The Hateful 8

Land: USA 2015
Laufzeit: 167 min
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller/innen: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walton Goggins, Tim Roth, Demián Bichir, Michael Madsen, Bruce Dern
Kinostart: 28.1.2016

Ein Gastbeitrag von Julian Dax:

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© UNIVERSUM Film

Man stelle sich folgende Situation vor: Ein junger hoffnungsvoller Filmemacher versucht, Geldgeber für sein Projekt zu finden: Hey Leute, ich habe da eine super Idee. Ich möchte einen Western drehen. Im Schnee. Schauplatz ist im Wesentlichen eine einsame Hütte. Die Hauptfiguren sind allesamt undurchsichtige Unsympathen. Sie reden sehr viel.

Und am Ende  –  ACHTUNG  SPOILER!!!  –  sind alle tot. Ach ja, das Ganze dauert so ca. drei Stunden…

Die Gesichter der potenziellen Geldgeber kann man sich lebhaft vorstellen, ebenso wie die entsprechende Geste mit dem Zeigefinger an die Stirn. Da es sich aber in diesem Fall nicht um ein junges hoffnungsvolles Talent handelt, sondern um „Kultregisseur“ Quentin Tarantino höchstpersönlich, der, wie gewohnt, für Drehbuch und Regie verantwortlich ist, wurde das Projekt finanziert, und Tarantino konnte seinen ersten Western drehen – „Django Unchained“ betrachtet er laut eigener Aussage als „Southern“.

Wie bereits erwähnt, spielt die Handlung größtenteils in einer Hütte, in die sich die vier Insassen einer Postkutsche auf dem Weg nach einer Stadt namens Red Rock vor einem aufziehenden Schneesturm retten. Zwei Kopfgeldjäger (Kurt Russell, Samuel L. Jackson), eine Gefangene (Jennifer Jason Leigh) sowie der künftige Sheriff von besagtem Red Rock (Walton Goggins) treffen auf weitere vier Personen, die sich bereits in der Hütte befinden. Ein alter Südstaatengeneral (Bruce Dern) – der Film spielt kurz nach dem Bürgerkrieg – , ein mit britischem Akzent sprechender kleiner Mann (Tim Roth), ein schweigsamer Cowboy (Michael Madsen) und ein noch schweigsamerer Mexikaner (Demian Bichir).

Und nun tun diese Figuren das, was Figuren in Tarantinos Filmen – neben töten – am liebsten tun: Sie reden. Und reden. Und dann reden sie noch ein bisschen mehr. Zugegeben, die meisten Filme von Tarantino leben von ihren teilweise wirklich originellen und raffinierten Dialogen und dafür lieben und zitieren ihn auch seine Fans, doch diesmal übertreibt er es erheblich, zumal das Gesagte überwiegend weder besonders informativ noch besonders witzig ist.

© UNIVERSUM Film

Der Kultregisseur bei der Arbeit        © UNIVERSUM Film

Was dem Film – der übrigens exzellent fotografiert und ausgestattet ist – jedoch endgültig das Genick bricht, ist ein äußerst plumper dramaturgischer Kniff, der nach ca. 100 Minuten Laufzeit eine Art „deus ex machina“, oder in diesem Fall vielmehr „diabolus ex machina“ präsentiert, der die bisher gezeigte Handlung zu erklären versucht, und das auch noch mit einer völlig unpassenden Erzählerstimme

War da noch etwas? Aber natürlich, je weiter der Film voranschreitet, desto mehr zieht Tarantino die Gewaltschraube an. Auch wenn er diesbezüglich noch nie zimperlich war, übertreibt er es auch hier maßlos; wenn eine Figur einer bereits getöteten anderen noch zweimal  ins Gesicht schießt und dabei grinst oder wenn der weiblichen Figur – was hat Tarantino eigentlich generell gegen Frauen? – Blut und Hirn ins Gesicht spritzen, dann ist das weder komisch noch dramaturgisch notwendig – es ist einfach nur widerlich spekulativ.

Dennoch bleibt man als Zuschauer von diesen Gewaltexzessen seltsam unberührt, was wohl damit zusammenhängt, dass sämtliche Figuren sich lediglich auf einer Skala von „ziemlich unangenehm“ bis „extrem widerwärtig“ bewegen und einem ihr Schicksal deswegen letztlich absolut gleichgültig ist.

P.S. Wer einen wirklich originellen Western sehen will, der besorge sich lieber den ebenfalls am 21. Januar 2016 direkt auf DVD erscheinenden „Bone Tomahawk“, in dem, wie es der Zufall so will, Kurt Russell ebenfalls eine Hauptrolle spielt.

PPS: Die 70 mm-Roadshow-Fassung (175 min) läuft in diesen Kinos:

  • Zoo Palast, Berlin
  • Savoy Filmtheater, Hamburg
  • Lichtburg, Essen
  • Schauburg, Karlsruhe

PPPS: Einen Artikel über die kürzlich erschienene Tarantino-Biografie finden Sie hier.

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2 Antworten zu The Hateful 8

  1. Da Wolf schreibt:

    Am Ende sind alle tot! Kenne ich doch schon aus meinem Lieblingsfilm „Death Proof“! Was mich aber bei seinen Filmen begeistert, dass er immer sehr viele Ideen aus mehr oder weniger bekannten B-Movies nimmt und somit mit seinen Filmen auf einer Welle mit meinem Geschmak ist

    Gefällt 1 Person

  2. Bogartus schreibt:

    Hat dies auf Bogartus Welt rebloggt und kommentierte:
    Mit Verspätung ein Artikel über „The Hateful 8“

    Gefällt mir

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