen sich Logan an. Und wenn beim Abspann Johnny Cash „The Man Comes Around“ singt, brauchen Sie sich ihrer Tränen auch nicht zu schämen…

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2 Antworten zu Logan – The Wolverine

  1. Samuel David Herr schreibt:

    Klingt gut.
    Die Reviews zu den anderen „Wolverine“- bzw. „X-Men“-Filmen klangen aber teilweise auch sehr viel besser, als das Seh-Erlebnis hinterher war.
    Insbesondere der Charakter des Professor Xaver scheint mir doch extremlichst überbewertet.
    Alles, was Xaver in den Filmen (die Comics kenne ich nicht) „geleistet“ hat, war:
    1. sich entführen und seine Fähigkeiten zu diversen Beinahe-Apokalypsen mißbrauchen lassen
    2. seine Schutzbefohlenen in unverantwortlicher Weise gefährlichen Situationen aussetzen
    3. seine Schutzbefohlenen zu paramilitärischen Spezialeinheiten ausbilden (damit sie nicht gleich draufgehen, wenn er selber erwartungsgemäß wieder großen Mist baut)

    Toller Mann. Man fragt sich, warum die Welt noch immer so große Vorbehalte gegen Mutanten hat, wo doch Xaver als einer der mächtigsten und in der öffentlichen Wahrnehmung präsentesten das ganze VERFICKTE ATOMWAFFENARSENAL DER ERDE GLEICHZEITIG HAT ABFEUERN LASSEN, quittiert mit seiner EIGENEN STIMME IN DEN KÖPFEN ALLER MENSCHEN WELTWEIT.
    Ich meine … man stelle sich derlei Fauxpas in unserer Welt vor … wenn beispielsweise Muslime ähnliche Fähigkeiten hätten … und der im Westen als gemäßigt und hoch gebildet geltende Vertreter muslimischer Interessen alle Atombomben zündete oder auch nur unschädlich machte mit seinen Muslimenkräften … völlig wurscht, ob er dazu gezwungen worden wäre oder nicht … die Reaktion darauf … … … …
    heilige Scheiße! Nicht mal im Ansatz ausmalbar!
    Sicherlich jedoch nicht, wie im Film, ein internationales „Schwamm drübber, is ja nochma alles gut gegangen.“ Und Xaver sitzt in seinem Rollstühlchen und erdreistet sich, Sachen zu sagen wie „Ich glaube noch immer an das Gute in den Menschen“ … nachdem ER SELBST EIGENKÖPFIG IN EINDRUCKSVOLLER WEISE DEMONSTRIERT HAT, DAẞ ER JEDERZEIT DAZU IN DER LAGE IST, DIE KOMPLETTE MENSCHHEIT AUSZUROTTEN MIT SEINEM ULKIGEN CEREBRO-DING. UNÜBERWACHT. OHNE JEDWEDE KONTROLLMAẞNAHME NEBEN SEINER NACHWEISLICH FEHLERHAFTEN SELBSTEINSCHÄTZUNG! Wäre Magnetos Bastard nich zufällig inner Gegend gewesen, hätte Xaver der Großmütige seine KOMPLETTE SCHÜLERSCHAFT EINGEÄSCHERT, weil er seine Hirnfürze nich unter Kontrolle hat und direkt unter der Schule seine höchst persönliche Massenvernichtungswaffe einbauen hat lassen. Warum konnte man dieses Cerebro-Ding nich woanders hinbauen? Doch nur, damit es Xaver hübsch bequem hat und keine langen „Fußwege“ zurücklegen muß, wenn er mal wieder in das das Bewußtsein ALLER MENSCHEN AUF DER ERDE eindringen möchte OHNE DEREN EINVERSTÄNDNIS.
    Toller Mann. Mein persönlicher Held.

    Wolverine wird von diesen Filmen immerhin als innerlich zerrissener, von Schicksalsschlägen beschädigter Charakter ausgewiesen. Xaver? Nich ma im Ansatz. Mehr Karmapunkte aufm Konto als Dumbledore und Yoda zusammen, dabei für WESENTLICH mehr Verwüstung und Chaos in der X-Men-Welt verantwortlich als Magneto je in der Lage war zu reißen.
    War der Gedanke hinter den „X-Men“ nicht eigentlich ursprünglich, Toleranz zu fördern und Verständnis für Minderheiten zu wecken??? Nun, ich würde sagen … Thema verfehlt!
    Nachdem ich die Filme gesehen hab, wär ich der erste an Bord des Mutanten-Meldegesetzentwurfes. Die Viecher sind brandgefährlich! Xavers Schule schließen – zum Wohle seiner Schüler – und den Keller mit Beton ausgießen. SOFORT! Bevor Zen-Glatze uns alle aus Versehen in die Zombieapokalypse nießt.

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Kritik: Logan – filmexe

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