BEN HUR

Land: USA 2016
Laufzeit: 124 min
Regie: Timur Bekmambetov
Mit: Jack Huston, Toby Kebbell, Rodrigo Santoro, Nazanin Boniadi, Morgan Freeman, Sofia Black-D’Elia, Ayelet Zurer, Moises Arias, Pilou Asbæk, Marwan Kenzari
Kinostart: 1.9.2016

Ein Beitrag unseres tapferen Gladiators Julian Dax:

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© Paramount Pictures

Während Hollywood die Bilanzen für die erhofften Blockbuster 2016 vergleicht und ernüchtert feststellen muss, dass – mit Ausnahme von CAPTAIN  AMERICA:  CIVIL  WAR  und  STAR  TREK  BEYOND – kein einziger der mit großem Getöse gestarteten Filme weder bei Kritikern noch beim zahlenden Publikum so richtig für Begeisterung sorgte, starten Paramount und MGM gemeinsam am Ende der Hauptsaison ein weiteres 100 Millionen Dollar teures Desaster – und zwar das Remake eines Remakes von 1959. Merkwürdig dabei erscheint allerdings, dass dies praktisch ohne das bei solchen Großproduktionen übliche Werbetamtam geschieht. Ist das nun Bescheidenheit, Glaube an die positive Kraft der Mundpropaganda oder schlicht Misstrauen gegenüber dem eigenen Produkt, das man insgeheim bereits als Verlust abgeschrieben hat?

Bereits im Vorfeld fragten sich zahlreiche Filmfreunde, denen William Wylers mit insgesamt 11 Oscars ausgezeichnete Version von BEN HUR mit Charlton Heston und Stephen Boyd in den Hauptrollen noch bestens im Gedächtnis haftet, welchen Sinn es habe, diesen Stoff noch einmal zu verfilmen, zumal biblische Themen nicht gerade die anvisierten Zuschauermassen zwischen 15 und 30 dazu animieren, die Kinokassen zu stürmen. Leider stellt sich diese Frage bereits auch nach nur wenigen Minuten Laufzeit der Neufassung und verlässt einen bis zum Schluss nicht mehr.

Eigentlich sollte man ja fair sein und nicht ständig Vergleiche anstellen, aber wie soll man das, wenn diese Neufassung Wyler´s Film entweder sklavisch folgt oder aber sich so sehr von ihm entfernt, dass man erst recht an die alte Version denken muss? Nun denn, diesmal führt Timur Bekmanbetov (Wanted,  Abraham  Lincoln: Vampire Hunter) Regie, mithin also jemand, der sich zwar auf schnell geschnittenes Popcornkino versteht, nicht aber unbedingt auf die Darstellung glaubwürdiger Charaktere.
Die Hauptdarsteller sind diesmal Jack Huston und Toby Kebbell, und wenn vor Ihrem geistigen Auge jetzt ein großes Fragezeichen erscheint, dann reagieren Sie genauso wie der Verfasser dieser Zeilen. Außer prachtvoller, strahlend weißer Zähne – übrigens auch noch nach 5 Jahren als Galeerensträfling! – und wundervoller Körper haben die beiden Herren nicht so furchtbar viel vorzuweisen, und immer wieder ertappt man sich bei dem Gedanken, die Beiden könnten, ebenso wie die ebenfalls unbekannten, vor allem aber unwichtigen Darstellerinnen, auch hervorragend als Models für alle möglichen Produkte eingesetzt werden.
Aus dem Rahmen der Darstellerriege fällt lediglich Morgan Freeman, der mit seinen grauen Dreadlocks wenigstens originell erscheint und seine wenigen Szenen mit Anstand über die Bühne bringt.

© Paramount Pictures

Besonders interessant wird die Sache allerdings, wenn man sich vor Augen hält, dass die ausführenden Produzenten, das Ehepaar Mark Burnett und Roma Downey, in erster Linie verantwortlich sind für diverse Fernsehproduktionen, die allesamt auf biblischen Stoffen basieren und sich vor allem an die besonders frommen amerikanischen Zuschauer im sog. bible belt richten. Das erklärt dann auch die ständige Präsenz von Jesus in diesem Film. Während in der Version von 1959 dieser nur jeweils ganz kurz, nie ganz im Bild und vor allem stumm erscheint, ist er hier quasi omnipräsent und gibt ständig fromme Bibelsprüche von sich. Dabei versteht es sich von selbst, dass auch dieser Schauspieler absolut modeltauglich ist. Den Tiefpunkt erreicht der Film, der übrigens auch völlig überflüssigerweise als 3-D-Fassung läuft, allerdings, als am ohnehin schon die Kitschgrenze weit überschreitendem Ende zum Abspann auch noch ein belangloser Popsong ertönt. Absolut unerträglich!

Gibt es denn somit gar nichts Positives zu berichten? Doch, das gibt es auch. Während die Fassung von 1959 Schwielen am Hintern verursachende 222 Minuten dauert, kommt die Neuverfilmung mit ganzen 124 aus. Und das ca. 10 Minuten dauernde Wagenrennen am Ende ist einfach nicht kaputt zu kriegen und somit im Grunde die einzige wirklich spektakuläre und schweißtreibende  Sequenz, auch wenn man sich heutzutage natürlich niemals sicher sein kann, was nun auf der Leinwand echt ist und was aus dem Rechner stammt…

Fazit? Sollten Sie tatsächlich mal wieder Lust auf einen biblischen Schinken verspüren, besorgen Sie sich lieber die William Wyler-Version, die es bereits seit längerer Zeit preiswert und in toller Ausstattung auf DVD/Blu-ray gibt und vergeuden Sie nicht Ihre Zeit mit einer verlängerten Sonntagspredigt mit ein paar Actioneinlagen.

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