The Neon Demon

Land: Frankreich/Dänemark/USA 2016
Regie: Nicolas Winding Refn
Mit: Elle Fanning, Keanu Reeves, Jena Malone, Abbey Lee, Bella Heathcote, Christina Hendricks
Label: Koch Media
Veröffentlichung: 20.10.2016 als DVD, Blu-ray, Mediabook (4 Disks), Steelbook, 4K Ultra HD-Blu-ray
FSK: 16

Ein Beitrag unseres neonlichtscheuen Autoren Julian Dax:

neon-demon-cover

Im Englischen gibt es die schöne Metapher one trick pony, mit der man jemanden bezeichnet, der eine Sache, aber wirklich nur eine, besonders gut kann, bei allem anderen allerdings kläglich versagt. Jedenfalls ging mir beim Betrachten von Nicolas Winding Refns neuem Film THE NEON DEMON ständig dieser Ausdruck durch den Kopf. Erinnern wir uns: Als vor einigen Jahren mit DRIVE Refns erster Hollywood-Film in die Kinos kam, waren Publikum und Kritiker entzückt. Ryan Gosling spielt darin einen unglaublich coolen Fluchtfahrer, dem die Liebe in die Quere kommt. Dabei war es weniger die Geschichte und noch weniger die im Grunde flachen Charaktere oder Dialoge, die faszinierten, es war vielmehr die Machart. Bild, Ton, Schnitt – alles wirkte wie aus einem Guss und präsentierte ein (meist nächtliches) Los Angeles als wahre Höllenvision.

Doch bereits mit seinem nächsten Film ONLY GOD FORGIVES erntete Refn größtenteils ungläubiges Kopfschütteln. Schauplatz ist diesmal Bangkok, wo wieder Ryan Gosling als ebenso desillusionierter wie desorientierter Drogenhändler auf Geheiß seiner Mutter den gewaltsamen Tod seines psychopathischen Bruders rächen soll. Wie in DRIVE spielt sich die Handlung überwiegend nachts ab, wieder setzt Refn extreme Lichteffekte ein, erneut soll der Zuschauer in eine Art Hölle hineingezogen werden, aus der es kein Entrinnen gibt. Doch bereits hier überspannt der dänische Regisseur den Bogen gehörig; „Charaktere“ und Dialoge sind derart künstlich, dass sie nur noch lächerlich wirken und das Interesse des Zuschauers rasch erlahmen lassen.

Leider beweist Refn mit THE NEON DEMON, dass damit immer noch nicht die Talsohle erreicht war. Den Film, der dieses Jahr in Cannes von einem teils belustigten, teils empörtem Publikum lautstark ausgebuht wurde, kann man beim besten Willen nur als jenseits von Gut und Böse bezeichnen. Wieder ist Los Angeles der Schauplatz, wieder ist es meistens Nacht, wieder sind es keine Charaktere, sondern lediglich Klischeefiguren, mit denen man es zu tun bekommt. Diesmal jedoch nervt alles nur noch und zieht sich zudem noch endlos hin, weil Refn diesmal überhaupt keine Geschichte mehr erzählt, sondern derart in seine Tableaus verliebt ist, dass er glaubt, sie ersetzten so etwas wie eine nachvollziehbare Handlung.

Im Wesentlichen geht es um ein 16jähriges Mädchen (Elle Fanning), das in Los Angeles Karriere als Model machen möchte und dabei allen möglichen Gestalten begegnet, mit denen man als halbwegs normal denkender – oder überhaupt denkender – Mensch etwas zu tun haben möchte. Nach etlichen hohlen Gesprächen und viel Posiererei anstatt Schauspielerei driftet der Film auch noch in ziemlich unappetitliche Gefilde (Nekrophilie, Kannibalismus) ab, was einem zu diesem Zeitpunkt aber auch schon egal ist. Man muss wirklich lange suchen, bevor man einen vergleichbar langweiligen, prätenziösen und unsinnigen Film findet. Und Elle Fanning sollte zumindest einen Satz aus dieser filmischen Totalkatastrophe für sich selbst beherzigen: „Wenn man in diesem Geschäft erst einmal 21 wird, ist man sowas von abgeschrieben!“ sagt eines der Models über ihren Beruf. Ohne bessere Rollen in sinnvolleren Filmen gilt das wohl auch für das Filmgeschäft.

Technische Daten:

Filmlänge: DVD: ca. 113 Minuten; Blu-ray: ca. 118 Minuten
Bildformat: 2.35:1 (16:9)
Tonformat: DVD: Dolby Digital 5.1; Blu-ray: DTS HD-Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Intro von Nicolas Winding Refn, Exklusives Interview mit Nicolas Winding Refn in Berlin, Exklusiver Audiokommentar, Bildergalerie, Teaser, Trailer 

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3 Antworten zu The Neon Demon

  1. Pingback: Kritik: The Neon Demon – filmexe

  2. Laura Palmer schreibt:

    Filmkunst?

    Gefällt 1 Person

  3. Quadrataugenrunde schreibt:

    Einer der schönsten Filme des Jahres.

    Refns Filmografie beginnt weder mit Drive, noch ist sie von ihm abhängig.

    Gefällt 2 Personen

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