Drecksau

Land: GB/D/B/S/USA 2013
Laufzeit: 94 Minuten
Regie: Jon S. Baird
Darsteller/innen: James McAvoy, Jamie Bell, Eddie Marsan, Jim Broadbent, Gary Lewis, Imogen Poots

Die Romane des schottischen Schriftstellers Irvine Welsh sind alles andere als leichte Kost. Zentrale Themen sind Sex, Drogen, Fußball, Leben ohne Zukunft und soziale Verelendung. Welshs Debüt „Trainspotting“ (1993) – die knallharte Geschichte von Heroin-Junkies in Edinburgh – wurde von Danny Boyle verfilmt und gilt als Kultfilm.

1998 erschien der Roman „Filth“ (Dreck, Schmutz, aber auch abwertend für Polizei), mit dem der Autor eine der abschreckendsten Charaktere der Gegenwart schuf: Detective Sergeant Bruce Robertson ist Polizist in Glasgow und ihn als „widerliches Arschloch“ zu bezeichnen wäre die Untertreibung des Jahrhunderts. Robertson ist intrigant, drogensüchtig, karrieregeil, depressiv und korrupt.

Das Buch verkaufte sich trotz (oder wegen?) einstweiliger Verfügung der britischen Polizei bezüglich des Covers in Großbritannien über 270.000 Mal, in Deutschland ist der Roman unter dem Titel „Drecksau“ erschienen. Regisseur Jon S. Baird war von dem Kultroman fasziniert und fand mit James McAvoy einen kongenialen Darsteller der brachialen Titelfigur. Auf der großen Leinwand entpuppt sich die Geschichte zwar als wüstes Körperkino weit über der Schmerzgrenze, aber leider auch als inszenatorischer Amoklauf. Denn die Vollgasnummer mit ihren pausenlosen Attacken auf Augen, Ohren, gute Sitten und Moral sind für den Zuschauer mehr als anstrengend.

Außerdem könnten sich die Drecksau-Fans – und ausschließlich an diese richtet sich die Kinoadaption – daran stören, dass die Geschichte abweichend von ihrer Vorlage nicht vom Bandwurm aus dem Darmtrakt Robertsons kommentiert wird.

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