Prime Cut

Land: USA 1971
Regie: Michael Ritchie
Mit: Lee Marvin, Gene Hackman, Angel Tompkins, Sissy Spacek, Gregory Walcott
Label: explosive media

Ein Gastbeitrag unseres langjährigen Gangsterfilm-Spezialisten Julian Dax:

prime-cut-cover-vorne

1972 war ein gutes Kinojahr: Der Pate von Francis Ford Coppola und French Connection von William Friedkin, um nur zwei markante Beispiele zu nennen, wurden von Publikum und Kritikern gleichermaßen begeistert aufgenommen. Im selben Jahr kam auch Michael Ritchies Prime Cut in die Kinos – in Deutschland unter dem ebenso doofen wie nichtssagenden Titel Die Professionals. Doch trotz prominenter Besetzung (Lee Marvin, Gene Hackman sowie Sissy Spacek in ihrer ersten Rolle) war dem Film nirgends der Erfolg beschieden, den er eigentlich verdient hätte.

Dankenswerter Weise hat explosive media den Film neu veröffentlicht, und, wenn man das Alter bedenkt, sogar in einer ordentlichen Version – sieht man einmal von einigen wenigen Tonschwankungen in der deutschen Synchronfassung ab. Aber welcher Filmfreund schaut sich schon die Synchronfassung an, wenn er die Herren Marvin und Hackman im Original genießen kann?

Zudem wird ohnehin nur das Nötigste gesprochen – schließlich haben wir es ja mit richtig harten Männern zu tun – und der sehr überschaubaren Handlung kann man absolut problemlos folgen. Lee Marvin spielt den Mann fürs Grobe, der für den Boss einer Chicagoer Bande eine größere Geldsumme beim Fleisch-, Mädchen- und Rauschgift-händler Gene Hackman eintreiben soll, der sich in Kansas City unter den Augen der Öffentlichkeit ein äußerst lukratives Imperium aufgebaut hat.

Dabei hält sich Michael Ritchie nicht mit solchen Lappalien auf wie erklärenden Dialogen – Wieso heißt Hackmans Figur „Mary Ann“? Merken die anständigen Bürger von Kansas City nicht, was da eigentlich läuft? Warum schlägt keiner Alarm, als auf dem Förderband der Fleischfabrik ein einsamer Herrenschuh vorbei zieht? – was jedoch absolut nicht stört. Ähnelt doch der ganze Film stellenweise einem surrealen Märchen, mit Lee Marvin als tapferem Weißen Ritter, der das arme Waisenmädchen aus den Klauen des Bösen befreit.

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© Centfox

Vielleicht ist ja gerade dieser surreale Grundton, der seinerzeit das Publikum befremdet hat, vielleicht waren auch einzelne Sequenzen zu schockierend für das Mainstreamkino; bei der „Auktion“ im Stall muss man sich auch heute noch verwundert die Augen reiben, was in Hollywood in den mutigen und revolutionären Siebzigern möglich war!

Wer also ein kleines, zu Unrecht fast vergessenes Juwel entdecken möchte, der schaue sich Prime Cut an. Und sei es auch nur wegen der ebenso liebevollen wie spannenden Hommage an Alfred Hitchcocks Der unsichtbare Dritte. War es dort ein Flugzeug, das Cary Grant auf offenem Feld bedrohte, so bekommen es Lee Marvin und Sissy Spacek hier mit einem monströsen Mähdrescher zu tun.

prime-cut-cover-hinten

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