Wir waren Könige

Land: Deutschland 2014
Laufzeit: 107 min
Regie und Drehbuch: Philipp Leinemann
Darsteller/innen: Ronald Zehrfeld, Mišel Matičević, Frederick Lau, Oliver Konietzny, Mohamed Issa, Hendrik Duryn, Thomas Thieme, Bernhard Schütz, Samia Chancrin
Kinostart: 27.11.2014

© Summiteer Films

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Das SEK-Team der Polizei bereitet sich darauf vor, eine verdächtige Wohnung zu stürmen. Doch der Einsatz in einem Mehrfamilienhaus geht ziemlich schief: Einer der Beamten wird gefährlich angeschossen und der Täter kann fliehen.
Für die SEK-Gruppenleiter Kevin und Mendez wird es langsam eng, denn aus Kostengründen sollen mehrere Einheiten aufgelöst werden. Außerdem stehen ihre Leute unter spezieller Beobachtung, als zwei Kollegen im Einsatz gegen Jugendbanden ermordet werden und eine Dienstwaffe verschwindet…

© Summiteer Films

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Drehbuchautor und Regisseur Philipp Leinemann ging mit dem Gedanken eines Polizeifilms schon vor seinem Studium an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) schwanger. Nach diversen Kurzfilmen und dem Abschlussfilm Transit (Produzentenpreis beim Filmfest München 2010) kommt nun sein Kinodebüt auf die Leinwände.
Schon in den ersten Minuten wird klar, dass Wir waren Könige deutlich realistischer und vor allem brutaler als der sonntägliche Tatort im Bezahlfernsehen ist. Der Zuschauer wird Zeuge einer erbarmungslosen Männerwelt, in der die Gesetzeshüter und die Gesetzlosen nur ein ganz schmaler Grat trennt.
Im Mittelpunkt steht der 13-jährige Nasim, der gerne Mitglied in einer der Straßenbanden wäre, doch von den Älteren mehr schikaniert als akzeptiert wird. Als der Junge in den Besitz einer Polizeiwaffe gelangt und einen Unschuldigen in den Fokus der Ermittlungen bringt, löst er damit eine Spirale der Gewalt aus…

Leinemanns engagierter Thriller erzählt seine Geschichte mit tollen Darstellern, wobei  im Laufe der Ereignisse einzelne Klischees negativ punkten. Außerdem bleibt die Übersicht wegen einer überkonstruierten Handlung und allzu vieler Charaktere leicht auf der Strecke.

© Summiteer Films

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Aus einem Interview mit dem Regisseur Philipp Leinmann:

CL: Wie kamst Du auf die Idee zu WIR WAREN KÖNIGE?
PL: Eigentlich war die Idee schon immer da, schon vor der Filmhochschule. Ich weiß, dass ich schon während meiner Praktikumszeit immer in der Ecke saß und das Treatment geschrieben habe. Ich habe immer an „Es war einmal in Amerika“ von Sergio Leone gedacht. Also, der Wunsch, einen Film zu machen, über die Jugend und das, was man so erlebt hat, was einen so fasziniert, der Zusammenhalt von einer Clique mit dieser ganzen Nostalgie und dieser ganzen Romantik, dieser Wunsch war immer da und ich wusste, sobald ich die Chance bekomme, mache ich diesen Film.

CL: Der Film ist auch Deine eigene Geschichte.
PL: Also, der Titel ist fiktiv. Aber der Charakter von den Jungs und diese Freundschaft und dieser Zusammenhalt und wie das dann zerbricht, so etwas wie dieses von Vorurteilen zerfressene Schubladendenken, dass so ein kleiner Anstoß manchmal reicht, um so eine zehn oder fünfzehn Jahre alte Freundschaft zu zerbrechen… das ist autobiographisch. Die Geschichte ist es nicht. Als Filmemacher bist Du Geschichtenerzähler, man braucht natürlich ein dramaturgisches Konstrukt, um das zuspitzen zu lassen.

CL: Es gab in Deinem damaligen Freundeskreis eine Jugendgang und eine SEK Einheit. Einige Situationen im Film beruhen also auf Deinen persönlichen Erfahrungen. In wie fern haben Dir Deine Erfahrungen bei der Recherche geholfen? Zum Beispiel bei der Frage, welche Strukturen beim SEK vorherrschen?
PL: Ich durfte – das hat lange gedauert – mal so eine SEK-Stätte betrachten, also wo die ihre Einsatzräume haben, ihre Aufenthaltsräume, ihre Waffenräume. Die haben da eine Kneipe und Trainingsräume. Die waschen da ihre Wäsche. Die haben sich da aus persönlichen Sachen ein Wohnzimmer zusammengebaut. Da dürfen nicht mal andere Polizisten rein, auch nicht Politiker oder so. Da werden die Türen abgeschlossen. Da hast Du auch so einen Schrank mit den Gefallenen und den alten Helden und den ganzen Namenslisten, wer alles mal da war und das fand ich spannend. Natürlich ist das ein Polizeifilm, aber für mich ist WIR WAREN KÖNIGE ein Film über Freundschaft, über Männerhierarchien, Strukturen und Gruppendynamiken. Ein Film darüber wie diese Kerle ticken, also dieser Zusammenhalt.

