High-Rise

Land: GB 2015
Regie: Ben Wheatley
Mit: Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans, Elisabeth Moss
Label: dcm Film Distribution
Veröffentlichung: 18.11.2016
FSK: 16

Ein Beitrag unseres langjährigen Soziologen Julian Dax:

high-rise-cover

© dcm

Eines muss man dem britischen Regisseur Ben Wheatley auch nach seinem fünften Spielfilm lassen: seinem Ruf als einer der originellsten und vor allem unberechenbarsten aktuellen Filmemacher wird er nach High-Rise absolut gerecht. Nach „Down Terrace“, „Kill List“, „Sightseers“ und „A Field In England“ entzieht sich auch sein aktueller Film jeglicher eindeutiger Klassifizierung.
England, irgendwann in den Siebzigern. Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) zieht in sein Appartment im 25. Stock eines monströsen Hochhausblocks, der aus insgesamt 40 Stockwerken besteht und irgendwo außerhalb von London steht. Das Gebäude ist streng hierarchisch aufgeteilt: im unteren Drittel lebt die Unterschicht, im mittleren Teil das Bürgertum und die oberen Etagen sind der Elite vorbehalten, wobei der Erbauer selbst, Anthony Royal (Jeremy Irons) im Penthouse im vierzigsten Stock residiert. Zusammen mit Dr. Laing lernt man nach und nach einige Bewohner aus allen drei Wohnbereichen kennen, so. z.B. den zornigen Dokumentarfilmer Richard Wilder (Luke Evans) mitsamt seiner hochschwangeren Frau Helen (Elisabeth Moss) oder der hippieesken Charlotte Melville (Sienna Miller). Es dauert nicht lange, bis sich kleine technische Störungen häufen und die Situation daraufhin sehr schnell eskaliert. Primitive Instinkte – vor allem Hemmungslosigkeit in Bezug auf Sex und Gewalt – brechen epidemieartig und vor allem klassenübergreifend aus und alles versinkt in Chaos und Anarchie.

J.G. Ballard (1930 – 2009), auf dessen gleichnamigem Roman High-Rise basiert, gilt mit seinen dystopischen Zukunftsvisionen als direkter Nachfolger von George Orwell und Aldous Huxley, und seine Werke galten lange Zeit als unverfilmbar. 1996 wagte sich David Cronenberg an Crash, die Geschichte einer Gruppe von Menschen, die absichtlich Autounfälle inszenieren, weil sie sich von den dabei zugezogenen Verletzungen sexuell angezogen fühlen. Mit Adjektiven wie „krank“ oder „pervers“ stieß der Film seinerzeit auf massive Ablehnung seitens Publikum und Kritik, gilt jedoch mittlerweile als mutig und visionär.

high-rise

© dcm

Auch in anderer Hinsicht erinnert High-Rise an David Cronenberg; dessen Erstlingswerk „Shivers“ (Deutscher Titel: „Parasitenmörder“) spielt ebenfalls in einem luxuriösen Wohnblock, dessen Bewohner nach der rapiden Ausbreitung eines wurmähnlichen Parasiten jegliche Hemmungen verlieren und in sexueller Raserei übereinander herfallen. Wo Cronenberg jedoch noch einen künstlich gezüchteten Parasiten brauchte, um seine Figuren zu entmenschlichen, genügen Wheatley schlichte Irritationen angesichts eines defekten Aufzuges oder eines nicht funktionierenden Müllschluckers, um zu zeigen, wie dünn unsere zivilisatorische Lackschicht eigentlich ist und wie wenig es bedarf, um sie gänzlich zu entfernen und das wahre Wesen des Menschen darunter zum Vorschein zu bringen.

Wie bei all seinen anderen Filmen, schrieb auch in diesem Fall Wheatleys Frau Amy Jump das Drehbuch, anders als sonst standen ihm jedoch hier äußerst namhafte Darsteller und ein wesentlich höheres Budget zur Verfügung und aus beidem gelingt es dem Regisseur, das Optimum herauszuholen. Wenn man dem Film etwas vorwerfen kann, dann ist es die Tatsache, dass er nach relativ kurzer Zeit so etwas wie eine logisch nachvollziehbare Handlung aufgibt und stattdessen mit Hilfe einzelner Szenen den Zuschauer immer tiefer in das sich entwickelnde Chaos hinein ziehen möchte, was ihm zwar gelingt, jedoch zum Preis von Irritationen und Befremdung auf Seiten der Zuschauer. Dennoch gelingt dem Film etwas, was im Zeitalter optischen und akustischen Overkills nicht mehr selbstverständlich ist: manche der gezeigten Bilder und Momentaufnahmen gehen einem nicht so schnell aus dem Kopf. Und abschließend noch ein Wort zur Warnung an alle ABBA-Fans: Die als Soundtrack verwendete Version von SOS, hier interpretiert von Portishead, macht einem den Song endgültig kaputt.

Technische Daten DVD:

  • Laufzeit: 114 Min.
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Bild: 2.40:1, 16:9 anamorph
  • Ton: Dolby Digital 5.1
  • Untertitel: Deutsch
  • Zugaben: Vom Roman zum Film, Interviews mit Cast & Crew

Technische Daten Blu-ray:

  • Laufzeit: 119 Min.
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Bild: 2.40:1, 1080p/24
  • Ton: DTS-HD Master Adio 5.1.
  • Untertitel: Deutsch
  • Zugaben: Vom Roman zum Film, Interviews mit Cast & Crew
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