MADAME MARGUERITE oder Die Kunst der schiefen Töne

Originaltitel: Marguerite
Land: Frankreich/Tschechien 2015
Laufzeit: 129 Minuten
Regie und Drehbuch: Xavier Giannoli
Darsteller/innen: Catherine Frot, André Marcon, Michel Fau, Christa Théret, Denis Mpunga, Sylvain Dieuaide, Aubert Fenoy, Sophie Leboutte, Théo Colbi
Kinostart: 29.10.2015

Madame_Marguerite_plakat

© 2015 Concorde Filmverleih GmbH

Florence Foster Jenkins (1868-1944) war eine Tochter steinreicher Eltern, die ihr Leben der Oper widmete. Fatalerweise konnte sie weder Tonlage noch Rhythmus treffen oder gar halten, trat aber trotzdem vor handverlesenem Auditorium auf und schreckte sogar vor Gesangsaufnahmen nicht zurück:


Der französische Regisseur Xavier Giannoli (Jahrgang 1972) ließ sich von genau dieser Mozart-Aufnahme zu seiner Dramödie Marguerite inspirieren. Er verlegte zwar die Handlung von den USA ins Umfeld von Paris, behielt aber den Zeitraum ab 1920 bei:

Hauskonzert auf dem Schloss der Baronin Marguerite Dumont, zu dem sich Musik-liebhaber, Freunde und Bekannte versammelt haben. Dumonts Ehemann ist – wie üblich bei solchen Veranstaltungen – durch eine vorgetäuschte Autopanne abwesend. Denn seine Gattin singt Arien! Und zwar so laut, schräg und falsch, dass die Milch noch in der Kuh sauer wird…
Doch unter den heuchlerischen Zuhörern und Speichelleckern, die gute Mine zum bösen Spiel machen, befindet sich auch ein junger Journalist. Als dessen provokanter Artikel über den Auftritt der Baronin in einer Zeitung veröffentlicht wird, bestärkt das die Adlige in ihrem Glauben, tatsächlich ein Gesangstalent zu sein.
Und plant den Auftritt in der Pariser Oper. Dazu engagiert Marguerite Dumont einen abgehalfterten Opernstar und seine zweifelhaften Helfer als Gesangslehrer. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf…

madame_marguerite

© 2015 Concorde Filmverleih GmbH

Der Regisseur über seinen Titelfigur: Ich mag Charaktere, die sich durch nichts von ihrem Ziel abbringen lassen und ihrer Leidenschaft fast schon obsessiv frönen. Mit ihrer Persönlichkeit tragen sie den ganzen Film, geben ihm Spannung, Tempo und Perspek- tive. Marguerite gibt sich ihrer Leidenschaft mit Haut und Haaren hin, denn sie durch- lebt all die Höhen und Tiefen, die damit verbunden sind, wenn man sein Leben der Musik widmet. Sie singt zwar völlig schief, drückt dabei aber eine unersättliche Lebensgier aus.

Auf der großen Leinwand macht MADAME MARGUERITE oder Die Kunst der schiefen Töne großen Spaß. Obwohl die Tatsache, dass niemand die Baronin über ihr abwesendes Talent aufklärt, hochtragisch ist…
Das Geniale an der liebenswerten Satire ist, dass sich der Regisseur in keiner Sekunde über seine vermeintliche Diva lustig macht, sondern diese ihre Würde behält. Er liefert stattdessen zwei sehr unterhaltsame Kinostunden im opulent ausgestatteten Ambiente, die von Wohlstand, Schmarotzern & Heuchlern und einer großen Passion leben.

© 2015 Concorde Filmverleih GmbH / Larry Horricks

Catherine Frot und Regisseur Xavier Giannoli
© 2015 Concorde Filmverleih GmbH / Larry Horricks

PS: Stephen Frears arbeitet derzeit an dem Spielfilm Florence. Mit dabei sind Meryl Streep und Hugh Grant.

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