Nur eine Stunde Ruhe!

Originaltitel: Une heure de tranquillité
Land
: Frankreich 2015
Laufzeit: 79 Minuten
Regie: Patrice Leconte
Darsteller/innen: Christian Clavier, Carole Bouquet, Valerie Bonneton, Rossy de Palma
Kinostart: 16.4.2015

(c) DCM

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Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie sind Jazzliebhaber, stolzer Besitzer einer wandfüllenden LP-Sammlung und finden nach vielen Jahren endlich genau das Album, das Ihnen noch fehlt. Wie ein Weltmeister tragen Sie ihre Beute nach Hause, legen sie mit zitternden Händen auf den Plattenteller und entstauben die Scheibe vorsichtig. Sie wähnen sich am Ende einer schier unendlichen Reise und wollen nur noch eine Stunde Ruhe, um mit dem Meisterwerk von 1958 ihre Gehörgänge zu fluten…

Doch zu früh gefreut, denn plötzlich brechen die Ereignisse nur so über Sie herein:

  • Ihre Geliebte hat das Heimlichtun satt und möchte mit Ihnen reden
  • Ihre spanische Putzfrau vollzieht heute ihren Staubsaug-Tag
  • Ihre Gattin kämpft mit Depressionen
  • Im Kinderzimmer wütet ein polnischer Schwarzarbeiter und reißt Wände ein
  • Ihr Sohn beherbergt eine asiatische Großfamilie auf der Flucht
  • Ihr neugieriger Nachbar nervt mit den Vorbereitungen zum alljährlichen Hoffest
  • Ihre Mutter ruft ständig an
  • Ein Wasserrohrbruch flutet Teile Ihrer Wohnung
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Das Theaterstück Eine Stunde Ruhe entstammt der Feder Florian Zellers und wurde 2013 zum ersten Mal aufgeführt. Der Regisseur Patrice Leconte sah die Geschichte und war an der Verfilmung interessiert.
Dabei wurde das Kammerspiel für die große Leinwand erweitert, wie Leconte im Interview erzählt: Die Grundlinie ist natürlich dieselbe, aber wir haben das, was auf der Bühne nur filigranhaft angelegt war, ganz erheblich ausgearbeitet. Bestimmte Figuren haben sich extrem weiterentwickelt, der Sohn zum Beispiel, die philippinische Familie, die portugiesischen Arbeiter, die Zugehfrau, die Nachbarschaft …
Und, das war das Tolle, damit hat sich auch der Raum geöffnet: Statt nur im Wohnzimmer
zu spielen, sind wir jetzt in der gesamten Wohnung, in den Zimmern, dem Flur, im Treppenaufgang, im Lift, auf der Straße … Für einen Filmregisseur ergibt sich daraus eine fantastische Weite für die Inszenierung. Wir konnten das Theater vollständig hinter uns lassen.

Nur eine Stunde Ruhe! als Meisterwerk zu bezeichnen, wäre falsch. Dazu ist der Streifen einfach zu hektisch und zu überdreht. Er ist vielmehr eine sehr leichtgewichtige Komödie um einen Egoisten, der absolut im Mittelpunkt steht und der von Christian Clavier (Monsieur Claude und seine Töchter) schwungvoll verkörpert wird.

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