Hannie Caulder – In einem Sattel mit dem Tod

Originaltitel: Hannie Caulder
Land:
GB 1971
Laufzeit: 82 min
Regie: Burt Kennedy
Darsteller/innen: Raquel Welch, Robert Culp, Ernest Borgnine, Christopher Lee
Label: explosive media

Ein Gastbeitrag unseres langjährigen Western-Spezialisten Julian Dax:

© explosive media

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Zweifelsohne ist der Western – neben dem Kriegsfilm – das männlichste aller Filmgenres. Frauen werden in der Regel zu Nebenfiguren degradiert und dienen vor allem dazu, den Helden zu zerstreuen, ihm moralischen Halt zu geben oder seine Wunden zu versorgen. Innerhalb des Western-Genres sehr beliebt ist wiederum das Motiv der Rache. Der Held zieht los, um das ihm und seiner Familie angetane Unrecht eigenhändig zu vergelten, indem er die Übeltäter zur Strecke bringt.

Auch Hannie Caulder folgt diesem Muster – allerdings mit einem gravierenden Unterschied: Hier ist der Rächer weiblich und muss das Schießen erst noch lernen.

Im Jahre 1971 beschloss die britische Filmfirma Tigon, die bisher vor allem mit Horrorfilmen, so z. B. mit dem wahrhaft verstörenden Witchfinder General (Der Hexenjäger) aufgefallen war, einen Western zu drehen, und zwar einen mit internationaler Besetzung. Die große Zeit der Italowestern war Anfang der Siebziger eigentlich schon wieder vorbei, die Zeit der sog. Selbstjustizfilme, in denen Frauen zur Waffe greifen, um sich an ihren Peinigern zu rächen, noch gar nicht angebrochen, denn Filme wie Die Frau mit der 45er Magnum oder Ich spuck´ auf dein Grab kamen erst einige Jahre später. Insofern war Hannie Caulder bzw. A Titful Of Dollars, wie Regisseur Burt Kennedy selbst den Film intern  umtaufte, durchaus ein Novum, noch dazu eines mit sehr prominenter Besetzung.

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© MGM

EXPLOSIVE  MEDIA  präsentiert den Film in gewohnt guter Aufmachung und Qualität, doch so ganz ungetrübt ist das Vergnügen beim Anschauen nicht: Schenkt man den Angaben im beiliegenden Booklet Glauben, müssen während der Dreharbeiten in Spanien ziemlich chaotische Verhältnisse geherrscht haben. So war das Drehbuch wohl derart miserabel, dass der Regisseur sich gezwungen sah, weite Passagen eigenhändig umzuschreiben, und auch mit dem Endschnitt war er so unzufrieden, dass er auch hier nachhelfen musste.

Was dem Film vor allem fehlt, ist so etwas wie eine klare Linie; unentschlossen schwankt er zwischen Ernsthaftigkeit und Albernheit, ohne sich für eine der beiden Möglichkeiten zu entscheiden. Das kann man vor allem an der Darstellung der Gebrüder Clemens, der Bösewichter des Films, festmachen. Es wirkt schon sehr befremdend, wie brutal sie vorgehen, Menschen in den Rücken schießen, vergewaltigen, um sich im nächsten Moment aufzuführen wie die Gebrüder Dalton aus den Lucky Luke-Comics.
Und Raquel Welch, der mit 31 Jahren offensichtlich auch nicht so klar war, ob sie nun ein Model oder einen Racheengel darstellt, kann man auch nicht so richtig ernst nehmen.

Fazit: Für Westernfreunde, die Kuriositäten nicht abgeneigt sind, ist Hannie Caulder eine kurze Abwechslung (82 Minuten) für Zwischendurch. Puristen, die ihre Western lieber eindeutig mögen, sollten jedoch eher die Finger davon lassen.

Die Zugaben:

© explosive media

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3 Antworten zu Hannie Caulder – In einem Sattel mit dem Tod

  1. Laura Palmer schreibt:

    Aus weiblicher Perspektive ist dieser Western angemessen heikel. Und auch die Bösen werden wie Karikaturen dargestellt.
    Wer sich übrigens fragt, wer der Gitarrenspieler ist, der plötzlich mal im Bild zu sehen ist: das ist der weltberühmte Virtuose Paco de Lucia…

    Gefällt 1 Person

  2. Bogartus schreibt:

    Hat dies auf Bogartus Welt rebloggt und kommentierte:
    Kinogucker hat über einen Western geschrieben, den ich nicht kenne! 🙂

    Gefällt mir

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