Demon-Dibbuk

Originaltitel: Demon
Land
: Polen/Israel 2015
Regie: Marcin Wrona
Mit: Itay Tiran, Agnieszka Zulewska, Andrzej Grabowski, Tomasz Schuchardt, Tomasz Zietek, Wlodzimierz Press, Adam Woronowicz
Label: donau film
Veröffentlichung: 28.10.2016
FSK: 16

Ein Beitrag unseres Hochzeitsspezialisten Julian Dax:

demon-dibbuk-cover

© donau film

In der Liste der Länder, aus denen in letzter Zeit sehens- bzw. diskussionswürdige Filme kommen, ist Polen schon eine ganze Weile nicht mehr vertreten – und bei der jetzigen Regierung unter Herrn Kaczinsky und seiner PiS-Partei wird sich das wohl auch nicht so schnell ändern. Um so erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass Demon – Dibbuk, eine polnisch-israelische (!) Koproduktion, bei uns unter dem Titel Dibbuk – Eine polnische Hochzeit sogar einen Kinoeinsatz hatte, auch wenn man sich nicht vorstellen kann, dass er besonders viele Zuschauer ins Kino gelockt hat.
Auf DVD/Blu-ray hat der Film nun das Etikett „Horrorfilm“ erhalten, was zwar einige Genrefans anlocken dürfte, die letztlich jedoch wohl nicht wirklich zufrieden sein werden, denn im Grunde genommen geht es Regisseur Marcin Wrona – der sich übrigens kurz nach der Premiere das Leben genommen hat – um polnische Vergangenheitsbewältigung im Gewand einer Geistergeschichte.

Pjotr kehrt aus London zurück in die polnische Provinz, wo er Zaneta heiraten soll, deren Vater dem Paar ein Grundstück samt imposantem, wenn auch renovierungsbedürftigem Gebäude schenkt, wo auch die Hochzeit stattfinden soll, zu der das ganze Dorf eingeladen ist. Beim Buddeln im Garten entdeckt Pjotr ein altes menschliches Skelett, das er schnell wieder zuschüttet. Die Hochzeitszeremonie am nächsten Tag verläuft zunächst nach Plan, doch bereits das Wetter hat sich gegen die Feiernden verschworen, denn es fängt zu gießen an (und hört bis zum Ende des Films auch nicht mehr auf).
Aber Gastgeber und Gäste lassen sich davon nicht beirren; es wird gegessen und (vor allem!) viel getrunken, und so fällt es zunächst einmal nicht auf, dass das Benehmen des Bräutigams etwas seltsam anmutet. Als sich schließlich nicht mehr verheimlichen lässt, dass irgendetwas mit ihm absolut nicht in Ordnung ist, wird er auf Geheiß des sehr dominanten Brautvaters in den Keller geschafft, wo die Situation weiter eskaliert…

demon-dibbuk

© donau film

In der jüdischen Mythologie ist ein Dibbuk ein Geist, dem zu Lebzeiten schreckliches Unrecht angetan wurde und der deshalb keine Ruhe finden kann und von einer lebenden Person Besitz ergreift. Dieser Mythos dient nun Regisseur Wrona, um zu thematisieren, wie die Polen mit ihrer eigenen Vergangenheit – in diesem Fall dem Umgang mit ihren jüdischen Mitbürgern während des Zweiten Weltkriegs – umgehen. Nur der ehemalige Dorflehrer und einzige noch verbliebene Jude erkennt die Wahrheit, doch ihm mag keiner zuhören. Viel wichtiger ist es, dass die Hochzeitsfeierlichkeiten irgendwie weitergehen, und so sorgt denn wiederum der Brautvater, dass die Gäste ordentlich abgefüllt werden und die Musik nicht aufhört.

demon-dibbuk-hinten

© donau film

Spätestens hier kann man den ebenso bitteren wie auch sarkastischen Tonfall nicht mehr übersehen, mit dem der Film das bis heute wohl in Polen (und anderswo!) übliche Verhalten kommentiert, unangenehme Dinge aus der Vergangenheit entweder totzuschweigen oder eben wegzusaufen. Am nächsten Morgen haben zwar alle einen mordsmäßigen Kater, doch die Ereignisse der Nacht verblassen – vielleicht war das alles ja nur ein böser Traum?

Wie bereits erwähnt, werden Horrorfans wohl kaum auf ihre Kosten kommen; wer jedoch einen äußerst stimmungsvoll fotografierten, mit makabrem Humor durchsetzten ungewöhnlichen Film sehen möchte, bei dem lediglich der Schluss nicht so richtig überzeugt, sollte hier einen Blick riskieren.


Technische Daten:

Sprache: Deutsch, Polnisch
Untertitel: Deutsch
Tonformat DVD: Deutsch DD 5.1 Polnisch DD 5.1
Tonformat Blu Ray: Deutsch DTS-HD MA 5.1, Polnisch DTS-HD MA 5.1
Bildformat DVD: 2,35: 1 anamorph
Bildformat Blu Ray:1080 p, 2,35:1
Laufzeit DVD: ca. 90 min.
Laufzeit Blu Ray:ca.94 min.
Bonus:Kinotrailer

 

 

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