Woody Allen – Ein ganz persönlicher Blick auf das Filmgenie

Originaltitel: Woody Allen. El último genio
Autor:
Natalio Grueso, Marianne Gareis (Übersetzung)
Verlag: Atlantik Verlag, 2016
Umfang: 256 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-455-70018-3
Preis: 18 Euro, 18.50 Euro (A), E-Buch (13.99 Euro, ISBN 978-3-455-18010-7)

woody-allen-ein-ganz

Woody Allen hat mich im Kino von Anfang an begleitet. Ich schätze den kleinen neurotischen Mann mit der charakteristischen Brille als Autor, Regisseur und vor allem als Schauspieler. Leider gilt der 80jährige Allen als eher öffentlichkeitsscheuer Mensch, der sein Privatleben zu schützen versucht. Da kam mir die unlängst auf Deutsch publizierte Biografie seines Freundes Natalio Grueso aus dem Atlantik Verlag sehr gelegen…

Der Autor Grueso ist als Regisseur und Kulturschaffender in Spanien tätig. Und vor allem seit langen Jahren mit Woody Allen befreundet. Er begegnete dem Stadtneurotiker erstmals im Jahr 1979 in Gestalt seines schwarz-weißen Meisterwerkes Manhattan.
Wie der Zufall es will: mein erster Woody Allen-Film war ebenfalls Manhattan, den ich im Oktober 1979 im neu renovierten Heilbronner Bambi-Kinos gucken durfte:

manhattan-annonce

1980 kaufte ich mir meine erste deutsche Biografie zum kleinen Filmemacher und Komiker, die im Rahmen der Heyne-Filmbibliothek (Artikel) erschien…

Aus irgendeinem Grund schätzt man mich in Frankreich mehr als hier. Die Untertitel müssen wirklich gut sein [Woody Allen, S. 127]

Nach über 35 Jahren nun also ein aktuelles Buch über den Mann mit der Klarinette, das ich gleich verschlungen habe: Natalio Grueso hat sein nicht chronologisches (!) Werk in eine Einleitung und zwölf Kapitel aufgeteilt, die aber – mein erster Gedanke – nichts mit den Monaten eines Jahres zu tun haben.
Vielmehr befasst sich jeder Abschnitt, der mit einem Foto aus dieser Zeit sowie einem Zitat des Künstlers eingeleitet wird, mit einem speziellen Thema zum Wirken und Schaffen Woody Allens. Die Überschriften sprechen eine deutliche Sprache und sollen daher hier aufgelistet werden:

  1. Das junge Talent
  2. Der Stand-Up-Comedian
  3. Der Geschichtenerzähler
  4. Der Komiker
  5. Die Berühmtheit
  6. Der Kinoliebhaber
  7. Der Spanienliebhaber
  8. Der Glückspilz
  9. Der Musiker
  10. Der Leser
  11. Der Existenzialist
  12. Der Ewige

Wer sich an der dieser ganz speziellen Form der Biografie stört, sei auf die achtseitige Chronologie am Ende des Buches hingewiesen. Hier sind alle biografischen Daten und die Filme Woody Allens chronologisch aufgeführt.

Der Autor belässt es dabei nicht nur bei biografischen Daten, sondern belebt seine angenehm zu lesenden Texte durch persönliche Kommentare sowie Aussagen von Woody Allen, Familienmitgliedern, seinen Freunden und auch anderen Menschen, die im Leben des Komikers eine Rolle spiel(t)en.

Das letzte Mal war ich in einer Frau drin, als ich die Freiheitsstatue besucht habe [Woody Allen, S. 93]

Dabei erfährt der Leser viele private Dinge über den Filmemacher, seine Philosophie und auch die ihm umgebende Filmbranche, in der er seit Woody, der Unglücksrabe (Take the Money and Run, 1969) weitgehend frei agieren darf.

Die immer wieder im Text vorkommenden Filmtitel haben mich durchgehend an die gut 70 Streifen erinnert, die unser Mann inzwischen auf dem Buckel hat. Wobei es dabei einige gibt, die ich gar nicht mag (manche Werke mit Mia Farrow ) und viele (z.B. die frühen Klamaukfilme und alle mit Diane Keaton ), die ich mir jetzt nochmal ansehen möchte…

Was mich bei Natalio Gruesos Biografie etwas stört, ist die Abwesenheit von zahlreichen Fotos. Außer den 12 Kapitelbildern gibt es nämlich keine. Und in einem Buch über einen Regisseur und Schauspieler dürfen/sollten/müssten viele Fotos aus Filmen und von den Dreharbeiten sein. Plus Bilder aus dem Privatleben, wenn es sich um eine weitgehende Lebensbeschreibung handelt…

Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich möchte nur nicht dabei sein, wenn’s soweit ist [Woody Allen, S. 221]

Woody Allen – Ein ganz persönlicher Blick auf das Filmgenie ist eine aktuelle,  wunderbare und etwas bilderarme Biografie über den hochverehrten Stadtneurotiker.
Für Fans und Liebhaber des kleines Mannes an dieser Stelle die Kaufempfehlung!


Weitere Bücher des Atlantik-Verlages finden Sie in unserer Filmbibliothek:

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20 Antworten zu Woody Allen – Ein ganz persönlicher Blick auf das Filmgenie

  1. Laura Palmer schreibt:

    Kleine Anmerkung: Ganz viele Bilder gibt es in dem Woody Allen-Filmbuch, das ebenfalls hier in diesem Blog vorgestellt wurde: https://kinogucker.wordpress.com/2015/11/22/woody-allen-seine-filme-sein-leben/
    Beide Bücher sind toll und ergänzen sich gegenseitig!

    Gefällt 2 Personen

  2. Aktion Morgenluft schreibt:

    Würdest du mir einen Woody Allen-Film nahelegen, der für Beginner geeignet ist? Kapituliert habe ich vor: Midnight in Paris, Stadtneurotiker und Blue Jasmin. Ich konnte damit irgendwie wenig anfangen.

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  3. Wehrfrank schreibt:

    Meine Frage: Lohnt das Buch, wenn man die Bio von Eric Lax kennt und das Knesebeck-Buch?

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  4. Liegeradler schreibt:

    PS: Ich seh gerade: der von mir sehr geschätzte Herr Prinzler hat die neue Woody Allen-Bio auch schon gelesen: http://www.hhprinzler.de/2016/05/woody-allen/

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