Kinomarathon – Ein Tag im Leben des Kinoguckers

Ob das was Gutes ist, muss ein jeder selber entscheiden: Während andere Menschen morgens an ihren Arbeitsplatz gehen, hockt sich ein Filmkritiker in einen dunklen Saal und schaut sich Filme an.

Auf dem heutigen Plan des Kinoguckers standen gleich vier Filme:

4plakate

10 Uhr: Mein Herz tanzt

Originaltitel: Dancing Arabs
Land
: Israel/Deutschland/Frankreich 2014
Laufzeit: 105 Minuten
Regie: Eran Riklis
Darsteller/innen: Tawfeek Barhorn, Yael Abecassis, Michael Moshonov, Ali Suliman, Danielle Kitzis, Marlene Bajali
Kinostart: 21.5.2015

© NFP marketing & distribution

© NFP marketing & distribution

Wir schreiben das Jahr 1988. Eyad ist Araber und wird an einer Elite-Schule in Jerusalem angenommen. Er freundet sich mit Yonathan an, der junge Jude sitzt im Rollstuhl und ist ebenfalls ein Außenseiter. Als Eyad dann noch Naomi kennen- und lieben lernt, merkt er ganz schnell, was es heißt, als Palästinenser unter Israelis zu leben…
Der israelische Filmemacher Eran Riklis wurde durch seine Spielfilme Die syrische Braut (2004) und Lemon Tree (2008) bekannt. Auch seine aktuelle Regiearbeit dreht sich wieder um den schwelenden Konflikt zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn. Als Vorlage diente das autobiografische Buch von Sayed Kashua, der auch das Drehbuch für Mein Herz tanzt verfasste.
Herausgekommen ist dabei ein unterhaltsames, aber nicht eindringliches Werk über den alltäglichen Wahnsinn des Nahost-Konfliktes.


12.30 Uhr: Lost River

Land: USA 2014
Laufzeit: 95 Minuten
Regie: Ryan Gosling
Darsteller/innen: Christina Hendricks, Iain De Caestecker, Saoirse Ronan, Matt Smith, Eva Mendes, Ben Mendelsohn
Kinostart: 28.5.2015

© Tiberius Film

© Tiberius Film

Billy ist alleinerziehende Mutter zweier Söhne, doch das Leben in Lost River ist alles andere als leicht: Bones, der ältere der beiden Brüder sammelt Schrott in der Geisterstadt und wird von den lokalen Kriminellen gejagt. Billy heuert in einem zwielichtigen Nachtclub an, der mit blutigen Horrorshows um Zuschauer wirbt.
Als Bones  im Fluss den Eingang zu einer Unterwasserwelt entdeckt, könnte sich alles ändern…
Das klingt nach einem Film von David Lynch oder Nicolas Winding Refn, ist aber das Regiedebüt des Schauspielers Ryan Gosling (Drive, Place beyond the Pines, Only God Forgives). Dabei ist Lost River perfekt geeignet, den durchschnittlichen Zuschauer nachhaltig zu langweilen oder zu vergraulen. Denn der Streifen kann eher dem Genre des Experimentalfilms zugeordnet werden.
Gosling, der auch für Drehbuch und Produktion verantwortlich zeichnet, hatte einen genialen Kameramann engagiert und das kann man in allen der surrealen oder alptraumhaften Szenen auch sehen. Die stimmungsvolle Musik, die sich vieler Genres bedient, tut ein Übriges, für Atmosphäre zu sorgen.
Nur die Geschichte bleibt bei Lost River halt auf der Strecke. Denn der schwer symbolüberfrachtete Flickenteppich mit zahlreichen Anspielungen an seine filmischen Vorbilder ist mehr krude Collage als verständliche Erzählform.


16 Uhr: 10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?

Land: Deutschland 2014
Laufzeit: 107 Minuten
Regie: Valentin Thurn
Kinostart: 16.4.2015

© 2015 PROKINO Filmverleih GmbH

© 2015 PROKINO Filmverleih GmbH

Nach dem Erfolgsstreifen Taste the Waste (mehr als 100.000 Zuschauer) legt der Regisseur Valentin Thurn seinen neuen Dokumentarfilm vor: 10 Milliarden – Wie werden wir alle satt? nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise über unseren Planeten, dessen Ressourcen nun einmal endlich sind.
Thurn erzählt von großen Konzernen und Genveränderern, die unter dem Deckmäntelchen der ‚Ernährung für Alle‘ nur an Profit interessiert sind. Von Bauern und Erzeugern, die nicht länger in Abhängigkeit leben wollen. Und von Menschen, die auf ganz unkonventionelle Art die Angelegenheit selber in die Hand nehmen.

Der Regisseur zu Besuch in Stuttgart:


18 Uhr: Das Glück an meiner Seite

Originaltitel: You’re Not You
Land
: USA 2014
Laufzeit: 93 Minuten
Regie: George C. Wolfe
Darsteller/innen: Hilary Swank, Emmy Rossum, Josh Duhamel, Loretta Devine, Marcia Gay Harden, Frances Fisher
Kinostart: 16.4.2015

© Koch Media

© Koch Media

Kate ist 36 Jahre alt, als bei ihr ALS (eine unheilbare Krankheit des motorischen Nervensystems) ausbricht. Als sie und ihr Mann eine Pflegekraft suchen, meldet sich Bec. Doch die ziemlich chaotische Studentin hat ihre ganz eigenen Methoden…

Nach dem Stephen Hawking-Drama Die Entdeckung der Unendlichkeit nun ein weiterer Film über ALS. Obwohl der Zuschauer bereits nach ein paar Minuten weiß, dass aus den beiden grundverschiedenen Frauen am Ende dicke Freundinnen werden, tut das dem Streifen keinen Abbruch. Hilary Swank liefert als kranke und schwerreiche Pianistin ein ebenso beeindruckendes Spiel ab wie Emmy Rossum als Studentin, die ihre gescheitertes Leben in Alkohol und Sex zu ertränken versucht.
Allerdings bricht bei Das Glück an meiner Seite vereinzelt der Kitsch durch, was aber dem Unterhaltungswert der beiden ziemlich besten Freundinen nicht schadet.

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3 Antworten zu Kinomarathon – Ein Tag im Leben des Kinoguckers

  1. Ma-Go Filmtipps schreibt:

    Wow, DAS nenne ich mal ein Programm! 😉
    „Das Glück an meiner Seite“ habe ich auch gesehen und fand ihn leider nicht so unterhaltsam. Meine Kritik dazu: https://magofilmtipps.wordpress.com/2015/04/16/filmkritik-das-gluck-an-meiner-seite/

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  2. shalimamoon schreibt:

    Ein sehr facettenreicher Tag 🙂
    Interessante Mischung. Kinotag müsste ich auch einmal ausprobieren.

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  3. Laura Palmer schreibt:

    Boah ey, Respekt….

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