Im Kino

Buchtitel: Im Kino
Autor: Harald Martenstein
Verlag: C. Bertelsmann, 2017
ISBN: 978-3-570-10278-7
Umfang: 208 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 12,5 x 20,0 cm
Preis: € 16,99 [D] | € 17,50 [A] | CHF 22,90

Ein Beitrag unseres lebenslangen Kinogängers Julian Dax:

martenstein_im_kino

„Ich bin kein Journalist, kein Reporter, kein Kritiker, kein Schriftsteller. Ich bin ein Schreiber.“ Mit diesen Worten stellt sich Harald Martenstein, vielfach preisgekrönter Kolumnist und Romanautor – so viel Einordnung muss sein! – im ersten Kapitel seines neuen Buches Im Kino dem Leser vor, nur um kurz darauf festzustellen, dass er sich durchaus hätte vorstellen können, seinen Lebensunterhalt als Filmkritiker zu bestreiten, sei doch Film so lange er denken könne, seine ganz große Liebe.

Und diese Liebe wird in jedem der insgesamt 81 Kapitel ersichtlich. Dabei nähert sich der Autor seinen filmbezogenen Themen nicht unbedingt analytisch, sondern erfreulicherweise feuilletonistisch, was den Unterhaltungswert von Im Kino erheblich steigert. Bereits seit nunmehr 20 Jahren schreibt Martenstein während der Berlinale seine tägliche Kolumne im „Tagesspiegel“, und diese Texte – von ihm selbst zum Teil überarbeitet bzw. umgeschrieben – erscheinen nun gesammelt in Buchform. „Warum habe ich dieses Buch zusammengestellt? Weil ich hoffe, dass ein paar Leute es unterhaltsam finden, und weil es vielleicht ein paar Erkenntnisse enthält, auf die ich nie gekommen wäre, wenn ich nicht schreiben würde.“

Wer Martensteins Kolumnen zu allen möglichen Themen kennt, der weiß, was ihn auch in Bezug auf Filme und Filmschaffende erwartet; ebenso unterhaltsame wie geistreiche Überlegungen, sprachlich ausgefeilt und genau auf den Punkt gebracht. Dabei scheut er sich auch nicht davor, aufgeblasene, verschwurbelte und wichtigtuerische Machwerke auch als solche zu benennen, selbst wenn er sich dadurch den Zorn von angeblichen Cineasten zuzieht. „Lange Einstellungen, Dunkelheit, Düstermusik, ernste Mienen – das muss Kunst sein. Dabei kann es sich doch auch einfach um Bullshit handeln.“
Soviel zu Romuald Karnakars vielfach gelobten Film „Die Nacht singt ihre Lieder.“ Und wer dieses Machwerk gesehen hat, kann nur von ganzem Herzen zustimmen.

Manche Passagen sind auch schlicht und ergreifend brüllend komisch: „Bei der Eröffnung (2005) stand ich draußen im Regen, vor dem Berlinale-Palast, und betrachtete die Garderobe der Promis. Höhepunkt der Veranstaltung war der Auftritt von Mutter Beimer, die sich in den Original-Umhang von Bela Lugosi aus dem Film „Dracula“ gehüllt hatte. Einige Gäste wollten vom Roten Teppich partout nicht Abschied nehmen, am extremsten in dieser Hinsicht war eine Chinesin, die außer künstlichen Wimpern praktisch nichts anhatte. Ich dachte: „Wegen der Chinesin muss Kosslick gleich die Feuerwehr rufen, freiwillig geht die nicht von den Fotografen weg.“ Dann erfuhr ich, dass sie Jurymitglied ist, sie habe in „Star Wars III“ gespielt, den ich leider nicht gesehen habe, und sei Playmate im nächsten „Playboy“.

Wenn Sie also zu den Filminteressierten gehören, die gerne ins Kino gehen, weil sie ein paar anregende Stunden mit möglichst interessanten Menschen auf und möglichst interessierten Menschen vor der Leinwand verbringen wollen, ohne das Ganze allzu tierisch ernst zu nehmen, dann ist Harald Martensteins Im Kino geradezu idealer Lesestoff. Und was seine o.a. Begründung für das Abfassen des Buches betrifft („Ich hoffe, dass ein paar Leute es unterhaltsam finden.“), so kann man eindeutig resümieren: Mission erfüllt!

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Eine Antwort zu Im Kino

  1. Laura Palmer schreibt:

    Ich kenne und schätze den Autor wegen seiner Kolumnen. Das Buch kann nur gut sein 😉

    Gefällt 1 Person

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