Modus – Der Mörder in uns (Staffel 1)

Land: Schweden 2016
Regie: Lisa Siwe (Folgen 1 – 2), Mani Maserrat (Folgen 3 -4)
Mit: Henrik Norlén, Melinda Kinnaman, Krister Henriksson, Marek Oravec , Johan Widerberg. Alexandra Rapaport
Label: edel:motion
Veröffentlichung: 12.12.2016
FSK: 16

Ein Beitrag unseres langjährigen Kriminologen Julian Dax:

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© Edel:Motion

Gibt es eigentlich noch jemanden, der den vollen Durchblick in Bezug auf skandinavische Krimiautoren und ihre mittlerweile unzähligen Werke bzw. deren Verfilmungen hat? Natürlich weiß man als geübter Leser/Zuschauer, was man von dieser Art Krimis erwarten kann: Meist selbst vom Leben gezeichnete Kriminalbeamte wühlen sich durch komplexe labyrinthische Plots voller menschlicher Abgründe und Perversitäten, bis sie am Ende zwar den Fall gelöst haben, die Welt jedoch nach wie vor derselbe dunkle und abscheuliche Ort geblieben ist und so etwas wie Freude über ihren Erfolg gar nicht erst aufkommen lässt.

Die norwegische Autorin (und in den 90-er Jahren Justizministerin!) Anne Holt schreibt bereits lange und erfolgreich Kriminalromane, darunter auch die Reihe um die Profilerin uend Polizeipsychologin Inger Johanne Vik und den (was denn sonst?) melancholischen Kommissar Ingvar Nyman, und auf dem vierten Roman dieser Reihe, Gotteszahl, basiert die Serie Modus – Der Mörder in uns, die den Zuschauer in vier jeweils 90 Minuten langen Folgen an den Ermittlungen teilnehmen lässt. Der besondere Kniff dabei besteht darin, dass der psychopathische Massenmörder praktisch von der ersten Einstellung an bekannt ist, wogegen sein Motiv lange Zeit rätselhaft bleibt.

Während der Weihnachtszeit ereignen sich in Schweden etliche äußerst brutale und verstörende Mordfälle, die zunächst einmal nichts miteinander zu tun haben scheinen. Erst nach und nach bildet sich ein Muster heraus: alle Opfer waren homosexuell und der Täter handelt offensichtlich im Auftrag einer fanatischen amerikanischen Sekte, die der Meinung ist, dass die Bibel für diese schreckliche Sünde nur die Todesstrafe als adäquate Strafe vorsieht…

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© Edel:Motion

Angesichts der momentan wieder weltweit erstarkenden konservativen, um nicht zu sagen reaktionären Kräfte mitsamt ihren mehr als vorgestrigen Ansichten über Sexualität, erlangt das Thema, von dem man eigentlich angenommen hatte, es sei gar keines mehr, leider wieder ein bestürzende Aktualität. Auch wenn bis zum Schluss im Grunde nicht wirklich erklärt wird, woher dieser Hass auf anders Empfindende und anders Lebende kommt, bezieht die Serie doch eindeutig Stellung gegen Verblendete, die sich vor den Karren einer absolut menschenverachtenden Ideologie im Gewand des christlichen Glaubens spannen lassen. Die Andeutung, der Täter selbst könne schwul sein, seine Taten mithin auf nichts Anderem basieren als auf Selbsthass und dem Wunsch nach Selbstbestrafung, ist dabei noch ein besonders raffinierter Einfall.

Durchweg exzellent besetzt, stimmungsvoll fotografiert und eindrucksvoll musikalisch untermalt, bietet Modus nicht nur 360 äußerst spannende Minuten, sondern sorgt auch dafür, dass man sich mit einem existenziellen menschlichen Problem auseinandersetzt. Uneingeschränkt zu empfehlen!


Anzahl Disk: 4 DVD / 2 Blu-ray
Laufzeit: 4 x 90 Min.
Sprache: Deutsch, Schwedisch
Untertitel: Deutsch (t.b.c.)
Bildformat: 16:9
Tonformat: DD 5.1 / dts HD MA 5.1
Bonus: Interviews

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