CL: „Wie Kerle ticken“ kann man in der Bowlingszene von WIR WAREN KÖNIG beobachten. 30 Darsteller außer Rand und Band. Wie hast Du diese Szene gedreht?
PL: Das wurde ich jetzt schon ein paar Mal gefragt, „Wie hast Du das gemacht?“. Das war für mich eigentlich nicht so schwierig. Diese Szene wurde schon so angeteasert, alle haben sich darauf gefreut, die Schauspieler vor allem, weil ich auch immer gesagt hatte, da ist alles erlaubt… Ich hab auch gesagt, ich lass‘ Euch da in Ruhe. Das war an einem Punkt, an dem jeder seine Rolle und die Clique kannte… Es gab dann echten Alkohol. Es gab zwei Kameras und alle wussten, es ist alles erlaubt… und dann Vollgas, ja und dann haben wir den Laden auseinandergenommen. Ich bin ja noch relativ unerfahren, aber der Bernhard Schütz oder der Ronald Zehrfeld und auch Mišel Matičević, die sagten alle, so etwas haben wir noch nicht erlebt. Es sollte das größte Besäufnis im deutschen Film werden.

CL: Und es hat geklappt.
PL: Zumindest, was das Besäufnis betrifft, ja.

CL: Ronald Zehrfeld und Mišel Matičević sind in WIR WAREN KÖNIGE das erste Mal zusammen im Bild. Hattest Du die beiden von Anfang an im Kopf?
PL: Ja. Mišel hat das immer nicht geglaubt. Und Ronnie auch nicht, aber beim Schreiben denkt man automatisch an Schauspieler. Meistens an irgendwelche Hollywoodgrößen. Und wenn Du dann guckst, wen Du dafür nehmen könntest, war’s relativ schnell klar, dass es eigentlich nur Ronald und Mišel sein können. Mit den beiden ist es so wie mit De Niro und Pacino, die mal zusammen in „The Godfather“ waren aber nie zusammen in einem Bild und dann irgendwann in „Heat“.

CL: Auch die Nebenrollen sind fantastisch besetzt von Frederick Lau über Bernhard Schütz bis Thomas Thieme. Einen der Darsteller sollten wir besonders erwähnen: den erst 15 Jahre alten Mohamed Issa in der Rolle des Nasim.
PL: Auf den bin ich ja besonders stolz. Suse Marquardt und Catherine Bode haben Mohamed Issa bei einem Casting entdeckt. Er war wirklich eigentlich ein absoluter Glücksgriff, weil das mit ihm immer sofort funktioniert hat. Der Junge hat das Buch sofort begriffen, seine Figur begriffen. Du hast versucht, mit ihm zu reden, ihm Fragen zu stellen… auch in den Proben mit Tilman Strauß und der wusste das alles immer schon. Der sagte, alles klar, steht doch alles im Buch. Ich habe immer im Spaß zu den anderen Schauspielern gesagt, wenn ihr mal so arbeiten würdet, wie dieser kleine Junge…

CL: Du hast das Drehbuch für WIR WAREN KÖNIGE geschrieben und Du hast Regie geführt. Was ist schwieriger?
PL: Es sind zwei völlig unterschiedliche Arten von Arbeit. Das Regie führen ist zeitlich sehr kompakt, wahnsinnig viel Druck, wahrscheinlich so, dass Du gar nicht groß darüber nachdenkst… Bei dem Film war es vielleicht sehr schwierig, weil Du auf so viele unterschiedliche Charaktere eingehen musstest, die ja alle am Set gleichzeitig da waren wie bei der Bowlingszene, wo dann 20, 30 Schauspieler am Set sind. Zu mir hat mal ein Schauspieler gesagt, „Du machst ja eigentlich nicht viel“, und das ist ja auch richtig. Ich sitze im Hintergrund und passe nur auf, dass nicht etwas passiert, was ich nicht will. Weil das Casting… das ist eigentlich die Regiearbeit bei so einem Film, einem Ensemblefilm, dass Du eigentlich nur darauf achtest, dass Du die Leute für die richtige Rolle kriegst und dass das von der Dynamik und vom Umfeld her zusammenpasst. Aber wenn jetzt dieFrage darauf hinauslaufen würde, was würde Dir mehr Spaß machen, Regie oder Schreiben. Ich brauche beides. Eins von beiden würde mir irgendwann zu viel oder zu langweilig werden.

CL: WIR WAREN KÖNIGE ist Dein Debütfilm. Was war die größte Herausforderung bei der Realisierung?
PL: Also, mir fallen jetzt natürlich sofort viele Dinge ein, liegt ja in der Natur von dieser Branche. Ha, das Geld kriegen! Also, es lief unheimlich gut, wenn man denkt, wie viel Geld wir hatten für das, was wir vorhatten. Man kann nur sagen, wir hatten viel Glück. Natürlich war ich auch sehr dankbar mit meinen Produzenten, Tobi und Philipp, die auch viel im Hintergrund gemauschelt haben, Probleme gelöst haben, von denen ich gar nicht mitgekommen habe. Ich hatte auch großes Glück, dass wir ein echtes SEK-Team im Vorfeld zur Beratung hatten. Dadurch haben wir viel erfahren…

CL: Es gab auch ein Zusammentreffen von echten SEKlern mit den SEK-Darstellern…
PL: Ja, also es gab die Möglichkeit, dass man in so einer Kaserne, wo die trainieren, dass man sich mal einfach das mal anschauen, mal sehen darf, Fragen stellen darf. Und dann wurde halt das Vorgehen, wie man die Waffen hält, wie man in einen Raum geht, wie so eine Blendgranate in Wirklichkeit eigentlich ist, gezeigt. Was da für ein Druck entsteht und was für ein Knall… Das ist, glaube ich, für die Schauspieler wichtig… Aber auch für die SEKler interessant… Die einen gucken so auf diese mysteriöse Filmbranche und die anderen auf diese geheimnisvolle SEK-Welt. Also beide haben sich somit Neugierde beschnuppert. Alle hatten ihren Spaß miteinander.

© des Interviews: Summiteer Film

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