Triple 9

Land: USA 2016
Laufzeit: 115 min
Regie: John Hillcoat
Darsteller/innen: Casey Affleck, Kate Winslet, Woody Harrelson, Aaron Paul, Chiwetel Ejiofor, Anthony Mackie
Kinostart: 5.5.2016

Ein Gastbeitrag unseres Action-Spezialisten Julian Dax:

© wildbunch germany

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Mit Serpico (1973) und Prince Of The City (1981) schuf Regisseur Sidney Lumet gleich zwei Ausnahmefilme, die sich mit Korruption innerhalb des Polizeiapparates beschäftigen. Auch in späteren Filmen, wie z.B. Training Day (2001) oder Dark Blue (2002) stehen „dirty cops“ im Mittelpunkt des Geschehens. Genau an diese Tradition knüpft nun der australische Regisseur John Hillcoat an, der bisher vor allem mit dem kompromisslosen Western The Proposition – Tödliches Angebot (2005) und der dystopischen Romanverfilmung The Road (2009) Aufsehen erregt hat.

Gleich zu Beginn versetzt  TRIPLE 9  den Zuschauer mitten in einen chaotisch verlaufenden Bankraub und macht ihn erst in der Folge mit den Protagonisten bekannt: Eine Gruppe korrupter Polizisten, die mit der russisch-jüdischen Mafia von Atlanta („Koscher Nostra“, wie sie eine der Figuren bezeichnet) gemeinsame Sache machen, selbige Verbrecherorganisation, an deren Spitze eine Frau (!) steht, einen desillusionierten älteren sowie einen noch an gewisse Ideale glaubenden jüngeren Polizisten.

Trotz der Vielzahl der Figuren gelingt es Hillcoat, deren wesentliche Charakteristika sowie Motivationen für ihr Handeln plausibel zu machen, ohne sich in all zu grobe Klischees zu flüchten. So ist vor allem der Gewissenskonflikt des von Chiwetel Ejifor sehr intensiv dargestellten ehemaligen Musterpolizisten sehr nachvollziehbar; aufgrund familiärer Bindungen – er hat mit der Schwester der Bandenchefin einen kleinen Sohn, der als Druckmittel dient – gerät er in eine ausweglose Situation.

Auch eigentliche Standardfiguren vieler Thriller – desillusioinierter, erfahrener Bulle hier, idealistischer, draufgängerischer Jungspund dort – geraten durch Woody Harrelson und Casey Affleck an keiner Stelle zu Abziehbildern, sondern wirken absolut authentisch.

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Und dann ist da natürlich auch noch Kate Winslet, wie man sie bisher noch nie gesehen hat. Als Gangsterchefin Irina Vlasov verkörpert sie erschreckend unsympathisch die Skrupellosigkeit und Brutalität ihrer Figur, wobei es der Film größtenteils bei nicht weiter ausgeführten Momentaufnahmen belässt; ihm genügen zwei übel zugerichtete Gestalten in einem Kofferraum und ein Plastikbeutel mit menschlichen Zähnen, um zu zeigen, wozu diese Frau fähig ist. Natürlich ist Kate Winslet eine viel zu gute Schauspielerin, um ihren Charakter zu einer Parodie verkommen zu lassen.

Auch Atlanta selbst spielt eine nicht unwesentliche Rolle, wobei es Hillcoat auch hier um größtmögliche Authentizität geht. So entstanden etliche Sequenzen in Stadtvierteln, um die man Tourist einen weiten Bogen machen würde – noch niemals zuvor sah die Stadt derart dreckig und verkommen aus. Und auch die zahlreichen Actionszenen sehen niemals nach irgendwelchen heroischen „shoot-outs“ aus, sondern wirken nur brutal und abstoßend.

Und was es mit dem mysteriösen Filmtitel auf sich hat, sollte jeder Kinobesucher am Besten für sich selbst herausfinden; auf jeden Fall spielt dieser Polizeicode – so viel sei verraten – eine zentrale Rolle am Ende dieses höchst spannenden, hervorragend besetzten und glänzend inszenierten Films.

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