Kill Billy – Harold räumt auf

Originaltitel: Her er Harold  
Land
: Norwegen/Schweden 2014
Laufzeit: 85 Minuten
Drehbuch & Regie: Gunnar Vikene
Mit: Bjørn Sundquist, Björn Granath, Fanny Ketter, Lena-Pia Bernhardsson, Evert Lindkvist, Samuel Hellström, Vidar Magnussen, Veslemøy Mørkrid
Veröffentlichung: 27.10.2016

Ein Beitrag unseres möblierten Mitarbeiters Julian Dax:

kill-billy-cover

Ob es am Klima liegt? Ist es genetisch bedingt? Gibt es Zusätze im Trinkwasser? Irgendeinen Grund muss es doch geben, warum vor allem aus Finnland und Norwegen eigenartige bis skurrile Filme kommen, die dem Publikum dann auch noch als Komödien verkauft werden.
Aber der Reihe nach. Möbelhändler Harold irgendwo in der norwegischen Provinz muss hilflos mitansehen, wie direkt neben seinem traditionellen Laden eine riesige IKEA-Filiale eröffnet. Es kommt , wie es kommen muss, und nach sechs Monaten ist sein Geschäft pleite. Zu allem Unglück verschlimmert sich die Demenz seiner Frau, und er sieht sich gezwungen, trotz eines gegenteiligen Versprechens, sie in ein Heim zu bringen, wo sie denn auch kurz nach der Ankunft tot umfällt. Lachen sie schon? Harold fährt zurück in seinen Laden, übergießt alles mit Möbelpolitur – einschließlich sich selbst – und entzündet ein Streichholz. Überraschender Weise – warum, soll an dieser Stelle nicht verraten werden – fängt nur der Laden Feuer, er selbst bleibt verschont. Und er fasst einen neuen Plan: er will mit seinem klapprigen Saab nach Schweden fahren und den Gründer von IKEA,  Ingvar Kamprad persönlich, entführen.

Von einer Tragikomödie wandelt sich der Film nun zu einer Art Roadmovie, denn unterwegs besucht Harold seinen geschiedenen und eine ziemlich verkrachte Existenz führenden Sohn in Oslo und gabelt auch noch eine 16jährige Streunerin auf, die sich um ihre alkoholkranke Mutter kümmern muss – womit dann auch noch das Thema „Familie“ gestreift wird und (Achtung Witz!) für weitere Lachsalven sorgt – bevor ihm tatsächlich die „Entführung“ des ebenso umstrittenen wie auch super geizigen Multimillionärs gelingt. Doch damit fangen die Probleme erst an…

kill-billy

© NFP marketing & distribution

Eigentlich enthält KILL BILLY  so ziemlich alle Zutaten, die man von solcher Art von Filmen kennt; wortkarge Gestalten, gerne auch schon etwas älter, absurde Situationen, unerwartete Wendungen und ein Ende, das im Grunde genommen so gut wie nichts (er)klärt. Hier jedoch hat man den Eindruck, der Regisseur habe eventuell mehr gewollt. Sollte das tatsächlich der Fall sein, dann allerdings hat ihn auf halber Strecke der Mut verlassen. So könnte man als Zuschauer zu Beginn eine saftige Abrechnung mit dem Raubtierkapitalismus erwarten oder zumindest darauf hoffen, dass der mehr als umstrittene echte Kamprad (Stichworte: Steuerhinterziehung, Ausbeutung, NS-Vergangenheit) böse abgewatscht wird, aber bis auf seinen Geiz – der im Übrigen ständig thematisiert wird – kann der echte Kamprad mit diesem Porträt  mehr als zufrieden sein, denn er wirkt gar nicht einmal unsympathisch und kann sich zudem auch noch über die wohl kostenlose Reklame für sein Möbelhaus freuen, auch wenn Harold ständig über die Möbelqualität nörgelt.

Unterm Strich wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen als diese insgesamt doch sehr unentschlossene Mischung, und trotz seiner knappen Laufzeit macht sich vor allem im letzten Drittel zunehmend Langeweile breit, weil einen das Gefühl beschleicht, der Regisseur wisse nicht so recht, was er mit seinen Figuren  überhaupt anfangen soll, wenn er sie erst einmal zusammengeführt hat.

P.S. Offensichtlich schielt der Filmverleih mit dem deutschen Titel hierzulande auf einen gewissen Q. Tarantino und dem damit verbundenen Kultstatus; im Original heißt der Film schlicht und ergreifend „Hier ist Harold“.

Technische Daten:

Specials: Interview mit Regisseur Gunnar Vikene, Kinotrailer
Ton:  Dolby Digital 5.1
Sprachen:  Deutsch, Norwegisch
Untertitel: Deutsch
Bild:  16:9 (1:2,39)

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