Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll

Land: USA 2013
Laufzeit: 119 Minuten
Regie: Steven Soderbergh
Darsteller/innen: Michael Douglas, Matt Damon, Rob Lowe, Anthony Crivello, Debbie Reynolds

Der 1963 geborene Drehbuchautor, Produzent und Regisseur Steven Soderbergh kann wunderbare Filme machen, wie er seit seinem sensationellen Debüt „Sex, Lügen & Video“ im Jahre 1989 immer wieder bewiesen hat. Nach dem belanglosen Stripperstreifen „Magic Mike“ (2012) und noch vor der Uraufführung des intelligenten Pharmazie-Thrillers „Side Effects“ (2013) ließ Soderbergh verlauten, sich wegen Dauerfrust mit dem Hollywood-Alltag endgültig aus dem Kinogeschäft zurückzuziehen.

Seit immerhin 13 Jahren ging der Filmemacher mit dem Gedanken schwanger, einen Film über den glamourösen US-Unterhalter Liberace zu machen. „Ich dachte erst, er will mich auf den Arm nehmen“, erinnert sich Michael Douglas und sagte viele Jahre später für die Titelrolle zu. Doch trotz der vergleichsweise geringen Kosten fand sich kein Produzent für „Liberace – Der Film“, da den altehrwürdigen Studios eine Geschichte über den homosexuellen Paradiesvogel „zu schwul“ war. Soderbergh erhielt schließlich seine Finanzierung vom Fernsehsender-Sender HBO, was zur Folge hat, dass „Behind the Candelabra“ (so der Originaltitel) weltweit in den Kinos läuft, in den USA als Fernsehfilm aber keine Chance auf einen Oscar bekommt.

Als Vorlage für die Geschichte diente die 1988 veröffentlichte Biografie „Behind the Candelabra – My Life with Liberace“, die Scott Thorson verfasste: Er wurde 1976 in Las Vegas mit dem Superstar Liberace bekannt gemacht und war für sechs Jahre sein Liebhaber.

An dieser Stelle setzt der Film ein: Der bisexuelle Tierpfleger ist von der fulminanten Show des pompösen Entertainers extrem beeindruckt, während dieser mehr als Gefallen an dem gut gebauten jungen Mann findet. Er engagiert Scott als „persönlichen Assistenten“, abgeschirmt von der Öffentlichkeit teilen die beiden aber auch Küche und Bett. Liberace überhäuft Scott mit wertvollen Geschenken, schränkt aber dessen Freiheit drastisch ein und erwartet im Gegenzug, dass sich der junge Mann plastischen Operationen unterzieht. Die Beziehung endet schließlich vor Gericht, als der alternde Musiker sich in den nächsten Knaben verguckt hat.

Soderberghs aktuelle Arbeit nimmt eine Spitzenstellung im Oeuvre des Regisseurs ein: Denn hinter der prunkvollen und schrillen Fassade steckt ein scharfsinnig beobachteter und warmherziger Film über zwei einsame Männer, die doch nicht miteinander können. Michael Douglas als Titelheld, der schließlich dem AIDS-Virus unterliegt, liefert seine wohl sensibelste Rolle ab. In dessen Schatten agiert Matt Damon als naiver Junge vom Land, der angesichts des goldenen Käfigs in die Drogensucht flüchtet.

Kürzlich wurde „Liberace“ mit 11 der bedeutendsten Fernsehpreisen der USA ausgezeichnet; vielleicht wird das den Filmemacher umstimmen, weiterhin solch mutige Arbeiten abzuliefern…

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