Alles was kommt

Originaltitel: L’Avenir
Land
: Frankreich 2016
Regie: Mia Hansen-Løve
Mit: Isabelle Huppert, André Marcon, Roman Kolinka, Edith Scob, Sarah
Le Picard, Solal Forte
Label: Weltkino
Veröffentlichung: 10.3.2017
FSK: 12

Ein Beitrag unseres langjährigen Pädagogen Julian Dax:

alles-was-kommt-cover

© Weltkino

Wahrscheinlich sind etlichen, sich fortschrittlich dünkenden Lehrkräften beim Anschauen von Alles was kommt im Kino ihre Bio-Chips im Hals stecken geblieben; sieht man doch darin, wie die von Isabelle Huppert in gewohnter Souveränität dargestellte  Pariser Philosophielehrerin Nathalie Chazeneux ihre Schüler ganz altmodisch mit sog. „Frontalunterricht“ traktiert, d.h. sie spricht oder liest vor, die Schüler hören zu und machen sich Notizen. Diese durch und durch pragmatische und rationale Frau denkt nicht im Traum daran, mit irgendwelchen methodischen Mätzchen vom eigentlich wesentlichen Unterrichtsziel abzulenken: den Schülern etwas beizubringen und sie zum selbständigen Denken anzuregen, auch indem sie ihr widersprechen.


Bereits diese Szene relativ früh im Film charakterisiert die Hauptfigur in Mia Hansen- Løves Alles was kommt, für den sie 2016 in Berlin den Silbernen Bären für die beste Regie erhielt.
Im Grunde genommen ist Nathalie der Meinung, sie führe ein erfülltes Leben; nach wie vor liebt sie ihren Beruf, ihre Schüler schätzen sie, seit 25 Jahren führt sie eine scheinbar harmonische Ehe (ihr Mann unterrichtet ebenfalls Philosophie), sie hat zwei erwachsene Kinder, die ihr keinerlei Kummer bereiten, schreibt für einen Schulbuchverlag und betreut einen ehemaligen Schüler bei dessen  Doktorarbeit. Zwar gibt es da auch ihre manisch-depressive Mutter, die sie mit nächtlichen Telefonaten drangsaliert, aber auch das hat sie offensichtlich im Griff.
Eines Tages jedoch ändert sich ihr vermeintlich ruhiges Leben; ihr Mann spricht den ebenso banalen wie auch im wahrsten Sinne des Wortes erschütternden Satz „Ich habe da jemanden kennen gelernt“ und gibt seiner Frau zu verstehen, dass er in Zukunft mit seiner neuen Bekanntschaft zusammenleben wolle. Nur für einen ganz kurzen Moment entgleisen Nathalie die Gesichtszüge, sofort findet sie ihre Fassung wieder. Und als sie später am selben Tag in ihre Wohnung zurück kommt – ihr Mann ist mittlerweile weg und hat quasi als Entschuldigung einen großen Blumenstrauß dagelassen – packt sie diesen kurzerhand in eine große Plastiktasche und stopft alles in den Müllcontainer im Hof – nur um sofort wieder kehrtzumachen und zumindest die Plastiktasche wieder rauszuzerren. Einmal Pragmatikerin, immer Pragmatikerin!

alles-was-kommt

© Weltkino

Doch das Ende ihrer Ehe ist nur der Anfang von weiteren Krisen und Katastrophen. Nach einem Selbstmordversuch ihrer Mutter sieht sie sich gezwungen, sie in einem Pflegeheim unterzubringen,wo sie kurz darauf stirbt, ihr Buchverlag kündigt ihren Vertrag, und schweren Herzens entschließt sie sich auch, das gemeinsame schöne Ferienhaus in der Bretagne nie wieder zu betreten.

Wer nun denkt, Alles was kommt sei ein tonnenschwerer Brocken, der den Zuschauer deprimiert und schlecht gelaunt zurücklässt, liegt allerdings völlig falsch. Stattdessen wird man Zeuge, wie sich eine Frau Ende 50 ohne falsche Sentimentalität und Hysterie daran macht, ihr Leben neu zu ordnen, indem sie zunächst einmal ein Fazit zieht: „Meine Kinder sind weg, mein Mann auch, meine Mutter ist tot. Nach 25 Jahren habe ich jetzt die totale Freiheit.“ Und aus dieser Erkenntnis, die sie zwar nicht jubeln oder über die Stränge schlagen lässt, schöpft sie die Kraft, hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen, ganz ohne Schuldzuweisungen und nostalgischer Sehnsucht nach ihrem früheren Leben.


Technische Daten DVD:

Bild: 1,85:1
Sprachen/Ton: Deutsch (5.1 DD, Stereo DD), Französisch (5.1 DD), Audiodeskription für Sehbehinderte
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Laufzeit: 106 Min.
Extras: Interview mit Regisseurin Mia Hansen-Løve, Trailershow, Wendecover.

Technische Daten Blu-ray:

Bild: 1:85:1 Auflösung: 1080p/24 Full HD
Sprachen/Ton: Deutsch (5.1 DTS-HD MA, Stereo DTSHD MA), Französisch (5.1 DTS-HD MA), Audiodeskription für Sehbehinderte
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Laufzeit: 102 Min.
Extras: Interview mit Regisseurin Mia Hansen-Løve, Trailershow, Wendecover.

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