Hinter den Wolken

Originaltitel: Achter de Wolken
Land:
Belgien 2016
Laufzeit: 109 min
Regie: Cecilia Verheyden
Mit: Chris Lomme, Jo De Meyere, Katelijne Verbeke, Charlotte De Bruyne, Lucas van den Eynde, Hugo Van Den Berghe, Karel Vingerhoets, Charlotte Anne Bongaerts, Jonas De Vuyst
Kinostart: 20.10.2016

Ein Beitrag unseres in Würde gealterten Autors Julian Dax:

© Pandora Film Verleih

Im Jahre 2008 erregte Andreas Dresen ziemliches Aufsehen mit seinem Film Wolke 9, und zwar allein deshalb, weil er das nach wie vor tabuisierte Thema „Liebe und Sexualität im Alter“ auf die Leinwand brachte. Dazu meinte der renommierte deutsche Regisseur seinerzeit in einem Interview : Es hat mich angeödet, dass die Gesellschaft immer älter wird, es aber nicht die dazugehörigen Bilder gibt – Liebe und Sex hören ab einem bestimmten Alter scheinbar auf zu existieren.

Zufall oder nicht, auch der belgische Film HINTER DEN WOLKEN behandelt nicht nur ein ähnliches Thema, sondern trägt auch fast dieselbe Metapher im Titel, auch wenn die Herangehensweise der beiden Regisseure völlig unterschiedlich ist.
Nach mehr als 50 Jahren treffen sich Emma und Gerard wieder. Für beide war es damals die erste große Liebe. Und obwohl sie inzwischen fast ein ganzes Leben trennt, spüren sie noch immer die gleiche Anziehung, Vertrautheit und Leidenschaft. Während Emmas Enkelin ihre Großmutter dazu ermutigt, zu ihren Gefühlen zu stehen, ist es vor allem Emmas Tochter, die dagegen opponiert, denn ihrer Meinung nach kommt das alles viel zu unvermittelt und vor allem viel zu früh. Schließlich ist Emmas Mann gerade erst gestorben. Zudem ist sie auch der Ansicht, „so etwas“ gehöre sich einfach nicht. Aber die Liebe lässt sich nun einmal weder planen noch einschränken, und was haben Emma und Gerard noch zu verlieren, außer Zeit?

© Pandora Film Verleih

Es ist erfreulich und ermutigend, dass solch ein leiser und unspektakulärer Film heutzutage auch den Weg ins Kino findet; zumindest in seinem Herstellungsland war er ein großer Publikumserfolg, und es wäre ihm zu wünschen, dass sich auch bei uns genügend Zuschauer finden.
Auch wenn man HINTER  DEN  WOLKEN den Ursprung auf der Theaterbühne anmerkt, denn der Film besteht im Wesentlichen aus Dialogen, und auch die Anzahl der Charaktere ist begrenzt, wirkt er dennoch keine Sekunde statisch oder gar langweilig, denn er wird von zwei großartigen Darstellern getragen, die auch noch die kleinste Geste überzeugend vermitteln.
Zwar geht Regisseurin Cecilia Verheyden in ihrem Spielfilmdebut nicht so radikal vor wie Andreas Dresen – die Liebesszenen sind wesentlich behutsamer und diskreter inszeniert und der Schluss bei Weitem nicht so radikal wie in Wolke 9 -, doch die Vorurteile in Bezug auf Liebe und Sexualität im Alter, um die es in beiden Filmen geht und die von sehr vielen gepflegt werden, bestehen nach wie vor. Insofern bietet der Film nicht nur anspruchsvolle Unterhaltung mit zwei glänzend aufgelegten Hauptdarstellern, sondern hält auch völlig unverkrampft und unidelogisch ein Plädoyer für ein selbstbestimmtes Leben und Lieben – ganz ohne äußere bzw. selbst auferlegte Zwänge.

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